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Artenschwund

Ein Drittel der Brutvogelarten verschwunden in der Saalachau Freilassing

Spuren des Schwarzspechtes sind deutlich sichtbar.
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Spuren des Schwarzspechtes sind deutlich sichtbar.

Im Rahmen der „Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach“ (ALS) wurde bereits in den Jahren 1984/85 der Brutvogelbestand an der Saalach von der Mündung bis zur südlichen Stadtgrenze bei Flusskilometer (Fkm) 4,60 erhoben. Die ALS wollte damals die naturschutzfachliche Wertigkeit des Lebensraumes Saalach und Salzach herausarbeiten. Durchgeführt wurde damals die Kartierung vom Ortsvorsitzenden des Bund Naturschutz i.B.e.V. Erich Prechtl. In der Zwischenzeit ist dieser Bereich der Saalachau Teil des FFH-Gebietes Nr.7744-371 Salzach und Unterer Inn und ist zugleich ein Europäisches Vogelschutzgebiet.

Die Mitteilung im Wortlaut:

Freilassing - Man folgte damit der Argumentation der ALS dass die Salzach ein Teil eines Biotopverbundes von europäischer Bedeutung ist der den Alpen- mit dem Donauraum verbindet. Regelmäßige Beobachtungen des Lebensraumes ließen jedoch in den letzten Jahren befürchten, dass einige Vogelarten in diesem Bereich in ihrem Bestand rückläufig, oder einige Arten sogar völlig verschwunden sind. Um Gewissheit zu bekommen wurde eine neuerliche Kartierung initiiert.

Sie wurde im Rahmen der ehemaligen 500 m Rasterkartierung durchgeführt, wobei einige aussagekräftige Raster zusammen gelegt wurden um eine durchgehende Tangente von der B20 (Westen) zur Saalach (Osten) zu bekommen. Unterstützung erhielt Erich Prechtl bei der diesjährigen Kartierung von Sibylle Roth vom Landesbund für Vogelschutz i.B.e.V (LBV).

Veränderungen des Lebensraumes seit dem Jahr 1984

In den Letzten Jahren gab es einige großflächige Veränderungen des Lebensraumes Saalachau durch den Bau des dritten Gleises nach Salzburg und den Bau des Hochwasserschutzdammes entlang der B20, der Bahnlinie und am Saalachufer.

Dadurch verschwand der Baum- und Strauchbestand an der B20 und der Uferbewuchs an der Saalach. Vom wertvollen alten Baumbestand an der Bahnlinie ist nur ein schmaler Streifen übrig geblieben. Die dafür vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen können bis heute den Verlust an Lebensraumqualität noch lange nicht ausgleichen. In welchem Umfang sich das massive Eschensterben oder der Borkenkäferbefall auf die heimische Vogelwelt auswirkt kann man momentan nicht einschätzen. Veränderungen gibt es auch im Bereich der Freizeitnutzung in der Au. Seit 1984 ist die Bevölkerung der Stadt Freilassing stark gewachsen. In Zeiten der Corona-Pandemie nutzen immer mehr Radfahrer, Reiter und Hundebesitzer die Au als Naherholungsgebiet. Auch werden die Grün- und Ackerflächen zwischen Auwald und B20 wesentlich intensiver landwirtschaftlich genutzt als vor 30 Jahren.

Kartiert wurde nach Gehör, auf Sicht und mit Hilfe von BirdNet. Im Jahr 1984 wurden die Raster in der Regel einmal begangen und dabei zwischen 30 und 40 Arten festgestellt. Bei der neuerlichen Kartierung wurden die Tangenten ca. sechsmal begangen und dabei zwischen ca. 20 bis 30 Arten kartiert. Zum Abschluss der Kartierungsarbeiten hatten die Naturschützer die traurige Gewissheit, dass ein Drittel der Brutvögel in der Saalachau Freilassing nicht mehr vorhanden ist. Darüber kann auch nicht hinwegtäuschen, dass Allerweltsvögel, wie die Mönchsgrasmücke, der Zilpzalp oder der Buchfink noch lautstark ihre Reviere behaupten.

Arten wie der Waldlaubsänger, Fitis, Gartengrasmücke, Grünfink und der Graupsecht sind jedoch verschwunden. Der Bestand der übrigen Brutvögel scheint ebenfalls rückläufig zu sein. Da der Lebensraum Auwald trotz einiger Veränderungen immer noch vorhanden ist muss man die Ursache bei der Nahrungsgrundlage suchen. Der Rückgang von 70% des Insektenbestandes durch die ungebremste Ausbringung von Umweltgiften macht sich anscheinend auch in den Schutzgebieten deutlich bemerkbar. Maiswüsten, intensive Grünlandnutzung mit Gülleausbringung und Flächenversiegelung durch Straßen- und Siedlungsbau machen ihr Übriges.

Dazu bemerken die beiden Naturschützer, dass Freilassing und Umgebung keine Insel der „Glückseligen“ mehr ist. Vielmehr haben wir auch bei uns einen massiven Artenschwund zu beklagen der sich nicht nur bei der Vogelwelt bemerkbar macht. Die natürliche Artenvielfalt ist weltweit in Gefahr. Ihrem Schutz muss die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt werden wie dem Klimawandel sonst befindet sich auch die Menschheit in kürze auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Anzahl der festgestellten Arten im Vergleich

Raster19842021weniger
730/735-990392613
735/740-995483612
740/745-005422616
745/750-015402515

Pressemitteilung BN-OG Freilassing

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