Wird es einen "Naturpark Salzachauen" geben?

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Gastgeschenk für Astrid Rössler und Gisela Sengl: Ein Bienenkalender von Bernhard Zimmer

Freilassing - Wie soll es mit der Salzach weitergehen? Dieses Thema wurde bei der Gesprächsrunde der Informationsveranstaltung des Grünen Kreisverbandes heiß diskutiert.

Ein weitverzweigtes Flusssystem war die Salzach zwischen Salzburg und Laufen, ehe sie vor rund 150 Jahren durch Regulierungsmaßnahmen in ein Kanalbett gezwängt wurde. In den letzten Jahrzehnten geriet die untere Salzach zunehmend in den Brennpunkt teils widerstrebender Interessen. Wird einerseits die energetische Nutzung mittels Wasserkraftwerken gefordert, so setzen sich andere für den Erhalt der ökologisch wertvollen Fluss- und Auenlandschaft ein. Daneben spielen auch die Gefahr eines Sohldurchbruchs und der Hochwasserschutz eine wichtige Rolle in der laufenden Debatte.

„Zukunft Salzach“ war dann auch die Informationsveranstaltung überschrieben, zu welcher der Grünen Kreisverband nach Freilassing eingeladen hatte. Dr. Astrid Rössler stellte in ihrem Eingangsreferat die Pläne der Salzburger Landesregierung für einen „Naturpark Salzachauen“ vor (wir berichteten). In der anschließenden, sehr sachlich geführten Frage- und Gesprächsrunde wurden nochmals die vielfältigen Aspekte zum Thema „Zukunft Salzach“ erörtert.

Grünen-Kreissprecher Dr. Bernhard Zimmer erinnerte daran, dass der Kreisverband per Beschluss den Bau von Wasserkraftwerken an der unteren Salzach abgelehnt habe. Im integrierten Klimaschutzkonzept des Landkreises sei zwar die Nutzung von Wasserkraft vorgesehen, eine Prüfung auf die Umsetzbarkeit hin fehle aber. Zudem hätten die bayerischen Grenzkraftwerke ihre fünfzig Prozent Wasserrechtsanteile zwischenzeitlich an die österreichische Verbund AG übertragen. „Fakt ist, dass derzeit auch auf bayerischer Seite die Wassernutzungsrechte zu hundert Prozent bei der österreichischen Verbund AG liegen.“

Die heimische Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl plädierte vehement für den Erhalt der frei fließenden Salzach. Gerade für die Biosphärenregion Berchtesgadener Land wäre der naturnahe Erholungsraum Salzachauen eine große Chance und ein Zugewinn für alle. „In einer Zeit, in der Landschaft zunehmend kommerziellen Interessen geopfert wird, muss unsere Devise heißen, moderner Tourismus ist naturnaher Tourismus“, appellierte Sengl. Zur Umsetzung dieser Ziele sei eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit wichtige Voraussetzung.

Viele Wortmeldungen drehten sich um die Frage, wie man bei den geplanten Maßnahmen mit den Eigentumsrechten der Grundbesitzer umgehen will. Gisela Sengl und Bernhard Zimmer bekannten sich eindeutig zum Schutz des Eigentums und plädierten für eine offene Diskussion mit den Grundanliegern. Ob Tausch oder Entschädigung, es müsse in jedem Fall ordentlich verhandelt werden, betonte Zimmer.„Die Grünen stehen natürlich hinter dem Grundgesetz“, pflichtete dem auch Dr. Bartl Wimmer bei, allerdings müsse auch hier der Grundsatz gelten „Eigentum verpflichtet“. Das Problem bei einer Renaturierung der Salzach bestehe vor allem auf bayerischer Seite, da hier sehr viele kleine Grundstückseigner betroffen sind, konstatierte Astrid Rössler. Bei der Umsetzung des Naturpark-Projekts verhandle man auf Salzburger Seite im Wesentlichen mit zwei Eigentümern, die im Besitz von insgesamt 650 Hektar Grund sind.

„Wie ist der Zeitrahmen für die Realisierung des Naturparks?“, wollte der Tittmoninger Stadtrat Hans Glück wissen. Astrid Rössler erklärte, dass die Kaufverhandlungen für ein 150 Hektar großes Grundstück südlich von Oberndorf schon sehr weit fortgeschritten seien, sodass mit dem Projektstart in absehbarer Zeit begonnen werden könnte. Für den zweiten Projektabschnitt rechne sie mit einer Vorlaufzeit von vier bis fünf Jahren, da man sich hier um ein 500 Hektar großes Tauschgrundstück für die Familie Mayr-Melnhof bemühen müsse. Zudem betreffe die Aufweitung der Salzach in diesem Bereich gemäß des Regensburger Vertrags auch die bayerische Seite.

„Ist jetzt nach Flughafen und Maut der Krieg mit Salzburg endgültig ausgebrochen?“, beschrieb Dr. Michael Hüller seine Eindrücke nach Veröffentlichung der Salzburger Pläne. Astrid Rössler stellte klar, dass die bayerische Seite und insbesondere Landrat Georg Grabner immer auf dem aktuellen Informationsstand über die Salzburger Planungen gewesen seien. Bei einem vertraulichen Gespräch noch vor Veröffentlichung des Naturpark-Konzepts habe ihr Landrat Grabner zwar zu verstehen gegeben, dass er die Kraftwerkpläne noch nicht erledigt wissen wolle, dass er aber auch ihre eindeutige Präferenz für die Naturpark-Variante gegenüber einem Kraftwerk nachvollziehen könne.

Das Resümee seines jahrzehntelangen Engagements für eine frei fließende Salzach brachte Erich Prechtl auf den Punkt: „Es ist gesetzlich einfach nicht mehr möglich, dass man dort Wasserkraftwerke baut und das sollte man endlich einmal akzeptieren.“ Und der fast 90-jährige Max Schneider, ehemaliger Stadt- und Kreisrat aus Freilassing meinte: „Ich kenne die Salzach und die Auen seit Kindesbeinen an. Am Ende meines Lebens bin ich glücklich über die Salzburger Pläne und hoffe, dass sie sich durchsetzen.“

Eine überzeugte Radfahrerin

Trotz Kälte und Schneetreiben war Astrid Rössler mit dem Fahrrad zur Freilassinger Versammlung gekommen – immerhin wohnt sie am südlichen Ende der Flughafen-Landebahn. „Ich bin gern mit dem Rad und zu Fuß unterwegs“, sagt sie. Seit ihrem Eintritt in die Landesregierung vor eineinhalb Jahren hat sie 6000 Kilometer Alltags- und Dienstwege auf dem Rad zurückgelegt. „Es ist mir in meiner politischen Funktion sehr wichtig, zu versuchen und zu beweisen, dass ich viele meiner Termine auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Rad wahrnehmen kann.“ Im letzten Jahr hat sie das Salzburger Land auf einer Nord-Süd-Strecke 156 Kilometer zu Fuß durchwandert. „Es war zwar eine Urlaubsaktivität, aber ich bin in vielen Gemeinden, die ich durchwandert habe, mit den Menschen ins Gespräch gekommen. Es ist mir wichtig, aus dem Büro hinauszugehen und mir die Zeit zum Zuhören zu nehmen.“

Rege Diskussion bei Grünen-Veranstaltung

nh

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