Jahreshauptversammlung Schutzverband Rupertiwinkel

Fluglärm: „Wieso schützen uns unsere Politiker nicht?"

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Freilassing - Der Schutzverband Rupertiwinkel kämpft seit Jahren um eine gerechtere Verteilung der Flugbewegungen am Flughafen Salzburg. Auf der Jahreshauptversammlung wurden nun aktuelle Zahlen vorgestellt:

Jahreshauptversammlung Schutzverband Rupertiwinkel

Die Sonntage waren furchtbar! An Wintersonntagen hatten wir zwischen 110 und 160 Flugbewegungen und im Norden eine Belastung von rund 85% zu Lasten derjenigen Bürger, die im Norden wohnen. Als ob die Wintersamstage mit an die 300 Flugbewegungen nicht schon ausreichen an Belastungen für die Anwohner. Wenn man sich die Wochenenden im Winter anschaut, dann sind diese für die Arbeitnehmer die dort wohnen, nicht mehr zum Erholen da. Im Vergleich zum Jahr 2016 wurden 9% mehr Passagiere befördert und es wurden rund 7% mehr Flugbewegungen, im kommerziellen Verkehr sogar 10% mehr verzeichnet“, so startete Bettina Oestreich-Grau in ihren Rückblick über die Flugbewegungen aus dem Jahr 2017 am Salzburger Flughafen.

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Außerdem verwies sie ergänzend noch einmal darauf, dass im Jahr2017 von April bis Oktober im Gesamten, monatliche Steigerungsraten gegenüber dem Vorjahr von 20% bis zu 33% zu verzeichnen waren und betonte: „ Aber es geht nicht nur um die Samstage und Sonntage, bzw. um die Landungen. Auch die Starts belasten uns extrem. So hat sich die Anzahl der Starts nach Nordwesten von 3.724 auf 3.792 erhöht und nach Nordosten von 8.076 auf 9.067. Das macht für den Nordosten ein Mehr an insgesamt 991 Flügen aus. Für den Süden ist die Anzahl der Starts gerade einmal von 2.112 auf 2.172 gestiegen. 

Betrachtet man die gesamten Zahlen, dann sieht man recht schnell, dass an manchen Tagen sogar mehr Starts als Landungen über den Norden abgewickelt werden".

Großes Problem ILS Circling 

Auch das Circling ist nicht ganz ohne. Unter diesem Begriff versteht man eine Schleife die geflogen wird, bevor dann der Anflug doch über den Norden erfolgt: „Auch wenn es sich hierbei zwar nur um etwa 300-400 Flugbewegungen handelt, führt dieses doch zu einer Doppelbelastung (für den Norden und den Süden) und um einen zusätzlichen Lärmschub auf deutscher Seite, da der Pilot ja eigentlich von Norden anfliegen wollte und dann aber nochmal aufdrehen muss, damit er den weiteren Flugweg bestreiten kann".

Wie gesundheitsgefährdend ist der Feinstaub für die Anwohner?

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Auch die Feinstaubmessung wurde angesprochen. So wurde ein Antrag gestellt seitens des Schutzverbandes, dass die Fluglärmkommission beschließen möge, dass seitens des Staatsministeriums für Umwelt bzw. des Landesamtes für Umweltmessungen, Untersuchungen über den Ultrafeinstaub in Freilassing durchzuführen. Diese Messungen sollen der Ermittlung der Luftbeeinträchtigung dienen und die Auswertungen abhängig von Windverhältnissen und Lärmwerten durchgeführt werden.

An anderen deutschen Flughäfen konnte nachgewiesen werden, dass ein Zusammenhang zwischen den Lärmereignissen des Flugverkehrs mit dem Anstieg der gesundheitsgefährdenden Ultrafeinstaubbelastung besteht“, so Bettina Oestreich-Grau.

Gefährliche Flüge trotz Starkwind? 

