Geplanter Straßenumbau für 11 Millionen Euro

Brauchen Radfahrer in Freilassing tatsächlich schnelle Nord-Süd-Achse?

Archivbild Reichenhaller Straße in Freilassing
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Die Reichenhaller Straße könnte schon bald wieder eine Baustelle werden, wie hier auf dem Archivbild, zusammen mit der Ludwig-Zeller-Straße und der Laufenerstraße soll sie eine schnelle Nord-Süd-Achse für den Radverkehr werden.

Freilassing - Bis zu 750 Kfz in Spitzenstunden in der Laufener Straße, bis zu 900 in der Ludwig-Zeller-Straße, dazu über 12.000 Kfz in 24 Stunden in der Reichenhaller Straße mit Tendenz nach oben. Und genau diese drei zentralen Straßen vom Norden der Stadt in den Süden sollen umgebaut werden, Radfahrstreifen und neue Ampeln erhalten. Rund 11 Millionen Euro sollen in den nächsten Jahren verbaut werden.

Kritik kommt vor allem von der CSU, Fraktionschef Wolfgang Krämer sieht einen Pseudo-Schutz für Radfahrer, denn Lkw oder Busse dürften wegen der Enge der Straßen die Radfahrstreifen immer benutzen. Roland Eckert vom städtischen Bauamt erinnerte im Stadtrat am Dienstagabend daran, dass bereits vor einem Jahr ein Ausbaukonzept für die Reichenhaller Straße vorgestellt wurde, Corona habe dann aber weitere Besprechungen ausgebremst. Nun sollen nicht nur die Reichenhaller Straße, sondern auch die Ludwig-Zeller-Straße und die Laufener Straße radfreundlich umgebaut werden und so eine Art Nord-Süd-Ache für schnelle Radfahrer werden.


Martina Schuster vom Ingenieurbüro BSM stellte die Pläne im Einzelnen vor. In der Reichenhaller Straße stünde derzeit eine durchschnittliche Straßenbreite von 12,5 Meter zur Verfügung, der geplante Radstreifen hätte in beide Richtungen eine Breite von 1,5 Meter, dürfte aber von Lkw und Bussen im Begegnungsverkehr befahren werden.

Engstellen gebe es im Bereich der Teisenbergstraße und des Hermann-Löhns-Platzes, „dort müsste der Gehweg etwas angeknabbert werden“, so Schuster, gemeint ist eine Verengung von derzeit 2 Meter auf dann 1,75 Meter. Neue Halteverbote vor allem im Bereich des Löhns-Platzes würden den Fließverkehr begünstigen, „Anrainer klagen immer über Lärm durch ständiges Bremsen und wieder Anfahren“. Im südlichsten Bereich der Reichenhaller Straße, also von der Dachsteinstraße bis zum Kreisverkehr, sollte ein beidseitiger Geh- und Radweg bis zum Kreisverkehr führen. Dazu sei aber ein Grundkauf erforderlich, wie später auch bei anderen Vorschlägen.


Kreisverkehr zum Bahnhof?

Im Bereich der Kreuzung Reichenhaller Straße mit der Bahnhofstraße wird der Verkehr wegen zahlreicher, geplanter Bauten auf den ehemaligen Rauchegger-Gründen zunehmen, könnte ein Kreisverkehr diesen Mehr-Verkehr besser abwickeln? Die Verkehrsplanerin sagt „Nein“, eine Ampel sei günstiger und auf Dauer flexibler, „die Schaltzeiten einer Ampel könnten gezielt an das Verkehrsaufkommen angepasst werden, man kann den Verkehr besser steuern“. Allein der Umbau der 1,4 Kilometer langen Reichenhaller Straße würde rund 4,3 Millionen Euro kosten.

Auch die Ludwig-Zeller-Straße will die Stadt umgestalten, „einem einzelnen Baum an der Bushaltestelle sollte mehr Platz gegeben werden, die Fußgängerampel steht jetzt an der schmalsten Stelle, sie sollte an eine breitere Stelle verlegt werden“, so Schuster. Die Umbaukosten der 740 Meter langen Ludwig-Zeller-Straße werden auf 2,3 Millionen Euro geschätzt.

Laufener Straße zu eng zum Ausbau

Die längste Diskussion unter den Stadträten lösten die Pläne für die 1,4 Kilometer lange Laufener Straße aus, die das Ingenieurbüro langfristig ausbauen möchte, „hier sollten zuerst fehlende Grundstücke angekauft werden“, so die Straßenplanerin vom Ingenieurbüro BSM. Das werde einige Jahre dauern, diese Zeit sollte die Stadt für ein neues Konzept nutzen.

