Matulusgarten in Freilassing schon fünfzehn Mal umgeplant

„Anregungen sind fruchtbar für das Projekt“ – Breite Mehrheit bisher im Stadtrat für 120 Wohnungen

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Werner Schmölzl sieht die Kritikpunkte der Anwohner durchaus positiv, „sie waren fruchtbar und haben das Projekt weitergebracht“.
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Freilassing -  „Anregungen und Kritik von unmittelbaren Anwohnern am Matulusgarten waren sinnvoll und haben uns weitergebracht“. Positiv reagiert damit Werner Schmölzl von der gleichnamigen Baufirma auf die fünfzehn Änderungen der ursprünglichen Baupläne für Wohngebäude an der Matulusstraße.

„Eine Anrainerin im nördlichen Teil hat uns zum Beispiel das Gefühl für den Baumbestand gegeben, daraufhin sind zwei der ursprünglich sieben Gebäude wegfallen“, so Schmölzl, auch die Tiefgarageneinfahrten wurden geändert. Nach der jüngsten Stadtratssitzung werden die Pläne erneut umgezeichnet, mittlerweile zum fünfzehnten Mal. Auch wenn endgültige Baupläne fehlen und weitere Gutachten abgewartet werden müssen gibt es bereits 30 Interessenten aus dem Bereich Freilassing. BGLand24.de stellt die Geschichte des Bauprojekts und die nächsten Schritte zusammenfassend vor. 

Zur Geschichte: Das 1,3 Hektar große Areal gehörte bis 2017 im östlichen Teil dem Kreis Berchtesgadenerland, im westlichen Teil den Kliniken Südostoberbayern, diese wiederum sind zu 67 Prozent im Besitz des Landkreises Traunstein, 33 Prozent der Gesellschafteranteile hält der Kreis Berchtesgadenerland. Ende 2015 beschlossen Landkreis und Kreiskliniken, die beiden zusammenhängenden Grundstücke zu verkaufen, mit Hilfe einer Ausschreibung suchte man einen Meistbieter. 

Gleichzeitig machten sich die Verkäufer aber auch Gedanken, was mit dem später oft als „Filetstück“ bezeichneten, gesamten Grundstück passieren soll, der Käufer sollte sowohl Eigentumswohnungen, als auch Mietwohnungen bauen. Diese „Vorgaben“ in der Ausschreibung sollten später im Stadtrat immer wieder zu Verwerfungen führen weil sich einzelne Stadträte „an der Nase herumgeführt“ fühlten und um ihre Einflussnahme bangten.

Es sollen sich mehrere Bauunternehmen an der Ausschreibung beteiligt haben, den Zuschlag erhielt nach mehrere Projektvorstellungen 2017 die beiden Bau- und Immobilienunternehmer Schmölzl aus Bayerisch Gmain und Hillebrand aus Wals-Siezenheim. „Natürlich haben wir uns vor der Beteiligung an der Ausschreibung Gedanken gemacht und dann konkrete Pläne vorgelegt“, erinnert sich Schmölzl, in einer nicht-öffentlichen Sitzung des Kreisausschusses hätten die beiden Firmen schließlich mit ihrem Konzept überzeugt und den Zuschlag, sprich die beiden Grundstücke erhalten. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, die kolportierten sechs Millionen Euro hat aber bisher noch keiner der Beteiligten dementiert. Dass man das Projekt zu zweit angehen will habe Kapazitätsgründe, „außerdem haben wir schon öfters sehr gut zusammengearbeitet“.

"Reservierte Stimmung bei den Anwohnern", Werner Schmölzl

Im Juni 2018 startete eine vorgezogene Öffentlichkeitsbeteiligung, die beiden Baufirmen, die nunmehr mit der gemeinsamen Firma „Matulusgarten GmbH“ auftreten, präsentierten im Rathaussaal ihre Ideen und Vorstellungen. Während die Mitglieder des Kreisausschusses von den Plänen vermutlich noch begeistert waren hielt sich die Zustimmung in Freilassing gelinde gesagt in Grenzen. Drei mögliche Varianten wurden damals vorgestellt, geplant waren sieben Gebäude mit insgesamt 150 Wohnungen. Die Mietwohnungen sollen dabei in einem U-förmigen Bau unterkommen, der genau auf der Stelle des ehemaligen Schwesternwohnheimes gebaut werden soll, sowie einem Gebäude dahinter.

Zwei Gebäude weniger wegen Baumerhalt

Nach der ersten Präsentation entschieden sich die Bauherren, acht unmittelbar betroffene Anwohner persönlich aufzusuchen und sich ihre Anliegen anzuhören. „Das war ein sinnvoller Schritt weil es uns im Projekt weitergebracht hat“, versichert Schmölzl. „So hat uns eine Anrainerin im nördlichen Teil ein Gefühl für den Baumbestand gegeben, daraufhin sind zwei der ursprünglich sieben Baukörper wegfallen“. Auch die beiden Tiefgaragenzufahren wurden umgeplant, sie waren direkt auf die Matulusstraße vorgesehen, beim Ausfahren der Pkw mit Licht hätte es die Nachbarn immer geblendet.

