"Aufhetzen entbehrt jeglicher Grundlage"

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Freilassing - Die künstlich erzeugte Aufregung im Streit um den Salzburger Flughafen muss dringend einem sachlichen Miteinander weichen. Das fordert die FWG Heimatliste.

Agitatorisches Aufhetzen wie "Luftkrieg" oder "Flughafenschließung" entbehrt jeder Grundlage. Polemik dieser Art schadet in erheblichem Maß den Beteiligten und Betroffenen, dem nachbarschaftlichem Miteinander und damit allen Bürgern und fällt nicht zuletzt auf die Urheber zurück. Mit Verwunderung und offener Bestürzung nimmt die FWG Heimatliste Freilassing die in jeder Hinsicht haltlosen und unsinnigen Entwicklungen zur Kenntnis und fordert alle Verantwortung Tragenden zur Rückkehr zu Sachargumenten und konstruktiver Zusammenarbeit auf.

Der Großteil der Bevölkerung beiderseits der Saalach kann seit geraumer Zeit nur noch den Kopf schütteln: Was veranlasst die Protagonisten zu rüden Aussagen und völlig überzogenen Maßnahmen? Warum werden etwa die unbeteiligten Benutzer einer Buslinie in taktische Geiselhaft genommen? Das schadet dem nachbarschaftlichen Grenzverkehr und zuvorderst der Salzburger Wirtschaft. Wie immer sind es die Bürger, die unter dem Unvermögen ihrer Vertreter zu leiden haben. Dabei gibt es auch auf Salzburger Seite niemanden, der nicht zumindest Verständnis für die Bedürfnisse und Sorgen der Bayern zeigt: 100 Prozent Vorteile auf Salzburger Seite, gefühlte 100 Prozent Belastungen auf bayerischer Seite - unstrittig, dass diese Verteilung einer dringenden Lösung bedarf.

Bereits 1969 hat der Freilassinger Unternehmer Max Aicher, der sich öffentlich für die sonst jedermann zugestandene Wahrnehmung seiner Interessen schimpfen lassen muss, vor dem Verwaltungsgerichtshof in Wien gegen den Flughafen geklagt. Schon damals wichtige Bestandteile: Gesundheitsschädliche Auswirkungen eines erweiterten Flugbetriebes, Verfahrensfehler, Verletzungen von Vorschriften, die Änderung der Pistenrichtung und deren Verlängerung. Aicher klagte als direkt betroffener Anwohner, nicht als Unternehmer: "Die Auswirkungen auf die Bevölkerung … sind derart, dass sie nicht zugemutet werden können. Die Erweiterung des Flughafens … übersteigt die Grenze der Zumutbarkeit bei weitem."

Was hat sich seitdem getan? Nichts zum Guten für die Stadt Freilassing als Hauptbetroffene. Sogar der Landeshauptmann spricht von einer Zunahme der Belastungen, von denen dem Lärm nur ein Teil zukommt. Die Belastung durch Abgase, Kerosin und Feinstaub oder die Gefahr der niedrigst fliegenden Maschinen bei Start und Landung kommen meist gar nicht zur Sprache. Der Vorschlag, Freilassinger Belastungen durch Gelder abzugelten, trägt den Charakter einer Verhöhnung: Als könne man Lebensqualität und Gesundheitsschäden mit finanziellen Mitteln ersetzen oder heilen.

Anders bei immobilen Werten: Wie kann man es einem Grundstücksbesitzer welchen Umfanges auch immer zum Vorwurf machen, sich um den Wert seiner Liegenschaften und damit in Folge um alle betroffenen Haus- und Grundbesitzer zu sorgen? Was ist in Hellbrunn, Anif, Grödig und bis nach Hallein zu erwarten, wenn deren Anwohner sich einer vergleichbaren Situation ausgesetzt sähen? Gibt es diesseits und jenseits der Flussgrenzen zweierlei Menschen, zweierlei Maß, zweierlei Recht auf Eigenschutz? Kann es sein, dass Salzburger Interessen schützenswert sind, bayerische jedoch nicht?

Wenn in diesem Zusammenhang mit ausgestreckten Fingern auf die Vorsitzende des Freilassinger Fluglärmschutzverbandes gezeigt wird, weil sie - was im Übrigen an den Fakten kein Jota ändert - bei genanntem Unternehmer beschäftigt ist, so ist das mitnichten eine unheilvolle Verstrickung, sondern eine glückliche Fügung für die betroffenen Freilassinger. Wo sonst geben sich Fachwissen, Bürger-Engagement und persönlicher Einsatz derart ideal die Hand: Zum Wohle nicht von Einzelinteressen, sondern einer ganzen Stadt?Engagement scheint nur dann zulässig zu sein, wenn die Engagierten hobbymäßig organisiert sind. Mit professionellem Beistand werden sie zur Gefahr für die eigene Verweigerungshaltung.

Ja, es ist nicht leicht, einen Flughafen in dicht besiedeltem Gebiet zu betreiben. Ja, es ist nicht leicht, moderne Mobilität und Lebensqualität auf einen Nenner zu bringen. Sich aber jahrelang Lösungsansätzen zu verweigern und verzweifelten Bürgern das Ergreifen legitimer Mittel bis hin zur Bundesebene verwehren zu wollen und sie dafür zu beschimpfen, kann nicht im Sinne der Betreiber und ihrer Unterstützer sein. Es ist traurig, fahrlässig und auf das Schärfste zu verurteilen, dass man eine seit langen Zeiten blühende Nachbarschaftspflege aus jahrzehntelang fehlendem Verantwortungsgefühl mutwillig aufs Spiel setzt. Das nutzt allein den Auflagen der Medien, schadet den Bürgern und beschädigt die gemeinsame Kultur. Wir fordern alle Beteiligten eindringlich auf, sich des Getöses und Säbelrasselns zu enthalten und an den Gesprächs-Tisch zurückzukehren.Das sind wir unserer Tradition und unseren Kindern schuldig.

Pressemeldung FWG Heimatliste Freilassing

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