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4,8 Millionen Euro für Granitpflaster

„Goldenes“ Umfeld für Grundschule? - Keine Entscheidung in Freilassing

Brunnen im Wrede-Park Freilassing
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Der Brunnen im Wrede-Park wird in den nächsten Jahren im Schul-Containerdorf „untergehen“, bei der „Wiederherstellung“ des Platzes 2033 soll er dafür optisch in die Mitte des Platzes rutschen.

Rund 29 Millionen Euro werden der Teilneubau der Grundschule und die Sanierung des Zentralschulhauses kosten, also der Gebäude. Dazu sollen noch 4,8 Millionen Euro kommen für zwei Straßen rund um die Schule und den Georg-Wrede-Platz, frei nach dem Motto „Wennschon, dennschon“.

Freilassing – Offiziell laufen diese Kosten unter dem Titel „Sicherer Schulweg“. Zusammenfassen lässt sich das 4,8 Millionen-Euro Konzept so: Breitere Gehwege, schmälere Fahrbahnen, mehr Grün. Wenn man von einer jährlichen Preissteigerung der Baukosten von nur 5 Prozent ausgeht, kosten der Neubau und das fast schon vergoldete Umfeld dann geschätzt 35 Millionen Euro.

Dass rund 600 Kinder neue Klassenzimmer brauchen, sowie Lehrer und Rektor neue Räume bekommen, ist für alle bei den steigenden Schülerzahlen nachvollziehbar. Dass aber nun auch fast 5 Millionen Euro für den „neuen“ Birkenweg und die Schulstraße, sowie die „Wiederherstellung des Georg-Wrede-Platz“ ausgegeben werden, haben auch in der Stadtratssitzung am 18. Oktober nicht alle nachvollziehen können. Der Grundgedanke ist, das Schulumfeld „sicherer zu machen“, so Bauamtsleiter Noel Kress. Landschaftsarchitekt Paul Hartmann aus Niedersachsen konnte auf zahlreiche Untersuchungen der Verkehrsströme in der Stadt aufbauen, die es bereits seit zehn Jahren gibt.

Nachdem es für die Laufenerstraße im Osten der Schule, sowie die Bräuhausstraße und die Martin-Luther-Straße im Westen eigene Konzepte geben wird – diese solle eine Art Nur-Radstraße werden – geht es in dem 4,8 Millionen Euro-Konzept erst einmal nur um die beiden Straßen im Norden und Süden, sowie den Platz vor der Schule und den Schulwald zwischen Grundschule und Mittelschule. Für die Schulstraße schlägt der Architekt zwei verschiedene Farben vor, also einen Wechsel von Asphalt zu Granitpflaster. „Das soll Autofahrer zum langsamen Fahren zwingen.“ Der nördliche Gehweg entlang der Schulstraße soll breiter werden, die Fahrbahn entsprechend enger. Für den bereits engen Birkenweg im Süden des Schulareals ist eine Einbahnregelung von der Laufenerstraße in Richtung Bräuhausstraße vorgesehen. Radfahrer sollen auch gegen die Einbahn fahren dürfen. 

Container-Dorf statt Wrede-Platz

Auch wenn der Georg-Wrede-Platz die nächsten Jahre mehr ein Containerdorf sein wird als ein parkähnlicher Platz, plant der Architekt jetzt schon die „Wiederherstellung“. „Der Platz ist wunderschön“, im Norden soll es eine neue, längere und damit nicht mehr so steile Rampe in Richtung Badylon geben, dazu eine Zweireihe an Obstbäumen. Im Osten wünscht sich Architekt Hartmann eine geschlossene Hecke, „damit Autos optisch aus dem Platz gehalten werden“.

Jetzt schon planen für 2032?

