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Gebürtiger Freilassinger belegt regelmäßig Spitzenpositionen

Ein Leben für den Sport: Stephan Tassani-Prell „wäre gern nochmal 30“

Stephan Tassani-Prell ist sowohl im Winter als Langläufer – unser Bild von einer Trainingseinheit im Januar in Bayerisch Gmain –, als auch als Läufer sportlich unterwegs.
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Stephan Tassani-Prell ist sowohl im Winter als Langläufer – unser Bild von einer Trainingseinheit im Januar in Bayerisch Gmain –, als auch als Läufer sportlich unterwegs.
  • VonHans-Joachim Bittner
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Die besten Damen – durchaus mal 30 Jahre jünger – sind mittlerweile sein Maßstab. Daran orientiert er sich. Stephan Tassani-Prell ist 50, beneidenswert fit, locker hängt er nach wie vor den einen oder anderen wesentlich jüngeren Konkurrenten ab. Egal ob beim Straßenlauf im „Flachen“, am Berg oder mit den Langlaufskiern. „Aber ich spüre natürlich, dass ich mein Leistungszenit überschritten habe. Die Kraft lässt nach, das ist klar“, sagt er ein wenig wehmütig. Denn: „Ich wär schon noch mal gern 30.“

Freilassing - Es ist Jammern auf hohem Niveau, denn der gebürtige Freilassinger muss sich weiterhin vor niemandem verstecken, belegt regelmäßig bei den schwersten Wettkämpfen – vor allem am Berg – absolute Spitzenpositionen. Erst jüngst im Team zusammen mit dem Teisendorfer Johannes Strohmaier (26) – einem Extrem-Höhenbergsteiger – beim beinharten Monte Rosa Skymarathon zu Fuß: Platz 25 unter 251 gestarteten Mannschaften als bestes deutsches Duo.

Stephan Tassani-Prell bestritt 1988, also mit 18 Jahren, seinen ersten Wettkampf: Der Steiner Alm-Berglauf. Direkt vor der Haustür in Piding war‘s, und ein Platz in den Top-30 unter 120 Teilnehmern. „Das hat schon gepasst“, lacht er heute. Er hatte Gefallen gefunden, von da an gab‘s für den heutigen Sportartikel-Händler kein Halten mehr. Die Anzahl der Bewerbe, die er mittlerweile bestritt, bewegt sich im 500er-Bereich. Sein größter Erfolg war der Sieg beim 1. Zermatt-Marathon am 6. Juli 2002 mit über 1000 Teilnehmern. „So einen Tag erlebt man nur einmal“, erinnert er sich gern zurück.

32 war er, genau im richtigen Berglauf-Alter. Seitdem wird Tassani-Prell immer wieder als Ehrengast eingeladen, zehnmal in Folge war er dort, wurde nochmal starker Vierter, Sechster, zweimal Achter. „Eine WM wär‘s mal gewesen, oft ging sich‘s knapp nicht aus“, ist er mit der Karriere zwar zufrieden, aber dieses kleine Stück fehlt, in der Athleten-Vita. Einmal war er bei einer Langdistanz-WM dabei und prompt zweitbester Deutscher. Meilensteine waren auch neun Teilnahmen am Transalpine-Run, bei dem er 2006 mit seiner Ehefrau Barbara zwei Etappensiege und am Ende Mixed-Platz 3 erlief.

Fußball, Formel-1, Segeln, Laufen

Als kleiner Bub spielte der Bayern-Fan, der sich unter anderem für die Formel-1 interessiert, beim TSV Freilassing Fußball. „Ich hab aber bald gemerkt, dass das nicht hundertprozentig mein Sport ist“. Der damals zierliche Schülerkicker wollte fitter werden: „Ich versuchte, 2000 Meter auf der Bahn im Stadion zu schaffen. Als mir das irgendwann gelang, lief ich in die Saalach-Au.“ Tassani-Prell hing die Fußballschuhe an den Nagel und rannte fortan jeden Tag – so nahm alles buchstäblich seinen Lauf.

Dennoch nahm er erst sechs Jahre später zum ersten Mal an einem Lauf-Wettkampf teil. Zu dieser Zeit war er bereits Ski-Langläufer, weil er mit den Eltern viel auf den Alpin-Brettern unterwegs war, in der Grundschule in Freilassing sogar einmal als Gesamt-Schulsieger. Ein Schlechtwettertag „verführte“ sie dazu, sich Langlaufskier auszuleihen, schon wieder war eine neue Leidenschaft geboren. Beruflich probierte er es zuerst als Lehrer, Geografie und Wirtschaft. „Aber ich hab schnell gemerkt, dass mir die Kinder auf der Nase rumtanzen und das nichts für mich ist“.