Kurzfristig könne man die Laufener Straße im Bereich der Schulen „aufpflastern“ um damit den ehemaligen Ortskern spürbar zu machen und Tempo rauszunehmen. Ein eigener Radstreifen sei hier wegen der Enge der Straße nicht möglich, die Straßenplanerin empfiehlt aber die Parkplätze direkt vor den Schulen aufzulassen und Schulbussen zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich soll beim ehemaligen Gasthaus Rieschen, also an der Kreuzung der Laufener Straße mit der Matulusstraße, eine Ampel aufgestellt werden. Die Kosten für den fahrradtauglichen Umbau der Laufenerstraße betragen 4,7 Millionen Euro.

„Schutzstreifen bietet Pseudo-Schutz“

Die Euphorie für das Radwege-Schnellnetz von Nord nach Süd hielt sich in Grenzen, außer den Grünen und dem Bürgermeister konnte sich niemand so richtig dafür erwärmen. Wolfgang Krämer von der CSU befürchtet gar, dass der Fahrrad-Schutzstreifen „nur ein scheinbarer Schutz ist, denn Lkw und Busse die sich begegnen sind die Regel nicht die Ausnahme, sie dürfen den Radfahrstreifen benutzen, der Schutz ist also nur ein Pseudoschutz“. Seiner Beobachtung nach hätten vor allem die Schüler in Richtung Salzburghofen längst ihre Routen durch die Innenstadt gewählt und würden jetzt nicht auf die Reichenhaller Straße und die Laufener Straße umschwenken. „Die Alternative wäre, den Schwerlastverkehr aus dieser Nord-Süd-Achse heraus zu bringen, das wird aber nicht möglich sein“, so Krämer. Außerdem erschienen ihm Baukosten von insgesamt 11 Millionen Euro zu hoch.

Radfahrstreifen für welche Radfahrer?

Auch Daniel Längst von den Freien Wählern konnte den Plänen nicht viel abgewinnen, „die Autos werden ja nicht verschwinden, also wo werden die Autos parken, zum Beispiel in der Reichenhaller Straße mit den vielen Ärzten, wo parken dann Sankas?“ Bürgermeister Markus Hiebl warf ein, dass es in der Reichenhaller Straße einen großen Parkplatz gebe – an der ehemaligen Rauchegger-Tankstelle – dort könne man die erste Stunde kostenlos parken. „Dieser Parkplatz ist immer leer“, so Grünen-Stadtrat Wolfgang Hartmann, der auch kein Parkplatzproblem erkennen mochte.

CSU-Stadtrat Josef Kapik erinnerte mit einem Augenzwinkern daran, dass er Umbaupläne für die Reichenhaller Straße schon drei Mal gehört habe, gemeint war in drei Amtszeiten, „aber ehrlich, wie viele Radfahrer sind denn da tatsächlich unterwegs?“. Auch die neuen Pläne seien ein „Flickwerk“ mit einem 1,5 Meter breiten Schutzstreifen. Der Radverkehr sollte besser in den Heideweg umgeleitet werden. Der Bürgermeister verteidigte die Pläne der Stadt, „den Radverkehr innerörtlich umzuleiten könne man machen, aber die Pläne seien für die nächsten 25 Jahre ausgelegt und eine Stadt wie Freilassing brauche schnelle Radwege“. Edeltraud Rilling von den Grünen sprang dem Bürgermeister bei, naturgemäß ist sie der Meinung „dass der Fahrradverkehr zunehmen wird, ja zunehmen muss“ und dass sich „bei den Menschen was ändern müsse“, also ein Umdenken in Richtung Radfahren einsetzen müsse.

Am Ende der Diskussion wurden vier Beschlüsse gefasst, den Plänen für den Ausbau der Laufener Straße und der Ludwig-Zeller-Straße stimmte eine Mehrheit zu, sechs CSU-Stimmen waren dagegen. Für eine Ampel an der Kreuzung beim Rieschenwirt/Miertlwirt stimmten die Stadträte bei einer Gegenstimme zu. Einstimmig war die Entscheidung für ein Parkverbot im Bereich der Schulen in der Laufenerstraße. Drei Gegenstimmen gab es am Ende bei der Abstimmung, ob die Pläne für den Umbau der Reichenhaller Straße weiter verfolgt werden sollen.

hud

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