Das alles gefiel CSU-Fraktionschef Hubert Kreuzpointner nicht wirklich. Warum jetzt schon über den Platz – und die Kosten – entscheiden, wenn ohnehin sehr lange die Container am Platz stehen würden? Bürgermeister Markus Hiebl entgegnete, bei der Städtebauförderung könne man nicht scheibchenweise Projekte einreichen, sondern nur ein Gesamtkonzept. Kreuzpointner blieb dabei, ein Gesamtkonzept zu beschließen, ohne ein Gesamtkonzept zu sehen sei nicht sinnvoll. Jetzt schaltete sich Robert Judl von ‚Pro Freilassing‘ als Mediator ein: „Ich verstehe die Frage so, dass man (also Kreuzpointner. Anm.) wissen möchte, ob man jetzt schon so tief in Planung gehen solle, wenn der Platz die nächsten zehn Jahre mit Containern belegt ist“. Doch Kreuzpointner ging es auch um die Kosten, denn, dass die jetzt beschlossenen Kosten in zehn Jahren noch gelten werden, zweifelt er zu Recht an. Hiebl blieb dabei, für einen Förderantrag müsse ein gesamtes Konzept vorgelegt werden.

Barrierefrei mit Umweg

Doch auch die Idee, den Gehweg in der Laufenerstraße in den Park zu verlegen und für Rollstuhlfahrer dann einen Umweg über die Schulstraße anzubieten, missfiel Kreuzpointner. In Richtung Architekt meinte er: „Sie schlagen uns also allen Ernstes vor, dass ein Rollstuhlfahrer diesen Umweg machen muss?“. Architekt Hartmann wollte den „Umweg“ nicht erkennen. 

Die Gesamtkosten von derzeit geschätzt 4,8 Millionen Euro empfand auch Michael Helminger (CSU) als „sehr hoch“. Er verwandelte die Stadtratssitzung flugs in eine Art Bauverhandlung und wollte zum Beispiel wissen, was bei 665.000 Euro alleine für den Birkenweg alles geplant sei. „Es macht schon einen großen Preisunterschied, ob wir Asphalt verwenden für 60 Euro pro Quadratmeter oder Granitsteine für 250 Euro pro Quadratmeter“, so Helminger, im Zivilberuf Bauleiter und daher Kenner der Materie. Seine Fragen nach der vorhandenen Asphaltstärke oder der „Belastungsklasse“ blieben großteils unbeantwortet, Hiebl reagierte zusehends genervt. „Quadratmeterpreise werden bekannterweise nicht in einer öffentlichen Sitzung diskutiert.“ Der tiefgründigen Fachdiskussion schien das Stadtoberhaupt nicht mehr folgen zu wollen, „jetzt hören wir damit auf“.

CSU-Strategie geht auf

Doch Kreuzpointner zerlegte die Architekten-Ideen weiter. Die Strategie dahinter war erst am Ende der Sitzung erkennbar. „Was mich noch bewegt, ist die geplante Pflasterung und eine verkehrsberuhigte Zone. Wenn schon, dann müsse es auch Parkflächen geben, und es werde doch auch noch andere Möglichkeiten der Gestaltung geben außer den Granitsteinen“, so die CSU Nummer Eins im Stadtrat. Auch dass Autofahrer und Fußgänger auf einer Ebene, also ohne Gehsteigkante, unterwegs sind, passt seiner Meinung nach zu einem „sicheren Umfeld“. Hiebl war zu diesem Zeitpunkt hörbar genervt und wollte daraufhin von Kreuzpointner sofort Vorschläge haben: „Was können Sie sich vorstellen?“

Jetzt ließ Kreuzpointner die Katze aus dem Sack: „Warum müssen wir das heute schon entscheiden? Der Architekt sollte uns vorher noch weitere Varianten und die dazugehörigen Kosten präsentieren und dann entscheiden wir in der nächsten Sitzung“. Der CSU-Antrag auf Absetzung der Entscheidung fand mit 10 zu 9 eine knappe Mehrheit. Die Bauverhandlung, also die Diskussion um weitere, wenn möglich günstigere Varianten wird also seine Fortsetzung finden.

hud

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