Unterschriftenaktion gegen Schul-„Aus“

Eltern wollen „Dorfschule“ erhalten – Hick-Hack um Frage, wer das Ende beschloss

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Helmut Meyer

Freilassing - Unter großem Medieninteresse haben heute Mittag Eltern vor der „Dorfschule“ im Stadtteil Salzburghofen für deren Erhalt Unterschriften gesammelt.

Väter und Mütter sind empört, dass über ihre Köpfe hinweg das „Aus“ der Schule mit vier Klassen entschieden worden sei. Beschlossen wurde das Ende der Filial-Schule mit dem Schuljahr 2020/21 im Stadtrat am Montagabend, oder doch nur bekannt gegeben? Darüber gibt es zwischen der Stadt und dem Rektor unterschiedliche Sichtweisen. Als Grund für das „Aus“ musste ausgerechnet das starke Ansteigen der Schülerzahlen dienen, der einen Neubau an der Martin- Luther-Straße rechtfertige. Die vier Klassen in Salzburghofen sollten bis dahin in einem Ersatzbau in Modulbauweise vor dem alten Zentralschulhaus Unterschlupf finden.

Freilassinger Eltern wollen „Dorfschule“ erhalten

Silke Hartmann ist einer der zahlreichen Mütter, die am Mittwoch unmittelbar nach dem Unterrichtsende in der Laufenerstraße gegen das „Aus“ der kleinen Schule unterschreibt. „Das wurde über die Köpfe der Kinder hinweg entschieden, das ist einfach unfair“. Sie jetzt in Containern unterzubringen lehne sie genauso ab wie den längeren, ihrer Meinung nach unsichereren Schulweg von der Laufenerstraße zum Georg-Wrede-Platz. „Der Übergang an der Matulusstraße ist sehr gefährlich, da müsste auf alle Fälle eine Ampel hin“. Weitere Mütter pflichten ihr bei und meinen, durch Neubauten und damit noch mehr Familien mit Kindern würde auch ein geplanter Neubau schnell zu klein, überhaupt wären dort neben der alten Grundschule, der Mittelschule und dem Neubau der zweiten Grundschule zu viele Schüler auf einem Fleck. 

Vier Generationen in der Dorfschule

Das „Aus“ für die vier Klassen der Grundschule im Stadtteil Salzburghofen ist auch ein „emotionales Thema“, so der Rektor der Grundschule, Helmut Mayer. Das scheint auch zu stimmen wenn man die Eltern anhört, „ich bin hier in die Schule gegangen, meine Mutter und mein Opa“, erzählt zum Beispiel Robert Kroiß, seine zwei Kinder seinen jetzt die vierte Generation. Dass sich für das kommende Schuljahr nur zehn Kinder für die Schule in der Laufenerstraße angemeldet haben sollen glaubt er zudem nicht.

Im Stadtrat am Montag hatte Bürgermeister Josef Flatscher zur Begründung für das „Aus“ auch eine Stellungnahme des Rektors verlesen, der von ganzen zehn Anmeldungen sprach, davon allerdings fünf Kinder von deren Eltern für die Ganztagesbetreuung, also mit Mittagessen, angemeldet worden seien. Damit wären nur fünf Kinder für eine neue, erste Klasse in Salzburghofen übrig geblieben, „zu wenig“. Die Eltern sagen, für dieses Schuljahr hätte es im Herbst 2018 über 50 Anmeldungen gegeben, „alle Kinder, die hier im Gebäude noch im Kindergarten sind, wollen doch hier auch in die Schule gehen, das sind doch viel mehr als fünf“, so eine Mutter.

Schwarzer Peter zwischen Rektor und Stadtrat

Helmut Mayer als Rektor stellte sich den Eltern schon bei der Unterschriftensammlung vor der Schule, er sprach von Sachzwängen, die einen Neubau erforderlich machen würden, in vier bis fünf Jahren würden rund 660 Schüler in die Grundschule gehen, das seien 100 mehr als derzeit. Mit dem Neubau, dem alten Zentralhaus und den vier Klassen in Salzburghofen hätte man eine Schule an drei Standorten, „das ist stundenplantechnisch sehr schwer machbar“, Deutsch-Förderstunden und die Möglichkeit der Inklusion sei in Salzburghofen nicht gegeben.

Doch wer hat das „Aus“ am Ende entschieden? „Also entscheiden muss das der Stadtrat, wir haben das mit der Verwaltung vorgeklärt, auch wie man die neuen Kinder unterbringen kann“, so der Rektor. Die stundenplantechnische Planung der Klassen hätten das Staatliche Schulamt und er entschieden. In der Stadtratssitzung am Montag konnte man allerdings den Eindruck gewinnen, der Rektor hätte das schon entschieden, auch Grünen-Stadtrat Wolfgang Hartmann erinnert sich nicht, dass der Stadtrat das „Aus“ der Schule entschieden hätte. „Der Rektor hat uns bereits in der Sitzung am 15. April gesagt, dass die Schule in der Laufenerstraße aufgelassen wird, wir waren überrascht, aber eine Entscheidung des Stadtrates dazu gibt es definitiv nicht“.

Die Eltern schlagen als Kompromiss vor, dass die jetzt in der Schule an der Laufenerstraße unterrichteten Kinder dort bis zum Ende ihrer Grundschulzeit bleiben dürfen. „Das würde aber bedeuten, dass sich die Schule langsam auf eine Klasse zuspitzen würde, das kann ich als Schulleiter nicht verantworten“. Dafür hätten auch die Eltern Verständnis gezeigt.

Michael Hudelist

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