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Ausgleichsflächen in Freilassing für eine Million Euro

Mops-Fledermaus & Co. verzögern 100 Wohnungen – Baubeginn Matulusgarten im Frühjahr 2023?

Bernard Aicher (l.) und Werner Schmölzl mit dem Plan für die Ausgleichsfläche am Petersweg, wo die Mopsfledermäuse eine neue Heimat finden sollen.
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Bernard Aicher (l.) und Werner Schmölzl mit dem Plan für die Ausgleichsfläche am Petersweg, wo die Mopsfledermäuse eine neue Heimat finden sollen.

Was ein Bürgerentscheid vor fast zwei Jahren nicht schaffte, erledigten Juchtenkäfer, Mopsfledermäuse und Zauneidechsen. Sie verzögerten den Baustart von über 100 Wohnungen an der Matulusstraße um fast zwei Jahre,

Freilassing – Doch nun sind Ausgleichsflächen gefunden, das Ergebnis eines Verkehrsgutachtens liegt vor und wenn der Stadtrat in einer der nächsten Sitzungen grünes Licht, könnte mit dem Bau der 55 Miet- und 47 Eigentumswohnungen tatsächlich noch in diesem Herbst begonnen werden, „wahrscheinlicher ist allerdings das Frühjahr 2023“, so Werner Schmölzl vom gleichnamigen Bauunternehmen bei einem Termin vor Ort mit BGLand24.de. Wegen der zum Teil drastisch gestiegenen Preise für Baumaterialien werden er und sein Bau-Partner Hillebrand aus Wals die Kosten allerdings völlig neu kalkulieren müssen. 

Der geplante Bau von 102 Wohnungen und tagesbetreuten Flächen auf dem Nachbargrundstück des Krankenhauses ist schon jetzt fast eine Never-Ending-Story: Bereits 2017 erhielten die Bauunternehmen Schmölzl und Hillebrand den Zuschlag für das 1,3 Hektar große Gelände für kolportierte sechs Millionen Euro. Im Juni 2018 begann eine vorgezogene Beteiligung der Öffentlichkeit, drei Varianten mit bis zu 150 Wohnungen wurden vorgestellt. Doch schon im Oktober 2019 begann eine Bürgerinitiative Unterschriften zu sammeln gegen die ihrer Meinung nach zu dichte Verbauung. Die Unternehmen speckten die Pläne ab, zwei Häuser fielen dem Wunsch zum Opfer, alte Bäume zu erhalten. Dennoch kam es am 19. Juli 2020 zu einem Bürgerentscheid, eigentlich waren es zwei Bürgerentscheide, ein „Weiterbau“-Antrag und ein „Stopp“-Antrag, beide verfehlten die nötige Anzahl an Stimmen. Bauunternehmen und Stadt konnten das Verfahren also weiterverfolgen, doch passiert ist seither nichts, oder doch?

Verkehrsgutachten: „unbedeutende Zunahme“

Zum einen hat die Stadt ein Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben, um herauszufinden, wie sehr der Verkehr von 100 neuen Wohnungen die Matulusstraße und die benachbarten Straßen belastet, darin wurden dann auch geplante Neubauten für die Grundschule einbezogen.

Das 260 Seiten starke Gutachten liegt seit Januar 2022 vor und ergibt zusammengefasst, dass von der neuen Wohnanlage „eine unbedeutende Verkehrszunahme zu erwarten ist“. 

Drei schützenswerte Tierarten

Noch zeitaufwendiger waren die artenschutzrechtlichen Untersuchungen, die mit und ohne Bürgerentscheid vorgeschrieben waren. Biologen fanden auf dem 1,3 Hektar großen Gelände tatsächlich drei schützenswerte Tierarten: eine Handvoll Mopsfledermäuse, ebenso wenige Zauneidechsen und Juchtenkäfer, deren Existenz im alten Baumbestand auf dem Areal allerdings nur vermutet wird. Für diese drei Tierarten galt es nun Ausgleichsflächen zu finden, um sie dorthin absiedeln zu können. 

Kurzer Umzug für Fledermäuse

Für die wenigen Zauneidechsen kaufen die Bauherren ein 250 Quadratmeter großes Grundstück in der Saalachau inklusive Zufahrt, „denn wir müssen uns auch um den Erhalt weiter kümmern“, so Werner Schmölzl, der schmunzelt, einräumt, mittlerweile schon fast ein Biologe geworden zu sein. Die Mops-Fledermäuse müssen, sofern sie gefangen werden können, keinen weiten Umzug fürchten, ihr neues Reich ist wenige hundert Meter auf einem Grundstück am Petersweg unmittelbar am Schleichweg zum Krankenhaus. Hier haben die beiden Bauunternehmen ein neues Biotop geschaffen, Bäume und Sträucher gepflanzt und einen Teich anlegen lassen, denn die Fledermäuse brauchen ja auch Insekten als Nahrung. 

Ausgleichsflächen „kosten“ drei Wohnungen

Die Ausgleichsflächen in der Saalachau und am Petersweg, sowie alle biologischen Gutachten und Arbeiten haben bisher bereits eine Million Euro verschlungen, „wenn man bei einer Durchschnittswohnung einen Verkaufswert von 300.000 Euro annimmt, kosten die gesamten Ausgleichsmaßnahmen so viel wie drei verkaufte Wohnungen“, rechnet Schmölzl vor. 

Neue Preise bei Baubeginn

Davon abgesehen, dass der Termin für den Baustart noch nicht feststeht, plagen die beiden Bauunternehmen aber jetzt ganz andere Probleme: nicht erst seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine schnellen die Preise für wichtige Baumaterialien geradezu in die Höhe, „wir reden hier von 25 bis 30 Prozent Mehrkosten, zum Beispiel beim Baustahl, bei Isolierungen oder Holz“. Baustahl sei in Deutschland bisher fast ausschließlich aus Russland gekommen, „ich erinner mich noch, dass in Europa Stahlwerke Prämien erhalten haben, wenn sie schließen“, sagt Schmölzl. 

Die Anlage mit dem wohlklingenden Namen „Matulusgarten“ steckt mittlerweile in der 18. Umplanung, alle Anregungen vom Stadtrat und der Verwaltung, sowie den Anrainern seien eingeflossen, die neuen Pläne seien mit den Fraktionen im Stadtrat vorbesprochen und „durchwegs positiv“ aufgenommen worden. Auch hier gab es in der Vergangenheit Vorbehalte und die Meinung, der Block für die Mietwohnungen sei an dieser Stelle zu wuchtig. Wenn das neue Bauverfahren noch vor dem Sommer im Stadtrat positiv erledigt wird, hoffen Schmölzl und Bernard Aicher von Hillebrand-Bau auf einen „Baustart unmittelbar danach“, realistischerweise wird es aber das Frühjahr 2023 werden, „mit einer Fertigstellung rechne ich dann im Frühjahr 2025“, so Schmölzl. Das ist dann drei Jahre als ursprünglich geplant.

hud

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