Jahreshauptversammlung des Schutzverbandes

Fluglärm: Ärger über Untätigkeit der Politiker

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Ernst Petschko: "Stadt hat vier Jahre nichts unternommen"

Freilassing - Bei der Hauptversammlung des Schutzverbandes wurde kein Blatt vor den Mund genommen. Fluglärmgegner übten scharfe Kritik an den politischen Verantwortungsträgern.

Die Belastungen durch den Flughafen Salzburg sind schon seit Jahrzehnten ein beherrschendes Thema in Freilassing. Bei der Jahreshauptversammlung des Fluglärm-Schutzverbandes wurden die vielen Aktivitäten dargestellt, welche die Bevölkerung besser vor Lärm und gesundheitsschädlichen Emissionen schützen sollen. Deutlich wurde dabei auch der Ärger über die Untätigkeit der zuständigen politischen Entscheidungsträger formuliert. In der teilweise erregt geführten Aussprache standen vor allem die lokale Politik und deren Protagonisten im Zentrum der Kritik.

Dr. Alfred Grandl: "Hätte heute gerne was vom Bürgermeister gehört"Vorne sitzend 2. Bürgermeister Gottfried Schacherbauer (Freilassing) und 3. Bürgermeister Franz Hagenauer (Saaldorf-Surheim). Zum Vergrößern hier klicken.

„Das Schicksal dieser Stadt wird sich am Fluglärm entscheiden“, prognostizierte etwa Dr. Alfred Grandl und schloss die Frage an: „Was machen denn unsere Stadtväter, was macht denn unser Bürgermeister, das hätte ich heute gerne gehört. Wir brauchen Unterstützung anstatt schöner Worte.“ Der Redner, wie auch andere nach ihm, kritisierte, dass außer Freilassings 2. Bürgermeister Gottfried Schacherbauer und dem 3. Bürgermeister von Saaldorf-Surheim, Franz Hagenauer, keiner der verantwortlichen Politiker den Weg zur Versammlung gefunden hatte. „Wir haben von unserer Bundes- und Landtagsabgeordneten über Landrat Grabner bis zu den Bürgermeistern der betroffenen Kommunen alle eingeladen“, stellte dazu Vorsitzende Bettina Oestreich klar und bedauerte deren Nichterscheinen. So bekam vor allem Gottfried Schacherbauer den Unmut der Versammlungsteilnehmer zu spüren, obwohl er in seinem Statement die uneingeschränkte Unterstützung der Stadt Freilassing hervorgehoben hatte. Als Beispiel nannte er den Beschluss des Stadtrats vom Januar, eine Sicherheitsanalyse in Auftrag zu geben. Zudem gehe der Bürgermeister bei den jährlichen Bürgerversammlungen stets ausführlich auf das Thema Fluglärm ein. Tanja Kuntze genügte das nicht: „Entschuldigung, was ist denn so wichtig, dass dieser Bürgermeister heute Abend nicht da ist und an der Seite der leidenden Bevölkerung steht?“ Bettina Oestreich versuchte die Wogen zu glätten und wies darauf hin, dass sich die Kommunikation mit den Verantwortlichen der Stadt erheblich verbessert habe. „Wir kommen nur mit Unterstützung der Politik weiter, und die fehlt vor allem von Berlin und München.“

