Ausstellungssaison ist eröffnet

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Freilassing - „ICH WEISS“, das ist auch der anspruchsvolle Titel, mit dem die Künstlergilde Freilassing ihre diesjährige Ausstellungssaison eröffnete.

Spannend für die Gäste der Vernissage im Stadtmuseum, wie sich die Gilden-Mitglieder in Interpretation und künstlerischer Umsetzung dem Thema anzunähern versuchen. „Ich weiß, dass ich nicht weiß“, hielt es Gildenmitglied Magdalena Eder in ihrer Begrüßung mit Sokrates. Mit dieser Aussage behaupte der Philosoph nicht etwa, dass er nichts wisse, sondern hinterfrage vielmehr, was man zu wissen meine. „Die Weisheit beginnt nach Sokrates mit der Entlarvungdes Scheinwissens.“ Lässt man diese Gedanken wirken, so war es sicher eine „weise“ Entscheidung der Künstlergilde, dieses Ausstellungsthema zu wählen, stellt es doch eine üppige Spielwiese für inspirative und kreative Ausdrucksmöglichkeiten dar.

Ausstellungssaison Freilassing

„Eigentlich hatten wir die Farbe „weiß“ als Arbeitstitel vorgesehen“, erzählt Gildenmitglied Renate Paschke. Sepp Lingl sei es dann gewesen, der den Anstoß zur aktuellen Überschrift gegeben habe. „ICH WEISS, eine spannendes Thema, dass jeden von uns zwang in sich zu gehen, sich zu sammeln und darüber nachzudenken“,  erklärte Magdalena Eder in ihren einführenden Worten. Zuvor schon hatte ein Streicherinnen-Quartett der Musikschule Freilassing das Eröffnungspublikum mit Mozart-Interpretationen feierlich eingestimmt. Beim Ausstellungs-Rundgang wird dem Betrachter schnell bewusst, welch symbiotischenBezug das „ICH“ zum vermeintlichen Wissen hat. Die Frage „Gibt es überhaupt objektives Wissen?“ drängt sich angesichts der individuellenkünstlerischen Sichtweisen unweigerlich auf. Dennoch gilt „Wissen ist Macht“, eindrucksvoll in Szene gesetzt in einer Collage von Tina Strobl: Der amerikanische Präsident Obama mit „glühenden Ohrwascheln“. „Ich weiß … Alles?!?!“ steht daneben.

Der aktuelle Bezug zu Abhöraffären und zur Daten-Sammelwut ist unverkennbar. Wie halten wir es mir unserer moralischen Instanz, unserem Ge-Wissen? „Ich weiß, aber …“ verleiht Maite Schmid in ihrem Raucher-Materialbild der ständigen Ambivalenz von Wissen und Wollen drastischen Ausdruck. Schafft gemeinsames Wissen Vertrauen oder führt es zu Misstrauen? Beim Acrylgemälde von Sepp Lingl „Ich weiß … und Peter weiß es“, hat man eher den Eindruck eines verbindenden Geheimnisses. Nachdenken, Scheinwissen hinterfragen: „Ich weiß das ich nicht weiß“, bezieht sich Margit Steinberger in ihrem Keramikobjekt mit Eisenspänen auf die Grundformel von Sokrates. Ein irreversibles Wissen ist das um die eigene Vergänglichkeit. In ihrem farbenfreudigen Acrylwerk „Wenn der Lack abbröselt“ hat sich MartinaRiedner dieses Themas angenommen.

„Wir möchten mit dieser Ausstellung versuchen, manchen Dingen etwas genauer auf den Grund zu gehen, uns nicht mit Vordergründigem zufrieden geben“,  hatte Magdalena Eder in ihrer Begrüßung angekündigt. Ein Anspruch, dem die Mitglieder der Künstlergilde mit ihren sehenswerten Exponaten mehr als gerecht geworden sind. Die Ausstellung im Stadtmuseum ist noch bis Sonntag, 6. April, täglich von 15 bis 18 Uhr zu sehen.

nh

Rubriklistenbild: © Norbert Höhn

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