Einen Teil seines Herzens hat er neben seiner Babsi an Kroatien verloren – schon als Kind: „Wir waren viel dort, vor allem auf Krk. Bis heute sind wir sehr gern dort unten, bei Wettkämpfen. Das kommt meiner großen Reiseleidenschaft durchaus zugute“, schmunzelt der durchtrainierte Athlet. Zahllose Rennen bestritt das Ehepaar bereits weltweit, von den Azoren bis Zypern, unter anderem in Japan, Nepal, den USA, in Skandinavien, Frankreich oder Portugal.

„Ein Traum ist, einen Berglauf-Wettkampf mit dem Segeln, meiner früheren Leidenschaft, an der kroatischen Küste zu verbinden. Vielleicht erfüllt sich dieser Wunsch irgendwann.“ Stephans Bruder Peter besitzt immer noch das Boot der bereits verstorbenen Eltern am Chiemsee, er selbst nahm einmal – mit seinem zweiten Bruder Markus – an einer EM am Traunsee teil.

Früher gab es eine eingeschworene Laufgruppe um Tassani-Prell herum, mit Florian Brettl, Tobias Lojewski, Christian Fellermeier, Ronny Rauter, Rudi Hauk, seinen „Laufmentor“ der ersten Jahre beim SC Ainring, den langjährigen Trainer Eugen Aubele, Jörg Sigler und Peter Schidlowski – und im weiteren Kreis Top-Leute wie Daniel Pickl oder Birgit Koch. Zum jährlichen, sehr harten Trainingslager ging‘s immer Ostern – „eine Riesengaudi“ – nach Lana (Südtirol).

„Eine unglaublich schöne Zeit. Ich habe zu den meisten noch Kontakt, aber irgendwann ist halt jeder seines Wegs gegangen, familiär und beruflich.“ Als Laufduo war Tassani-Prell unter anderem mit Ronny Rauter, Philipp Reiter und Cilly Schreier erfolgreich unterwegs. Seit Corona Anfang 2020 ausbrach ist er gezwungenermaßen Einzelkämpfer. „Das ist schade, weil ich ein sehr geselliger Mensch bin, der die sozialen Verbindungen braucht.“ Mit Florian Wittmann aus Grödig, früher in Bischofswiesen daheim und nach wie vor Konditor in Bayerisch Gmain, trainierte Tassani-Prell zumeist. „Das hat sich durch die Pandemie ebenfalls erstmal gegeben.“

Das Skibergsteigen für sich entdeckt

Vor drei Jahren „entdeckte“ der sportlich vielseitig Interessierte und sehr Wetter-Robuste – einer seiner größten Pluspunkte – das Skibergsteigen für sich. Jetzt kann ihm der Winter fast nicht lange genug dauern, so „viel Spaß macht mir das“. Seine Spezln „bedrängten“ ihn solange, bis er nachgab: „Ich hab mir dann vom Reiter Philipp eine leichte Carbon- Ausrüstung ausgeliehen und war sofort Feuer und Flamme.“ Bei den letzten beiden Ski-Tri-Bewerben des SV Marzoll im Heutal war der „Zuvor-Langläufer“ Tassani-Prell bereits als „Aufsteiger“ im Einsatz und hat bei seiner Premiere gleich zweimal stolz den starken Thomas Brengartner überholt: „Weil mir einmal, Anfängerfehler, der Ski aufging.“

Daheim, beispielsweise beim Stoißer Alm-Berglauf, nimmt Stephan Tassani-Prell sehr gerne teil: „Aber hier habe ich einen gewissen Heim-Nachteil, weil ich mir viel zu viel Druck selbst auferlege.“ Die Wettkämpfe ganz allgemein bezeichnet er als „Anreiz fürs Training“. Das brauche er: „Sonst würde ich sicher in einen gewissen Trott verfallen. Ich bin schon der Wettkampf-Typ, aber immer noch genauso aufgeregt – jedesmal – wie früher“, lacht er.

„Das wird wohl nie weggehen. Das ist aber wichtig, um die nötige Leistung abzurufen.“ Wäre die Nervosität weg, würde er aufhören, sagt er, weil auch der Reiz weg wäre. Momentan ist er weit davon entfernt. So, wie vom Straßenlauf: „Das war früher. Heute geht es mir mehr ums Ankommen, das Bewältigen der vielleicht ausgesetzten, schwierigen, alpinen Strecke, durchaus die Platzierung – aber weniger um die Zeit.“

bit

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