Jetzt sind die beiden Einfahrten im Gelände vorgesehen. Seit dem ersten Vorstellen der Ideen wurden die Pläne mittlerweile vierzehn Mal geändert, derzeit sitzen die Planer über der fünfzehnten Änderung. Auch wenn fünf bis sechs Mitarbeiter damit jedes Mal rund eine Woche beschäftigt sind hält Schmölzl die  Anpassungen für fruchtbar, „weil die berechtigten Anliegen so eingearbeitet werden können“, es sei eben ein außergewöhnlicher Bauplatz. Die Anrainer würden zum Teil schon 50 Jahre dort wohnen und sollten durch die Neubauten so wenig wie möglich gestört werden. Trotzdem vermuten die Bauherren, dass einige Anrainer und andere auch aus Prinzip an dieser Stelle keine Wohnbauten haben wollen.

In den Sitzungen des Stadtrates war beim Thema Matulusgarten jedes Mal eine breite Zustimmung erkennbar, wenn auch immer wieder Änderungen gewünscht wurden. So wurde in diesem Jahr die Dichte der Verbauung mit einer Kennzahl herabgesetzt, das bedeutete ein Stockwerk weniger und statt ursprünglich 150 Wohnungen jetzt nur mehr 120. In der jüngsten Sitzung kam dann sogar die Frage auf, ob nicht das seit Jahren leer stehende Schwesternwohnheim saniert werden könnte. Schmölzl schließt das kategorisch aus, das Haus aus den 1970-er Jahren sei garantiert nicht zu sanieren, abgesehen davon dass es auch nicht zu unterkellern sei.

Eigentum und Mietwohnungen gemischt

Das neue, U-förmige Gebäude, sowie ein Neubau dahinter sollen am Ende rund 60 Mietwohnungen bieten, sowohl für die freie Vermietung, als auch gefördert und für betreute Mietwohnungen, also zum Beispiel für ältere Personen, die noch alleine leben können aber eben doch eine Art Unterstützung brauchen. Die beiden Baufirmen wollen Eigentümer dieser Mietwohnungen bleiben und sie in Eigenregie vermieten. Im Erdgeschoss des U-förmigen Gebäudes ist Gewerbe vorgesehen, „also da können wir uns zum Beispiel einen Bäcker mit Tagescafé vorstellen“, geplant ist aber auch ein Treffpunkt für das betreute Wohnen von älteren Mietern.

Im östlichen Teil des Areals, derzeit unverbaut, sollen drei Gebäude mit Eigentumswohnungen entstehen, diese Gebäude sehen von oben aus wie zwei zusammengesetzte, versetzte Häuser, sind aber jeweils ein Haus. Auf der Vorderseite, also der Straßenseite, werden die Häuser drei Stockwerke hoch sein, dahinter vier. Über den möglichen Kaufpreis der Wohnungen können die beiden Baufirmen noch keine Aussagen machen, sie wissen ja noch nicht, welche möglichen Auflagen noch kommen und wann sie zu bauen beginnen können. „Was ich sagen kann ist, dass wir aus dem Bereich Freilassing schon 30 Anfragen für die Eigentumswohnungen haben, aus Salzburg sind es zwei“.

Rechts in der Mitte entstehen die Eigentumswohnungen in drei Blocks, die aus einem vorderen, dreistöckigen Teil und einem hinteren, vierstöckigen Teil bestehen. Links oben sind der U-förmige Mietkomplex, sowie das fünfte Haus dahinter für Mietwohnungen zu sehen, ganz links oben ist das Krankenhaus abgebildet.

Ursprünglich sollte im Frühjahr 2020 mit dem Bau begonnen werden, jetzt sind aber noch Gutachten zur Umwelt und zum Verkehr in Auftrag gegeben worden, im Oktober werden die Ergebnisse von artenschutzrechtlichen Untersuchungen erwartet. Auch die Bäume am Areal, von einigen als Wald bezeichnet, sollen zum Großteil erhalten bleiben, „darum haben wir ja von Anfang an einen Baukörper U-förmig auf dem Platz des jetzigen Schwesternwohnheimes geplant, weil hier eben keine Bäume sind“. Die Zeiten, in denen Bäume Neubauten einfach Platz machen mussten sind ohnehin vorbei, nun würden Bäume am Baugrund zusehends als nützlich und positiv für das Wohnklima angesehen.

Nach den Anregungen in der jüngsten Stadtratssitzung werden derzeit die Dächer umgeplant um so die von einigen Stadträten als „zu wuchtig“ bezeichnete Baumasse zu verringern. Dies könne zum einen mit der Raumhöhe geschehen, „wobei wir hier bei den mittlerweile üblichen 2,60 Meter bleiben wollen“, sagt Schmölzl. Ändern könnten sich allerdings noch die Dachformen, also d

ass die obersten Wohnungen zum Beispiel eine Mansarde bekommen.

Nächste Schritte zum Baubeginn

Wenn die restlichen Gutachten vorliegen wird das Bauprojekt noch einmal öffentlich ausgelegt, bisher war es eine freiwillige, frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit. Dann kann es erneut neue Einwände geben, die dann noch einmal in die Pläne eingearbeitet werden müssten. Im besten Fall könnte im Herbst 2020 mit dem Bau begonnen werden, die Fertigstellung wäre dann im Herbst 2022. Wegen der breiten Mehrheit im Stadtrat sind die beiden Bauunternehmen zuversichtlich, dass dieser Zeitplan halten kann.

hud

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