"Freue mich auf die Herausforderung"

Freilassings neuer Bürgermeister Markus Hiebl im Exklusiv-Interview

Ab 1. Mai ist Markus Hiebl offiziell im Amt, die Vereidigung wird am 11. Mai in der konstituierenden Sitzung des Stadtrates sein.

Freilassing - Markus Hiebls Wahlsieg bei der Bürgermeisterwahl am 15. März mit 57,2 Prozent überraschte nicht nur seine politischen Gegner, sondern am meisten wohl ihn selbst. Auch er hatte mit einer Stichwahl am 29. März gerechnet, doch die Freilassinger entschieden sich auf Anhieb sehr eindeutig für Hiebl. Im Exklusiv-Interview schildert Hiebl, wie er den Wahlabend erlebt hat und wie sich sein Leben seither schon verändert hat.

Den Wahlkrimi hatte Hiebl mit den drei anderen Kandidaten, sowie Mitarbeitern der Stadt im Eingangsbereich des Rathauses erlebt, wegen der Corona-Pandemie war die bisher übliche Schar an Familienangehörigen und Helfern nicht erlaubt. 


„Wir haben alle gespannt auf die ersten Ergebnisse gewartet und als ich gegen 19 Uhr schon nach der Auszählung der beiden ersten Wahlkreise mit 55 Prozent in Führung ging, war ich schon sehr überrascht“, erinnert sich Hiebl. 

Als die Auszählungen aus den nächsten Wahlkreisen eintrudelten, verfestigte sich Hiebls Vorsprung immer mehr, am Ende waren es genau 3.367 Stimmen oder 57,2 Prozent für den Parteiunabhängigen. Zum Vergleich: Daniel Längst von den Freien Wählern erhielt im Vergleich magere 21,9 Prozent, Thomas Wagner musste sich mit noch weniger begnügen, nur 17,8 Prozent.


Josef Flatscher gratulierte als Erster

Gegen 19.30 Uhr stand das vorläufige Endergebnis fest, „der erste der gratulierte war Bürgermeister Josef Flatscher, er wünschte mir eine glückliche Hand und Gottes Segen“.Das „wirklich sehr eindeutige Ergebnis“ zeige, dass die Bürger tatsächlich einen Wechsel wollten

Einen Wechsel hätten sie zwar auch mit einem anderen Gewinner gehabt, „aber ich meine den Wechsel aus politischer Sicht, also hin zu einem unabhängigen Bürgermeister“. Die drei unterlegenen Kandidaten hätten ihm dann auch gratuliert und eine konstruktive Zusammenarbeit angeboten.

Markus Hiebl (r.) hatte mit 57,2 Prozent bei der Bürgermeisterwahl klar die Nase vorne, ab 1. Mai ist er der neue Bürgermeister von Freilassing. Die drei weiteren Bürgermeisterkandidaten (von links: Thomas Wagner, Daniel Längst und Felix Barton) werden ihre Parteien im Stadtrat vertreten.

Nachdem der Sieg feststand, ist Hiebl kurz zu seiner Familie nach Hause gefahren, denn auch seine Ehefrau durfte wegen der Anti-Corona-Maßnahmen nicht im Rathaus dabei sein. 

Seine beiden Kinder (6 und 8 Jahre) hätten in gleich scherzhaft mit „Grüß Gott Herr Bürgermeister“ begrüßt. Danach sei er mit seinen Helfern in eine Pizzeria gegangen, am 15. März durften Lokale trotz Corona noch offen halten, die bayernweiten Ausgangsbeschränkungen wurden erst am Tag danach beschlossen. „Wir haben nur kurz gefeiert und angestoßen, ich wollte wieder ins Rathaus zurück, um die Auszählung des neuen Stadtrates mit zu verfolgen“.

Am nächsten Tag wieder im Landratsamt

Am nächsten Tag habe er den Wahlsieg dann richtig realisiert, Druckaufträge für die Stichwahl mussten storniert werden, wie bekannt, hatte Hiebl seinen gesamten Wahlkampf aus dem eigenen Portemonnaie bezahlt. Am Montag nach der Wahl sei er dann aber auch wieder „ganz normal“ ins Büro ins Landratsamt gefahren, „

dort hat mir sowohl mein Chef, Landrat Georg Grabner, als auch mein Team gratuliert

“.

Am Gründonnerstag hat Hiebl seinen letzten Arbeitstag im Landratsamt, seine Funktion als Leiter des zentralen Gebäude-Managements wird neu ausgeschrieben werden müssen, denn zumindest in den nächsten sechs Jahren wird Hiebl eine 17.000-Einwohner-Stadt managen dürfen. Dass er nach sechs Jahren wieder bei der Bürgermeisterwahl antreten wird, hatte Hiebl bereits im Wahlkampf angekündigt, „meine Ziele sind sehr langfristig, ich werde nicht alle Früchte schon in sechs Jahren ernten können“. 

Trotzdem hat er als Beamter ein Rückkehrrecht auf seinen alten Job, wann immer er dieses Recht in Anspruch nehmen wird. Sein Unterstützungsverein „Unabhängig für Freilassing“ bleibt entgegen früheren Ankündigungen bestehen, „der Verein ist ja auch im Stadtrat vertreten, durch meine Person“. Gut möglich, dass der Verein dann 2026 auch Stadtratskandidaten aufstellen wird, „das könnte sein“.

Probesitzen im Chefbüro?

Ein Probesitzen im Büro des Bürgermeisters gab es natürlich nicht, aber Hiebl hat sich schon einige Male mit Noch-Bürgermeister Josef Flatscher getroffen, um die Übergabe Ende April so reibungslos wie möglich zu gestalten. Auch zum Ferienausschuss, also dem Krisenausschuss am Montag hatte Flatscher seinen Nachfolger sowohl zur öffentlichen, als auch zur nicht-öffentlichen Sitzung eingeladen. 

Gespräche hatte Hiebl bereits auch mit den Fraktionsvorsitzenden, um die konstituierende Sitzung des Stadtrates am 11. Mai vorzubereiten. Trotz Corona-Ausgangsbeschränkungen wird diese Sitzung vermutlich mit der Öffentlichkeit stattfinden, zumindest gibt es bisher keine anderslautenden Aussagen aus dem Bayerischen Innenministerium.

Der mit 78 Jahren älteste Stadtrat Franz Krittian (CSU) wird dabei Hiebl vereidigen. Ob der neue Bürgermeister auch Führungsfunktionen im Rathaus neu besetzt steht noch nicht fest, rechtlich gesehen kann er es, „ich werde auf alle Fälle Gespräche führen und dabei Stärken und Schwächen benennen“. 

Fest steht für Hiebl auch, dass es wegen der erwartbaren, wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise einen Nachtragshaushalt geben wird, „wir müssen die Wirtschaftsbetriebe wieder ankurbeln, vor allem die Klein- und Mittelbetriebe“.

hud

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