Wegen Rückstau kann das Wasser nicht in die Saalach fließen

Kraftwerk Rott beeinflusst das Grundwasser in Freilassing

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Unterhalb des Kraftwerkes ist der Wasserspiegel zehn Meter tiefer, hier verhindert aber zum Teil der Salzburger Seeton, dass das Grundwasser ohne Probleme in die Saalach abfließen kann.

Freilassing - Seit Juni 2013 und dem damit verbundenen Jahrhundert-Hochwasser ist das Grundwasserproblem in der Stadt in den Brennpunkt gerückt. Die Gründe gehen hingegen noch weiter zurück.

Das Grundwasserproblem der Stadt hat auch mit dem 2004 neu gebauten Kraftwerk Rott an der Saalbrücke zu tun, das wurde im Stadtrat am Montagabend deutlich. Der Grund: Die Saalach wird vor dem Kraftwerk der Salzburg AG auf einen Rückstauspiegel von 415 Meter über dem Meeresspiegel aufgestaut, danach macht der Wasserspiegel einen Sprung auf 405 Meter, das niedrigere Grundwasser kann daher vor dem Kraftwerk nicht in die Saalach abfließen, im unteren Bereich des Kraftwerks leistet der Salzburger Seeton zum Teil Widerstand. Einige Stadträte sehen daher das Kraftwerk, das im Übrigen den Strom ausschließlich nach Freilassing liefert, als Mitverursacher des Grundwasserproblems in der Stadt.

Nach dem Jahrhundert-Hochwasser im Juni 2013 ist das auch das Grundwasserproblem der Stadt in den Brennpunkt gerückt, seither sind die Messstellen deutlich ausgebaut und vernetzt worden, alleine die Stadt betreibt im gesamten Stadtgebiet 24 Messstellen, dazu neun Geräte der Salzburg AG vorallem im Bereich der Saalach, sowie elf Stellen des Wasserwirtschaftsamtes. Das Grundwasser in der Stadt fließt vom höchsten Punkt auf 421 Meter Seehöhe bis auf 402 Meter ab, es strömt prinzipiell von Südwest nach Nordost, also in Richtung Saalach. „Lokale Abweichungen dieser Strömung gibt es zum Beispiel bei der Lokwelt“, erklärte der Salzburger Geologe Klaus Heimlich den Stadträten.

An 44 Stellen wie hier beim Tierheim wird das Grundwasser in der Stadt ständig gemessen.

Das Problem mit dem Abfluss des „relativ trägen“ Grundwassers ist die Stauhöhe des Kraftwerkes Rott mit 415 Metern Seehöhe, „das bedeutet, die Saalach kann im Staubereich das Grundwasser nicht aufnehmen“. Es gibt daher einen „Knick“ in der Strömung, das Grundwasser fließt parallel zur Saalach erst nach dem Kraftwerk in die, mit 405 Meter dann sehr niedrige Saalach. „Das Kraftwerk beeinflusst also das Grundwasser merklich“, resümiert der Geologe.

Ein erstellter ‚Grundwasser-Gleichenplan‘ zeigt gelbe, also gefährdete Bereiche für Neubauten, vorallem im Bereich in Richtung der Saalach, also zum Beispiel im Stadtteil Freimann, der beim Hochwasser 2013 auch am ärgsten betroffen war. „Gelber Bereich bedeutet, dass das Grundwasser nur zwei bis vier Meter unterhalb der Geländekante ist“, so Heimlich, während es im grünen bis blauen Bereich von sechs bis zehn Meter deutlich tiefer ist. „In der Innenstadt liegt das Grundwasser deutlich tiefer, in Richtung Au schlagen die Farben der Gleichenpläne deutlich um, bei zwei bis vier Meter ist das schon ein kritischer Bereich“. Beim Mooslechner Weiher zwischen der B20 und der Saalbrücke komme das Grundwasser sogar über das Gelände, daher der Weiher.

Kraftwerkt löst Grundwassersee aus

Die Fragen der Stadträte an den Geologen kreisten um die Frage, welche Auswirkungen das 2005 gebaute Kraftwerk Rott auf das Grundwasser hat, wobei schon in  den 1940-er Jahren ein Stütz-Kraftwerk an dieser Stelle gebaut wurde, dass eben 2004 erweitert und vergrößert wurde. Bettina Oestreich (WFG) will daher vom Kraftwerksbetreiber Salzburg AG Grundwasserdaten für die Zeit vor und nach dem Bau des neuen, größeren Kraftwerks.

Aber ach der derzeit in Bau befindliche Hochwasserschutz-Deich entlang der B20 wird Auswirkungen auf das Grundwasser haben. Er wurde in die neuen Pläne erst einmal nicht aufgenommen, weil das Verhalten des Grundwassers erst nach der Fertigstellung festgestellt werden kann. Vorallem die Frage, wie sich der Damm bei einem neuerlichen Hochwasser auf das Grundwasser auswirken wird konnte der Salzburger Geologe nicht wirklich beurteilen, „dazu bräuchten wir halt ein Hochwasser“. Aufruhr im Stadtrat, „Nein, bitte nicht“ raunte es aus allen Fraktionen. Im Prinzip steige bei Hochwasser auch das Grundwasser, dabei würden auch unkritische Stadtteile wie das Industriegebiet im Norden in eine rote Zone abrutschen, also der Grundwasserspiegel auf null bis zwei Meter unter der Geländekante rutschen. Lokale Problemzonen gebe es auch bei der Lokwelt und in der Reichenhaller Straße.

Der Stausee des Kraftwerkes Rott erreicht eine Seehöhe von 415 Metern, er ist auch der Grund dafür, dass das Grundwasser in diesem Bereich nicht in die Saalach fließen kann.

Neugierig blickt Freilassing auch immer auf die Salzburger Seite der Saalach, wird hier ein Damm höher gebaut als auf bayerischer Seite oder fließt gar Salzburger Grundwasser auch noch auf die bayerische Seite? Tut es nicht, versicherte der Geologe, „die Saalach ist in diesem Bereich sowohl für die Salzburger-, als auch für die bayerische Seite der höchste Punkt“. 

Robert Judl von ‚Pro Freilassing‘ interessierte die Frage, ob es denn beim Neubau des Kraftwerkes eine Umweltverträglichkeitsprüfung gegeben habe und wenn ja, ob diese die Folgen des Baus für das Grundwasser in Freilassing untersucht habe, „die Bürger haben ein Recht zu wissen, ob das Kraftwerk für das Grundwasserproblem verantwortlich sind“. Diese Frage hatte aber zuvor schon der Geologe mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortet.

Michael Hudelist

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