Dient die Wirtschaft den Menschen?

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Bettina Oestreich (links), Florian Löw (rechts)

Freilassing - Auf einer Infoveranstaltung haben FWG-Mitglieder mit Bürgern über das Thema "Wirtschaft für Menschen" diskutiert. Der Ort Freilassing soll wieder lebendiger und geschäftiger werden.

Dient die Wirtschaft den Menschen? Oder vereinnahmt sie die Menschen, damit ein paar Großkonzerne größtmögliches Wachstum und grenzenlose Renditen erreichen? Diese Fragen diskutierte die FWG Heimatliste Freilassing mit Bürgerinnen und Bürgern.

„Geschäft ist wie Fahrrad fahren: Entweder du bleibst in Bewegung, oder du fällst um!“ Mit diesem Zitat von John D. Wright führte der FWG-Vorsitzende Bert Enzinger in das sehr interessante und wiederum lebhaft diskutierte Thema „Wirtschaft für Menschen“ ein.

Bert Enzinger skizzierte am Beispiel eines Stücks Schinken den Werdegang in der industriellen Lebensmittelproduktion. Da werden Ferkel zum Mästen von Dänemark nach Italien, das Fleisch anschließend zur Verpackung in den Schwarzwald gebracht, um „original Schwarzwälder Schinken“ herzustellen, der dann nach insgesamt fast 2.700 km Transportstrecke, in den Freilassinger Regalen eines der deutschen Einzelhandelskonzerns landet. Nur drei Kilometer Wegstrecke würde hingegen die regionale Erzeugung beanspruchen.

Bettina Oestreich und Hias Kreuzeder stützten die Forderung nach regionalem Wirtschaften mit weiteren Argumenten. Regionales Wirtschaften unterstützt zudem die Bemühungen, die Beschäftigungs- wie auch Einkommenssituation der Arbeitskräfte zu verbessern. Produzierendes Gewerbe und Handel, Verkehr und Gastgewerbe beschäftigen in Freilassing annähernd gleich viele Personen. Nicht erfreulich aber, dass in den letzten zehn Jahren fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe verschwunden, und sich die landwirtschaftlichen Flächen weiter reduziert haben. Immerhin bilden landwirtschaftliche Flächen die Grundlage unserer Lebensmittel-Nahversorgung.

Wolfgang Wagner konzentriert das Energiethema auf die Erkenntnis: Energieeinsparung ist die Rente der Zukunft. Von Wagner kam das direkte Angebot an andere politische Gruppen, bei der Lösung des Heizwerksproblems an der Zirbenstrasse eine gemeinsame Lösung zu entwickeln. Bereits seit den Vorschlägen der Agenda21 liegen hierzu gangbare Szenarien vor.

Anschließend erläuterte der Bürgermeisterkandidat der FWG Heimatliste Freilassing, Florian Löw, ausführlich seine Konzepte und Ideen zur Freilassinger Entwicklung für die nächsten sechs Jahre.

Löw stellt unmissverständlich heraus, dass in den letzten Jahren weder ein wirtschaftspolitisches, noch ein städtebauliches Konzept in Freilassing erkennbar war. Die Abwanderung hocheffizienter Firmen und Gewerbesteuerzahler beweist diesen, nicht hinnehmbaren Zustand.

Dementsprechend sieht er sich als möglicher Bürgermeister verpflichtet, als oberster Wirtschaftskümmerer unmittelbar und insbesondere persönlich mit einer vorausschauenden Politik und vertrauensvollen, direkten Kontaktmöglichkeiten für die Belange der kleinsten bis hin zu den größten Freilassinger Unternehmen, zu kämpfen. Nur auf diesem Weg wird es möglich sein, der Stadt und ihrer Wirtschaftskraft langfristige Perspektiven zu bieten. Keinen Unterschied kann es hierbei zwischen den Freilassinger Großbetrieben die auch weltweit tätig sind, und den kleinen bis mittleren Handwerksbetrieben, denn in allen Bereichen gibt es hochqualifizierte Arbeitsplätze.

Löw und die FWG Heimatliste wollen kein Wachstum um jeden Preis. Vom Flächenrecycling über geregelte Betriebsnachfolgen, welche die Stadt ganz sicher auch unterstützen kann, werden Möglichkeiten geschaffen, mit Ressourcen maßvoll umzugehen. Großansiedlungen am Rande der Stadt sind nicht das Ziel. Nicht nur bestehender Handel, Dienstleistung und Handwerk soll in der Stadt gehalten werden. Hier ist festzustellen, welche, möglicherweise fehlende Sortimente Neugründungen von Betrieben erlauben. Bereits jetzt denkt man darüber nach wie man bestehende Kontakte nutzen kann um die mit der REWE-Absiedlung verschwundene Nahversorgung wieder herzustellen. Auf diesem Wege sollen auch regionale Lebensmittel wieder ihren Weg in die Grundversorgung der Stadt finden. Löw und die FWG Heimatliste bekennen sich zum Erhalt der verbliebenen landwirtschaftlichen Betriebe und werden helfen wo dies auch nur möglich ist.

Mit dem Aufzeigen verborgener Abhängigkeiten bei Großkonzernen wollen Löw und die FWG Heimatliste den Bürgern vorleben wie wichtig es ist, beim Bäcker oder Metzger „ums Eck“ oder beim Schuhgeschäft in der Fußgängerzone einzukaufen.

Mit Leidenschaft sollen sich die Bürger an der Entwicklung der Stadt beteiligen. Diese darf aber nicht auf Quantität abzielen. Eine verantwortungsvolle Wirtschaftspolitik auf dem begrenzten Raum der Stadt Freilassing kann nur auf qualitativ hochwertige Entwicklung der Wirtschaft ausgerichtet sein, denn nur dann wird sich diese Qualität automatisch auch auf das Zusammenleben in der Stadt positiv auswirken. Das Denken und Handeln wird im Einklang mit der Natur erfolgen und soll auch regionale Antworten auf globale Entwicklungen bieten.

Mit der Aufforderung gemeinsam anzupacken, Freilassing wieder zu einer lebendigen und geschäftigen Stadt zu machen in der die Bürgerinnen und Bürger gerne leben und arbeiten wollen, schloss Florian Löw seinen mitreißenden Vortrag.

Pressemitteilung der FWG Heimatliste Freilassing

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