Stationen vom Hochwassereinsatz über den Fluglärm-Streit

Uli Zeeb im Interview: 22 Jahre die „Stimme der Stadt“ Freilassing

Statt Presseanfragen zu beantworten, hat Uli Zeeb (64) jetzt mehr Zeit für die Bereiche Wirtschaft und Kultur, und damit auch die Lokwelt, wo er nun auch seine Büro aufgeschlagen hat.
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Statt Presseanfragen zu beantworten, hat Uli Zeeb (64) jetzt mehr Zeit für die Bereiche Wirtschaft und Kultur, und damit auch die Lokwelt, wo er nun auch seine Büro aufgeschlagen hat.

Bei Presseanfragen an größere Kommunen landet man in der Regel nicht gleich beim Bürgermeister, sondern erst im Hauptamt, dem Geschäftsleitenden Beamten oder, wie in der Stadt Freilassing, in der Presseabteilung. Uli Zeeb war dort 22 Jahre der Ansprechpartner, er war „die Stimme“ der Stadt. Nun hat der 64-Jährige „die Stimme“, also den Stab weitergegeben, geblieben sind ihm die Bereiche Kultur, Wirtschaft und Fluglärm. Sein Büro hat er im zweiten Stock der Lokwelt aufgeschlagen. Im BGLand24-Exklusiv-Interview erzählt er die Hintergründe.

Freilassing - Seit 1999 war Uli Zeeb für die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Freilassing verantwortlich, für den damals neu gewählten Bürgermeister Josef Flatscher war schnell klar, dass man die Bürger mehr informieren müsse, „er fragte mich, ob ich die Pressearbeit übernehmen will, da ich von außen komme und schon im Umweltbereich komplexe Sachverhalte einfach darstellen hätte können“. Zeebs erste Aufgabe war dann die Herausgabe des Stadtjournals, einem Gratis-Magazin, das seither an alle Haushalte verteilt wird. 

Zu Beginn war die Presselandschaft noch sehr überschaubar, es gab den ‚Freilassinger Anzeiger‘ und die ‚Südostbayerische Rundschau‘, sowie das Lokalradio – damals ‚Radio Untersberg‘. Zeebs erste Pressemitteilung klingt aus heutiger Sicht wenig prickelnd, „es ging um einen Wertstoffcontainer, den die Stadt am Bauhof aufgestellt hatte“, damals noch ohne Fotos. Spannend war damals als auch heute, wer übernimmt die Meldung, also wer druckt sie ab, wird der Text umgeschrieben oder kommt er eins zu eins in die Zeitung, „also die meisten Presseinformationen aus der Stadt erscheinen so wie wir sie geschrieben haben“, so Zeeb.  Alle Meldungen über Freilassing wurden archiviert, bis heute. Die Anzahl der Pressemitteilungen hat sich aber deutlich erhöht, wären es 1999 noch zwei bis drei pro Woche gewesen sind es heute gefühlt oft zwei bis drei am Tag. 

Pressemitteilung immer mit Bürgermeister?

Alt-Bürgermeister Josef Flatscher hat die Aussendungen der Stadt immer vorher gelesen, wollte er dabei in jeder Info namentlich erwähnt werden? Zeeb sagt nein, „er wollte selbst nicht immer in der Zeitung sein, aber bei Fotos von Geburtstagskindern und Jubilaren hätten diese oft darauf bestanden, dass der Bürgermeister unbedingt aufs Foto muss“. Stadtpolitik ist nicht zwangsweise Parteipolitik, so hätten Zeeb und Flatscher immer darauf geachtet, dass keine parteipolitischen Aussagen in den Presseinformationen der Stadt vorkommen. „Wir schreiben keine politischen Artikel“, so Zeeb, „ich gehöre auch keiner Partei an und bin auch nie auf Parteiveranstaltungen gewesen, außer wenn alle Kandidaten auf einer Versammlung waren“. 

BGLand24: Überschriften oft ein bisschen reißerisch 

In den 22 Jahren der Pressearbeit wurde auch der Stellenwert der Bürgerbeteiligung ein immer höherer, „beginnend bei der Agenda 21 bis zum Integrierten Stadt-Entwicklungskonzept“. Auch die Schlagzahl der Presseanfragen nahm ständig zu, „jetzt gibt es zum Beispiel nach jeder Stadtratssitzung telefonische Nachfragen“.  BGLand24.de als schnelles Online-Medium sei ihm auch sehr wichtig gewesen, „ich schaute regelmäßig rein und beobachtete, welche Artikel kommen rein, welche nicht“. Recherchierte Artikel seien durchaus auch kritisch, „wobei die Überschriften oft ein bisschen reißerisch sind, aber der Inhalt stimmt“. Aufgefallen sei ihm auch, dass die Artikel mittlerweile länger geworden sind. 

Pressesprecher oder Vermittler?

