Kritik auf der Jahreshauptversammlung Schutzverband Rupertiwinkel

Mitglieder klagen: "Was wir hier Einatmen ist pures Gift"

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Kritik der Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung Schutzverband Rupertiwinkel
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Freilassing - Auf der alljährlichen Jahreshauptversammlung vom Schutzverband Rupertiwinkel stellte die Vorstandschaft die Ereignisse und Ergebnisse ihrer Arbeit aus dem letzten Jahr vor. Aber auch die Mitglieder kamen zu Wort und äußerten lautstark Kritik.

Knapp zwei Stunden dauert die Präsentation von Bettina Oestreich-Grau, der 1. Vorsitzenden des Schutzverbandes Rupertiwinkel über die Verbandsarbeit im vergangenen Jahr. Zahlen, Daten, Fakten wurden vorgestellt, über Anträge abgestimmt und zukünftige Aktionen vorgestellt. 

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ 

Aufgeben ist nicht mein persönliches Thema, aber trotzdem frage ich mich manchmal, warum wir von unseren Politikern in Berlin so wenig Unterstützung bekommen. 

Wir haben vor Ort ein gutes Netzwerk mit zahlreichen Politikern aufgebaut die uns unterstützen, allen voran vor allem Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Landrat Georg Grabner. Aber aus Berlin erfahren wir sehr wenig Unterstützung. Das ist manchmal sehr müßig, denn ich könnte in meiner Freizeit auch wesentlich angenehmere Dinge erledigen, als mich seit Jahren immer wieder mit den gleichen Anfragen, Beschwerden und Problemen auseinanderzusetzen. 

Die letzten Jahrzehnte, insbesondere was in den letzten 5 Jahre seitens der Verkehrsminister geschehen ist, lassen bis auf den Entwurf einer DVO keinen politischen Willen erkennen. Wir haben in der Fluglärmkommission viel erreicht und meine Punkte werden alle langsam abgearbeitet, aber das war ein harter Kampf und ist noch immer einer. 

Herbe Kritik an der Arbeit der Fluglärmkommission 

Im Anschluss kamen auch die Mitglieder zu Wort und machten ihrem Ärger lautstark Luft über ein vermeintliches Versagen der Fluglärmkommission, die sich nach Meinung der Mitglieder viel zu wenig für weniger Flugbelastungen über Freilassing einsetzen würde. 

Bilder: Jahreshauptversammlung Schutzverband: "Was wir hier Einatmen ist pures Gift"

  • „Für mich ist das alles ein Schmarrn. 50:50 ist doch ein Witz. Das ist Standard. Wir können doch nicht einen Standard fordern, wir wollen etwas Gescheites. Uns geht der Fluglärm von da drüber nix an!“ 
  • „Es wurde gesagt, dass die Grundstückspreise Freilassing im Einzugsgebiet des Flughafens sinken. Mich würde interessieren wie sehen die Grundstückspreise in Österreich aus? Gibt es dort auch einen Verfall? Und würde der Preisverfall dort auch größer werden wenn sich die Flugrouten ändern würden? Ich vermute, dass dann eine ordentliche Gegenwehr von den Reichen und Schönen dort drüben käme und wir uns noch mehr auf den Kopf stellen können, ohne dass etwas geschieht“. 
  • „Warum gehen wir mit all den Themen nicht einmal ins Fernsehen? Und was ist überhaupt mit der Luftverschmutzung? Der Flughafen ist mitten in der Stadt. Ich wohne seit 15 Jahren hier in Freilassing und habe seit 12 Jahren Asthma. Seit Generationen hat das kein Mensch aus meiner Familie. Aber wenn ich mir meinen Balkon anschaue, wo ich jeden Tag den schwarzen Staub wegfege, dann weiß ich, woher das kommt. Und was tun unsere Politiker? Sie reden und reden und nichts passiert.“ 
  • „Herr Ramsauer hat eine Durchführungsverordnung erstellt, die hat Hand und Fuß. Sie treffen doch jetzt Herrn Scheurer, der braucht die doch eigentlich nur hervorholen und durchführen.“ „Wenn Sie sagen, dass ein Flugzeug bei einem Start rund 470 Liter Sprit verbraucht, dann können Sie sich ausrechnen was wir hier bei rund 100 Flugzeugen pro Tag für eine Umweltverschmutzung haben. Dazu kommt, dass ein Flugzeug bei einer Landung Sprit ablässt. Das alles passiert auf einer Streufläche von 20km und das bekommen wir auch alles ab. Wir beschäftigen uns zwar seit Jahren mit der Lärmbelästigung, aber ich finde die Luftverschmutzung sollte für uns auch ein Thema sein“.
  • „Unser Hauptthema ist die Reduktion. Diese wird uns immer wieder versprochen, aber nichts eingehalten. Warum haut der Vorsitzende der Fluglärmkommission nicht stärker auf den Tisch?“ „Was wir hier einatmen ist pures Gift, das wissen wir doch alle. Aber unsere Politiker lassen uns im Stich. Ich bin der Meinung, dass der Vorsitzende unserer Fluglärmkommission auf ganzer Linie versagt hat und stelle seine Tätigkeit als Vorsitzender der Fluglärmkommission massiv in Frage. Es muss nicht immer der Bürgermeister auf diesem Posten sitzen, sondern lieber jemand der sich auch durchsetzen kann.“ 
  • Uns was macht überhaupt unser Fluglärmschutzbeauftragter? Der lässt uns doch komplett im Stich! Wenn wir dort Beschwerden oder Anfragen einreichen, dann erhalten wir nie eine gescheite Antwort. Was macht der denn eigentlich für uns?“ 
  • Ich halte die ganze Tätigkeit der Fluglärmkommission langsam für eine Alibikommission, die seit elf Jahren nur redet und Kosten produziert, wo aber nichts bei rauskommt.“ Außerdem wurde gefordert, dass die Sitzungen der Fluglärmkommission zukünftig öffentlich stattfinden sollen, „denn wir wollen wissen was in diesen Sitzungen besprochen wird und nicht länger verarscht werden“. 

Das allerdings ist gar nicht so einfach, „denn dazu braucht es eine Satzungsänderung der Fluglärmkommission“, so Bettina Oestreich-Grau. 

Für 10 Euro von Salzburg nach Mallorca?

Ebenfalls für Aufruhr sorgte der Hinweis, dass seit Anfang Juni einmal täglich eine Laudamotion-Maschine vom Salzburger Flughafen nach Mallorca fliegen solle. Vor allem die „Kampfpreise von rund 10 Euro pro Strecke“ sorgten für großen Unmut beim Schutzverband und seinen Mitgliedern. Hier stellte Bettina Oestreich-Grau abschließend die Frage: „Was kommt nach der Pistensanierung am Salzburger Flughafen wohl noch alles auf uns zu?

Lesen Sie kommende Woche auf BGLand24.de, was der Flughafen Salzburg zu den Vorwürfen sagt und welche Aufgaben die Fluglärmkommission überhaupt hat.

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