Freilassing: Josef Flatscher voll im Einsatz

20 Dienstjahre und kein bisschen müde: Ein Bürgermeister (fast) ohne Wahlkampf

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Auch wenn er nicht mehr als Bürgermeister kandidiert hilft Flatscher seiner Partei wie hier an einem Samstagvormittag am Wochenmarkt. „In der Fußgängerzone gehe ich aber natürlich auch zu den anderen Parteien und anderen Kandidaten und grüße sie“.

Freilassing - Josef Flatscher kandidiert nicht mehr als Bürgermeister von Freilassing. Doch an Ruhe ist nicht zu denken. 

Nach 20 Jahren im Amt und zahlreichen Wahlkämpfen könnte sich Bürgermeister Josef Flatscher jetzt gemütlich zurücklehnen, denn er kandidiert nicht mehr als Bürgermeister. Doch sein Terminkalender ist nach wie vor proppenvoll, und ein bisschen Wahlkampf geht auch noch, immerhin hat ihn seine Partei auf der Kreistagsliste aufgestellt, auf Platz 60, knapp hinter dem Noch- Bürgermeister von Ainring, Hans Eschlberger. „Ich habe meiner Partei gesagt wenn ich euch Stimmen bringe und ihr das wollt dann könnt ihr mich aufstellen“. In einem BGLand24- Interview erinnert sich Flatscher auch daran, welches mutmaßliche Manko ihm seine Gegner immer wieder vorgeworfen hatten.


Josef Flatscher hätte eigentlich noch einmal kandidieren können, bis zum 67. Lebensjahr ist das möglich, doch mit jetzt 63 Jahren findet er es sei der richtige Zeitpunkt, „wenn ich es jetzt noch einmal gemacht hätte dann nur für volle sechs Jahre und dann wäre ich bald 70 gewesen“. Viele Entscheidungsträger würden den richtigen Zeitpunkt zum Abschied nehmen übersehen, „ich finde es schön wenn die Leute sagen ‚Schade‘“. Je nach Wahlergebnis wird es für Flatscher also am 1. Mai entweder ein harter Schnitt mit der Politik oder ein Abschied auf Raten, wenn er mit genug Stimmen noch sechs Jahre im Kreistag sitzt, mit rund zehn Sitzungen pro Jahr allerdings ein überschaubarer Zeitaufwand.

Auch wenn Flatscher den Kandidaten seiner Partei naturgemäß unterstützt mag er das Wort Wahlkampf nicht, „ich habe noch nie gegen jemanden gekämpft sondern habe mich um ein Amt gemeinsam mit Mitbewerbern beworben“. Er habe mit seinen „Mitbewerbern“ nach der Wahl im Stadtrat hervorragend zusammengearbeitet, „nach dem Wahltag muss man immer zum normalen Leben zurückfinden“.


Insgesamt hat Flatscher sechs Wahlkämpfe bestritten, zwei Gemeinderatswahlen in Saaldorf- Surheim, wohin der gebürtige Freilassinger nach seiner Hochzeit gezogen ist, und eben vier Mal die Bürgermeisterwahlen in Freilassing. „Auch die Gemeinderatswahlen in Saaldorf- Surheim waren herausfordernd, aber die Bürgermeisterwahlen waren natürlich wesentlich spannender“. Gleich bei der ersten Bürgermeisterwahl am 21. Februar 1999 musste er sich einer Stichwahl stellen, die er 14 Tage später gegen den Herausforderer Hermann Lindner gewann, dem Sohn des früheren Bürgermeisters Ludwig Lindner (1966 – 1981).

Flatscher erinnert sich an ein offenes Rennen um das Amt des Bürgermeisters, die unmittelbaren Vorgänger seien von den Freien Wählern gestellt worden, „und es wurde dann immer wieder behauptet, ich sei ja kein Freilassinger weil ich zu dieser Zeit schon in Saaldorf-Surheim wohnte“. Als ob er sich 20 Jahre danach immer noch dafür rechtfertigen müsste erzählt Flatscher auch jetzt noch ausführlich, dass er nach seiner Geburt in Bad Reichenhall – „damals war die Geburtenklinik in Bad Reichenhall“ – bis zu seiner Heirat in Freilassing aufgewachsen ist und gelebt hat. „Ich war in Freilassing im Fußballverein, habe hier ministriert und bin hier zur Schule gegangen, habe hier bei der Sparkasse meine Banklehre gemacht und später bei der Volksbank gearbeitet“. Sein Vater sei Pförtner bei der Alpine gewesen, „der hat halb Freilassing gekannt“.

Im Vergleich zu früheren Wahlkämpfen stellt auch Flatscher fest, dass sich die Ansprüche der Wähler geändert hätten, aber auch er habe schon nach der ersten Wahl bald erkennen müssen dass man nicht allen Bürgern alle Wünsche erfüllen kann. „Am Anfang versucht man es, aber ich habe mich bald davon leiten lassen, was für die Stadt wichtig ist“. Im Vergleich zu seiner letzten Bürgermeisterkandidatur 2014 hätten jetzt sogenannte Soziale Medien wie zum Beispiel Facebook unheimlich an Bedeutung gewonnen. Auch wenn er selbst auf seinem privaten Profil 3000 Freunde hat und im Rathaus deshalb scherzhaft oft als Facebook-Kaiser bezeichnet wird sieht er die Entwicklung kritisch. „Jeder kann auf öffentlichen Seiten oder in seinem Profil seinen Unmut äußern, früher musste man noch einen Brief schreiben oder eben in die Bürgersprechstunde kommen, da war die Art und Weise der Kommunikation noch eine andere“. Jetzt würden viele bei veröffentlichten, mutmaßlichen Missständen sofort aufspringen, „ich kommentiere das online nicht“. Flatscher überlegt sogar, ob er nach dem 1. Mai auch seinen privaten Facebook-Account löscht oder zumindest deaktiviert. Ein neues Handy inklusive neuer Nummer hat er sich bereits besorgt.

„Froh dass es vorbei ist“

Die Frage, ob er eigentlich froh ist wenn seine Bürgermeisterzeit mit all der Verantwortung für eine 17.000- Einwohner-Stadt vorbei ist beantwortet Flatscher erst nach einer kurzen Nachdenkpause. „Ja, eigentlich bin ich schon froh“, bis Ende April habe er neben der Arbeitszeit im Rathaus auch noch jede Menge Abendtermine, „am 29. April mache ich dann eine Verabschiedung mit einer Brotzeit auf meine Kosten für alle meine Mitarbeiter und jeden, der kommen will“. Ab 1. Mai sei seine Zeit dann vorbei, dann gehe er nicht mehr ins Rathaus, außer als Bürger. „Ich möchte es da wie meine Vorgänger halten, die sich auch nicht eingemischt haben aber in der Anfangszeit Tipps gaben, wenn ich sie gefragt habe“. Er werde also dann antworten, wenn er gefragt werde, egal welcher Kandidat ab 1. Mai dann im Bürgermeisterbüro im Rathaus sitzt.

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