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Und noch ein Kritikpunkt lag der 1. Vorsitzenden sehr auf dem Herzen. Die vermehrte Durchführung von Flügen trotz schwieriger Starkwindverhältnisse. „Normalerweise starten und landen die Flieger gegen den Wind, aber am Flughafen Salzburg ist alles anders. Es gibt Tage mit Windstärken von über 10kn aus Süden und total freier Sicht, sodass die Flieger problemlos in Richtung Süden hätten fliegen können. Und trotzdem gab es 54 Starts nach Norden. Ganz extrem war es am 24. Februar, an diesem Tag hatten wir Nord/Nord-Ost Wind mit bis zu 13 Knoten und trotzdem wurden alle Landungen von Norden durchgeführt. Da geht es dann nicht mehr nur um die Lärmbelastung, sondern auch um das enorme Gefährdungspotential durch die Flieger, aufgrund der starken und schwierigen Windverhältnisse. 

Häufig machen die Flieger sogar noch eine Schleife und versuchen es ein zweites Mal, sodass wir eine Doppelbelastung im Norden haben, anstatt direkt von Süden aus zu fliegen. Das darf so nicht weitergehen“, so Bettina Oestreich-Grau.

Was tut eigentlich die Fluglärmkommission? 

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Aber nicht nur der Flughafen Salzburg bekam sein Fett weg, auch die Arbeit der Fluglärmkommission und der verantwortlichen Politiker wurde stark kritisiert und in Frage gestellt. „Wo ein Wille, ist auch ein Weg! Die letzten Jahrzehnte, insbesondere die letzten 5 Jahre der Verkehrsminister, lassen bis auf den Entwurf einer DVO keinen politischen Willen erkennen. Wir haben in der Fluglärmkommission viel erreicht und meine Punkte werden alle langsam abgearbeitet, aber das war ein harter Kampf und ist noch immer einer. 

Hier geht es mir vor allem auch darum, wie sich die Austro Control in der Fluglärmkommission und im BBFS verhält.“, so die erste Vorsitzende und stellte abschließend die Frage: „Wieso schützen uns unsere Politiker nicht so, wie es die Österreicher mit ihren Bürgern tun ?“ 

Außerdem fügte sie ergänzend hinzu, dass ein Aktionsplan dringend notwendig sei und sowohl Michael Kaniber als auch Landrat Georg Grabner ihre Unterstützung zugesichert hätten. „Wir haben uns auf der politischen Ebene ein Netzwerk der Zusammenarbeit aufgebaut. Vor allem Michaela Kaniber hat uns da sehr geholfen. Nur aus Berlin ist bisher noch nicht wirklich viel gekommen".

Anträge der Mitglieder

Außerdem wurden noch zwei Anträge behandelt und einstimmig beschlossen. So beantragte Uwe Paschke, dass sich der Schutzverband Rupertiwinkel eindeutig gegen die Aufnahme österreichischer Anliegergemeinden in die Fluglärmkommission aussprechen soll.

Außerdem beantragte Klaus Bungarten, dass geklärt werden soll, welche klimatischen Auswirkungen der Salzburger Flugverkehr auf den Landkreis habe. Auch diesem Antrag wurde einstimmig zugestimmt und zusätzlich noch darum gebeten zu untersuchen, welche klima- und gesundheitsgefährdenden Risiken durch die erhöhte Ultrafeinstaubbelastung die Bevölkerung hat.

Viele Aktionen seitens des Schutzverbandes

Zum Ende des Vortrags kam Bettina Oestreich-Grau noch auf die zahlreichen Aktionen zu sprechen, die in den vergangenen Monaten geschehen sind. So wurden über 40 Plakate ausgehändigt, eine neue Homepage erstellt, sowie Flugblatt- und Infostandaktionen durchgeführt. Auch haben diverse Treffen mit Politikern wie zum Beispiel Michaela Kaniber, Gisela Gsengl und Dr. Marcel Huber stattgefunden, sowie mit der neuen Flughafenchefin. Außerdem wurde auf eine geplante Demo an der Landesgrenze hingewiesen, die nach derzeitigem Stand für den 15. September geplant ist.

Lesen Sie morgen auf BGLand24.de, wie die Mitglieder auf diese Informationen reagiert haben und welche massive Kritik sie an der Arbeit der Fluglärmkommission geübt haben. 

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