„Entrüstung allein genügt nicht. Sprecht Politiker immer wieder konkret an, schreibt ihnen Briefe, fordert sie heraus, da sind sie empfindlich, weil sie wiedergewählt werden wollen“, empfahl Manfred Sieber. „Schreiben Sie auch den Herrn Grabner an, denn der ist der Schlimmste“, drückte sich der Redner drastisch aus und begründete dies damit, dass der Landrat einerseits „heldenmütig“ eine gerechtere Flugverteilung fordert, andererseits aber betont, wie toll der Salzburger Flughafen sei. „Ich habe manchmal den Eindruck, er betet die ganze Litanei herunter, mit der uns auch die Salzburger Seite immer wieder einzureden versucht, wie wichtig und notwendig der Flughafen ist.“ Erich Prechtl begründete, warum der Bund Naturschutz die Unterschriftenaktion zur Kündigung des Staatsvertrages unterstützt hat: „Ein instrumentengestütztes Landesystem als Bedingung für den Südanflug werden wir nur im Rahmen einer Kündigung des Staatsvertrages bekommen.“ FWG-Stadtrat Florian Löw konstatierte, dass im Landtag Anträge der Oppositionsparteien, die eine Verringerung der Fluglärmbelastung zum Inhalt hatten, allesamt von der CSU-Mehrheit abgelehnt worden sind. Zum kürzlichen Freilassing-Besuch von Bundesverkehrsminister Dobrindt sprach Löw Klartext: „Da fühl ich mich als Stadtrat dieser Stadt für dumm verkauft, wenn das als Privattreffen der CSU stattfindet und weder sonstige politische Vertreter, geschweige denn der Schutzverband an dem Gespräch teilnehmen kann.“ Ernst Petschko Stad kritisierte, dass bereits 2011 der Schutzverband und Herr Dr. Grantl aufgrund einer Bürgerinitiative den Antrag zur Erstellung einer Sicherheitsanalyse eingebracht hätten und vier Jahre lang nicht passiert sei. Es wäre bis heute nichts geschehen, wenn nicht Uwe Paschke bei der Bürgerversammlung 2014 erneut den Antrag gestellt hätte. „Sie alle wissen, wie gefährlich der Betrieb des Flughafens ist und haben trotzdem vier Jahre lang zugesehen und nichts gemacht“, verschaffte Ernst Petschko seinem Ärger Luft.

Bernd Gottwald wies darauf hin, dass laut einer Untersuchung in der Nähe von Flughäfen der Bleigehalt im Boden bis zum 100fachen des zulässigen Wertes betrage. „Ich denke, die Bauern in Wals verkaufen katastrophales Gemüse, das derartig belastet ist, dass man es nicht essen dürfte.“ Als Beweis für „das, was da von oben kommt“, führte Gottwald seine eigenen Äpfel an: „Die haben eine Schmiere drauf, die ich nicht mal mit Bürste und warmen Wasser weg krieg.“ Schwere Geschütze fuhr der Redner auf, als er Bürgermeister Flatscher als Vorsitzenden der Fluglärmkommission unterstellte, seinen Amtseid, zum Wohle der Bürger zu handeln, vielfach gebrochen habe. An Gottfried Schacherbauer gewandt erregte sich Gottwald: „Ihr stimmt eurem Bürgermeister zu, der sagt, 70 Prozent des Drecks, des Lärms, der Gefahren müsse Freilassing übernehmen.“ Bettina Oestreich wollte diese Aussage so nicht stehen lassen und bat den Redner um Mäßigung und auch Schacherbauer mahnte: „Unterlassen Sie diese Unterstellungen.“ Schauspielerin Tanja Kuntze, die sich engagiert für die Interessen der Fluglärmgegner einsetzt, forderte: „Wir müssen uns in der Öffentlichkeit präsentieren, denn steter Tropfen höhlt den Stein.“ Sie schlug vor, lästig zu sein, viele Briefe an die Verantwortlichen zu schreiben oder Transparente aufzuhängen. „Die Leute müssen sehen, dass wir leiden.“

„Wo man singt, da lasst euch nieder …“, könnte man den versöhnlichen Abschluss umschreiben, als Tanja Kuntze frei nach Reinhard Mey sang: „Unter den Wolken kann das Leben so wunderbar sein - ohne Dröhnen der Motoren bleibt man – erleichtert am Atmen und dann – würde was jetzt so belastend erscheint – endlich nichtig und klein.“

Weiteres zur Jahreshauptversammlung des Schutzverbandes auch hier.

nh 

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