Spätaussiedler aus dem BGL vor Gericht

Kiloweise mit Kokain, Heroin und Marihuana gehandelt?

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Traunstein/Freilassing - Drei Spätaussiedler mit gescheiterten Lebensläufen stehen vor dem Traunsteiner Landgericht: Sie sollen kiloweise mit Marihuana, Heroin und Kokain gedealt haben. 

Die Staatsanwaltschaft Traunstein spricht von einem "schwunghaften Handel  mit großen Mengen Heroin, Kokain und Marihuana im Raum Freilassing" zwischen dem Frühjahr 2014 und März 2016. Angeklagt sind drei Männer, zuletzt wohnhaft in Freilassing, bei Ainring und bei Teisendorf, deren Biographien sich in groben Zügen gleichen:

Die Angeklagten sind zwischen 33 und 35 Jahren alt und in der ehemaligen Sowjetunion geboren. Ende der 1990er-Jahre kamen sie als Spätaussiedler nach Deutschland, machten hier ihre Schulabschlüsse. Während dem Einstieg ins Berufsleben machten sie erste Erfahrungen mit Drogen: Zuerst Marihuana, später auch Kokain, Heroin und viel Alkohol. Alle drei wurden wegen Drogendelikten schon verurteilt, durch die Arbeitslosigkeit rutschten die Männer gegen 2014 dann in den Rauschgifthandel

Das wird den Männern vorgeworfen

Die meisten Delikte, die die Staatsanwaltschaft am Montag anführte, richten sich gegen zwei der drei Männer: Der Freilassinger und der Ainringer sollen 17 Mal mit Drogen gehandelt und sie 15 Mal von Salzburg über die Grenze gebracht haben. Zählt man all die Fälle zusammen geht es um nicht weniger als um 18,4 Kilogramm Marihuana, 11,6 Kilogramm Heroin und knapp 2,7 Kilogramm Kokain

Über Mittelsmänner kamen die Drogen aus Holland und Albanien nach Salzburg, wo die Übergaben stattfanden. In einem Fall soll der Angeklagte aus der Nähe von Teisendorf die Drogen in Marokko in 125 Päckchen selbst geschluckt und sie so nach Deutschland gebracht haben. Der Gewinn, den die Angeklagten durch den Drogenhandel insgesamt gemacht haben, ist der Staatsanwaltschaft unbekannt. 

Die Biografien

Keiner der Angeklagten wollte beim Prozessbeginn am Montag Angaben zu den ihnen vorgeworfenen Delikten machen. Der vorsitzende Richter Erich Fuchs erfuhr lediglich nähere Details zu den Biografien der Männer:

- Der Ainringer wurde 1983 in Sibirien geboren, kam 1999 nach Deutschland. Die mittlere Reife schloss er auf einer Privatschule mit einem Einser-Schnitt ab, machte danach eine Lehre zum Industriemechaniker. Er brach die Ausbildung jedoch ab, weil er wegen Drogenbesitzes zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Zwischenzeitlich lebte und arbeitete er viele Jahre in Osteuropa. Als seine Kinder schulpflichtig wurden ging der Angeklagte zurück nach Deutschland, war als Hausmann daheim. 2010 kam er mit LSD und Marihuana in Berührung, später auch mit Kokain und Heroin, seit 2015 darüber hinaus viel harter Alkohol.

- Der angeklagte Freilassinger wurde ebenfalls 1983 geboren, in Kasachstan. 1997 reiste er nach Deutschland aus, machte seinen qualifizierten Hauptschulabschluss und später eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann. Danach ging der Freilassinger zur Bundeswehr, war danach Arbeitslos und landete wegen Rauschgift im Gefängnis. Er berichtet von Marihuana, Ecstasy, Kokain und Heroin, das er bisher in seinem Leben nahm, zuletzt auch viel harter Alkohol.

- Der dritte Angeklagte, der zuletzt in der Nähe von Teisendorf lebte, wurde 1981 im Oblast Wolgograd geboren und kam 1997 nach Deutschland. Auch er landete nach der Hauptschule bei der Bundeswehr, arbeitet zuletzt als Security. Nachdem er dort seinen Führerschein verlor, folgte die Trennung von der Frau und immer stärkerer Drogenkonsum. Der Angeklagte war schließlich arbeitslos und saß 2013 wegen Drogen bereits in einem italienischen Gefängnis: "Probiert habe ich alles", so der Angeklagte auf die Frage des Richters zu seinen bisherigen Rauschgifterfahrungen. 

Das Urteil wird für Mitte Januar erwartet.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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