Rupertiwinkel: Fluglärm (k)ein Wahlkampfthema?

Kampf gegen den Fluglärm: Stabsstelle soll es richten

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Robert Judl (li.) und Bettina Oestreich sind zufrieden mit den Antworten der Kommunalwahl-Kandidaten zum Thema Fluglärm.

Freilassing - Der Streit um eine gerechte Verteilung des Fluglärms schwelt seit Jahren. Bei einer Umfrage stach eine Idee aus Ainring besonders heraus.

Im Vorfeld der Kommunalwahl am Sonntag haben die im Schutzverband Rupertiwinkel organisierten Fluglärmgegner alle Kandidaten auf Landkreis- und Gemeindeebene befragt, was sie gegen den Fluglärm zu tun gedenken. Eine Idee aus Ainring stach dabei besonders heraus, „hier kam der Vorschlag, in den Rathäusern eine Art interkommunale Stabsstelle einzurichten, also einen Kümmerer, der im Auftrag der betroffenen Gemeinden und vielleicht auch des Landkreises den Schutzverband unterstützt und das Thema Fluglärm so in allen Kommunen am Köcheln hält“, so Bettina Oestreich, Sprecherin des Schutzverbandes im BGLand24-Interview. 


Die aktuellen Zahlen indes, dass die Angst vor einer weiteren Verbreitung des neuartigen Corona-Virus auch den Flugverkehr in Salzburg-Maxglan erreicht hat. So seien am vergangenen Samstag über dem Norden, also über Freilassing, 102 Maschinen gelandet und 100 gestartet, über den Süden der Stadt Salzburg zehn Maschinen gelandet und sechs gestartet. Das sind in Summe rund ein Drittel weniger Starts und Landungen als an üblichen, starken Wintersamstagen.

Die Fragen an die Landratskandidaten, sowie die Bürgermeister- und Gemeinderatskandidaten in Freilassing, Ainring und Saaldorf-Surheim, sowie Laufen Teisendorf und Piding sei eine Idee der Mitglieder im Rahmen der jüngsten Jahreshauptversammlung gewesen, „dadurch soll mehr Verbindlichkeit erzeugt werden“, so Oestreich. Im Internet könne man auf www.fluglaermschutz.de/kommunal wahl-2020/ die Antworten der einzelnen Kandidaten nachlesen, der Verband wolle allerdings vor der Wahl absichtlich keine Personal- oder Parteiendiskussion betreiben. Oestreich und ihr Vize Robert Judl bezeichnen den Schutzverband und ihre eigene Rolle als Parteiunabhängig, auch wenn Oestreich für die Freien Wähler und Judl für ‚Pro Freilassing‘ im Freilassinger Stadtrat sitzen.


Jahrzehntelanger Streit ohne Lösung

Der Streit um eine gerechte Verteilung des Fluglärms über dem Norden des Flughafens, also über Freilassing, und den Süden schwelt schon seit Jahrzehnten, im Dezember 2012 platzte erstmals dem damaligen CSU- Verkehrsminister Peter Ramsauer der Kragen und er knallte den Plan einer Durchführungsverordnung auf den Tisch, die de facto ein Überflugverbot über deutsches Gebiet bedeutet hätte, allerdings nur bei optimalsten Wetterbedingungen. Ein Aufschrei in Salzburg war die Folge nach dem Motto „Deutschland will unseren Flughafen schließen“, es folgte ein Schulterschluss, den die Bayern heute noch neidisch beäugen. „Die Salzburger machen uns vor was Zusammenhalt bedeutet“, sagt Judl und fordert, „wir sollten das auch so machen, wir müssen gemeinsam stärker auftreten“. 

Bisher sei der Fluglärm meist nur im Stadtrat Freilassing ein Thema gewesen, durch die Umfrage will der Schutzverband erreichen, dass auch in den anderen Gemeinden die Unterstützung wächst. „Von den Kandidaten kam zum Beispiel mehrfach der Vorschlag, dass wir vom Schutzverband auch verstärkt in die Gemeinderäte kommen sollen und dort aktuelle Ergebnisse unserer Arbeit vorstellen“, so Oestreich. Auch mit dem neuen Landrat seien mehr regelmäßige Gespräche von einzelnen Kandidaten angekündigt worden, auch hier wollten Oestreich und Judl im Interview explizit keine Namen hervorheben. 

Oestreich berichtete in diesem Zusammenhang auch, dass es bereits 2018 ein Treffen mit der damals neuen Geschäftsführerin des Flughafens, Bettina Ganghofer, gegeben habe, dies sei aber nicht sehr fruchtbar gewesen, danach habe es keine Treffen mehr gegeben. Auch im Bürgerforum, in dem rund ein Drittel Anwohner aus Salzburg und Bayern sind, bleiben die Bayern seit drei Jahren fern, „die ehrenamtliche Zeit ist einfach zu kostbar“. Auf österreichischer Seite haben die Anrainer seit Herbst letzten Jahres einen neuen Sprecher, mit ihm will sich Oestreich nach den Wahlen treffen.

hud

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