Zentralkrankenhaus für Freilassing

Ex-Stadtrat beklagt „Niedergang“ vom modernen Krankenhaus zur Rumpfklinik

Kreiskrankenhaus Freilassing
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Das Freilassinger Krankenhaus hat seine Blütezeit hinter sich, viele Freilassinger nutzen das nahe Salzburger Landeskrankenhaus für operative Eingriffe.

Freilassing. Der Kampf um den möglichen Neubau eines zentralen Krankenhauses im Landkreis hat begonnen, dass Bad Reichenhall der ideale Standort sei sieht neben der Klinik Aktiengesellschaft naturgemäß auch die Kurstadt so.

Sauer ist Freilassings Bürgermeister Markus Hiebl über einen Kommentar der Kliniken AG, „dass Freilassing superdankbar sein möge dass wir überhaupt noch eine ambulante Versorgung haben. Das mag die Ansicht der Kliniken AG sein, wir Freilassinger sehen das anders“. Ex-Stadtrat Fritz Braun erinnert daran, „dass der Landkreis noch ein 30.000 m² großes Grundstück rund um das jetzige Krankenhaus besitzt“.


Hintergrund der an Fahrt aufnehmenden Diskussion sind Aussagen in der jüngsten Kreistagssitzung, in der es um die Zukunft der beiden Krankenhäuser Traunstein und Bad Reichenhall ging, beide Standorte sollen nach Ansicht der Kliniken Aktiengesellschafft - im Besitz der Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land – für eine zentrale Versorgung bestehen bleiben, deshalb werde in Reichenhall auch ein Neubau angestrebt. Doch diesem Wunsch  muss man sich nicht automatisch anschließen, immerhin bildet die Stadt Freilassing zusammen mit Bad Reichenhall ein gemeinsames Oberzentrum und meldet einen stetigen Bevölkerungszuwachs. Zusammen mit Laufen, Saaldorf-Surheim und Ainring stellt man knapp 39.000 Einwohner und damit über ein Drittel der Landkreisbevölkerung, mit rund 8200 Arbeitsplätzen ist Freilassing führend im Landkreis. Freilassing alleine zählt 17.336 Personen, Stand Ende Juli 2020.

Der ehemalige Stadtrat Fritz Braun hält ein neues Zentralkrankenhaus in Freilassing zwar für sinnvoll, „aber vermutlich für nicht durchführbar“.

„In einem Satz festzustellen, die Stadt Freilassing möge superdankbar darüber sein, noch eine ambulante Versorgung zu haben, mag die Ansicht der Klinken Südostbayern sein, wir Freilassing sehen das durchaus anders“, so Hiebl in einem Schreiben an Landrat Bernhard Kern. Hiebl wünscht sich darin auch, dass die Diskussion um den Standort für einen Klinikneubau „auf eine breitere Basis gestellt wird und die Bürgermeister der Standortgemeinden, sowie Krankenhausvereine miteinbezogen werden“. Der Stadtrat stimmte diesem Schreiben in seiner jüngsten Sitzung zu. 

„Starke Kräfte für Reichenhall“

Der ehemalige, unabhängige Stadtrat Fritz Braun verfolgt die Diskussion um den Krankenhaus-Standort in Freilassing seit Jahrzehnten, seine pragmatische Einschätzung gegenüber BGLand24: „Ich halte ein Zentralkrankenhaus in Freilassing für sinnvoll, aber vermutlich ist es nicht durchführbar“. Der Landkreis besitze im Umfeld des jetzigen Krankenhauses rund 30.000 m² an Grundstücksfläche, „allerdings sind zu starke Kräfte für Reichenhall vorhanden“, so Braun.

Zuletzt wurde die Zukunft des   Krankenhauses auch von den Gegnern eines Wohnprojektes auf einem bereits verkauften Krankenhausgrundstück thematisiert. In einem Schreiben an alle Haushalte vor den Bürgerentscheiden am 19. Juli dieses Jahres meinten die Gegner der Wohnbauten unter anderem, dass durch den Verkauf einer 6800 m² großen Fläche die Zukunft des Krankenhausstandortes gefährdet sei. Der Bürgerentscheid gegen die Wohnbauten scheiterte wegen zu geringer Wahlbeteiligung.

Von einer Vollklinik zum „Restbestand“

Die Geschichte des Krankenhauses in Freilassing beginnt in der Reichenhaller Straße, wo sich die Stadt – wie viele Städte – ein eigenes Spital mit gerade einmal 30 Betten leistete. „Dieses Haus entsprach nicht mehr den Anforderungen der wachsenden Kommune“, erinnert sich Fritz Braun, deshalb hätten 1957 Freilassinger Bürger einen Krankenhausbauverein gegründet und beträchtliche Spenden gesammelt. „So konnte am 8. Juni 1966 ein neues Krankenhaus mit 130 Betten und einem Personalwohnheim eingeweiht werden“. Im Jahr 1969 wurde dann die Klinik vom damaligen Landkreis Laufen übernommen, Mitte der 1990-er Jahre wurde die Klinik erweitert und mit modernsten OP-Räumen und Geburtshilfestationen, sowie einer Küche ausgestattet. Die Bettenzahl erhöhte sich auf 141, die medizinische Technik entsprach dem damals neuesten Stand.

Dann habe allerdings „der Niedergang“ begonnen, so Braun, „der Landkreis Berchtesgadener Land beschäftigte als Träger zwei Geschäftsführer, die die Klinik wirtschaftlich zu Boden brachten“. Ab 2007 wurden die obersten Stockwerke des Hauses an die Inn-Salzach-Klinik vergeben, „aus heutiger Sicht muss man eingestehen, dass die Belegung des Hauses mit der Psychiatrie den Restbestand der Kreisklinik Freilassing mit nur mehr 40 Betten gerettet hat“, ist sich Braun sicher. Die verbleibende „Rumpfklinik“ sei dann in den Klinikverbund Südostbayern AG eingegliedert worden, dem neben Freilassing auch die Häuser in Bad Reichenhall und Berchtesgaden, sowie Traunstein, Trostberg und Ruhpolding angehören. „Mit dem strikten Sparkurs in der Kliniken AG ging es in Freilassing weiter bergab, die OP-Säle wurden abgebaut und auch das ambulante Operieren eingestellt, die Endoskopie einer Facharztpraxis übertragen“. Es verblieben die Arztpraxen für Unfallchirurgie, Radiologie und Gynäkologie.

hud

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