Während in anderen Kommunen die Geschäftsführer oft Presseanfragen ohne Nachfragen beim Bürgermeister beantworten dürfen, ist der Pressesprecher in Freilassing teilweise ein „erster Ansprechpartner“, der sich dann um entsprechende Antworten kümmert, das heißt in den Fachabteilungen nachfragt. Bürgermeister Flatscher selbst habe auch ein gutes Verhältnis zur Presse gehabt, eine Zeit lang habe er versucht, regelmäßige Pressegespräche für alle Journalisten vor Ort einzuführen, meist vor Stadtratssitzungen mit heiklen Themen, „das ist aber leider am Ende aus Zeitgründen eingeschlafen“. Es sei aber der Versuch gewesen, einen komplexen Sachverhalt den Journalisten zu erklären, „eine absolute Neutralität in der Berichterstattung gibt es ohnehin nicht“.

Er, Zeeb, sei mit „fast allen“ Journalisten gut zurecht gekommen, auch mit der überregionalen Presse. Wenn die Stadt Fehler gemacht habe, hätte er das auch eingestanden, „zum Beispiel hat die Stadt vor einem Bürgerentscheid schon ‚Ergebniszahlen‘ auf der Stadt-Website veröffentlicht, es sei eine Testseite gewesen und man habe nicht gemerkt, dass diese schon öffentlich zu sehen war. Bei ganz großen Themen, wie zum Beispiel dem Bürgerentscheid über das Biomasse-Heizkraftwerk habe der Stadt auch ein PR-Berater zur Seite gestanden, das „Nein“ der Mehrheit damals konnte er allerdings auch nicht verhindern. 

Uli Zeeb - Zur Person 

64 Jahre, geboren in Stuttgart, aufgewachsen in Freiburg

1991 nach dem Studium der Agrarwissenschaften als „Umweltberater“ nach Freilassing gekommen

Pressesprecher von drei Bürgermeistern, u.a. Lucian Breuninger und Josef Flatscher

Erste Aufgabe: Abfallentsorgung umstellen

Ewiger Zankapfel Fluglärm

Als Pressesprecher der Stadt war Zeeb als Protokollführer auch bei jeder Sitzung der Fluglärmkommission dabei, die in Deutschland für jeden Flughafen vorgeschrieben ist, „und der Salzburger Flughafen wird wegen seiner Grenznähe wie ein Airport auf deutschem Staatsgebiet behandelt“. Den Tiefpunkt der Beziehungen zwischen Freilassing und Salzburg erlebte auch Zeeb im Dezember 2013, als der damalige Verkehrsminister Peter Ramsauer ein de facto Flugverbot über deutschem Gebiet bei gutem Flugwetter androhte und Salzburgs Boulevard-Presse daraufhin einen „Luftkrieg“ zwischen Salzburg und Bayern titelte, „damals wollten viele Salzburger nicht verstehen, dass niemand auf deutscher Seite den Flughafen in Salzburg in Frage stellt, sondern es eben nur eine gerechte Verteilung des Fluglärms geben muss“.

Die Beziehung hatte großen Schaden genommen, der damalige Bürgermeister Heinz Schaden stoppte sogar den Linienbus zwischen Freilassing und dem Salzburger Zentrum, die Linie 24, für ein Jahr. Mit dem neuen ÖVP-Bürgermeister Harry Preuner habe sich die Beziehung der beiden Bürgermeister wieder normalisiert, man traf sich ungezwungen auf ein Bier und Rotwein, einmal im Café Wernbacher in Salzburg, einmal im Zollhäusl in Freilassing. 

Hochwasser-Infos im 30-Minuten-Takt 

Sogenannte Soziale Medien, also Facebook & Co. können Segen und Fluch gleichzeitig sein, Fluch dann, wenn sie für Hassbotschaften, Diffamierungen und Beleidigungen missbraucht werden. Ein Segen sei die damals junge Facebook-Seite der Stadt und die Website aber erstmals bei der Hochwasser-Katastrophe Anfang Juni 2013 gewesen, „da haben mein Kollege und ich halbstündlich offizielle Informationen der Stadt veröffentlicht“. Die Kommentare auf der Facebookseite freilassing.de gebe der Stadt „ein gutes Stimmungsbild, was die Bürger interessiert“. Auch wenn sein ehemaliger Chef, Josef Flatscher, Facebook privat sehr extensiv nutzte und rathausintern daher als „Facebook-Kaiser“ bezeichnet wurde, ist Zeeb bis heute privat nicht aktiv auf Facebook oder anderen sozialen Medien. 

Die letzten gemeinsamen Presse-Jahre mit Josef Flatscher entsprachen einem eingespielten Team, bei Presseanfragen hätte Zeeb genau gewusst, was der Bürgermeister sagen würde, „Du weißt doch eh, wie ich darüber denke“ soll er öfters zu Zeeb gesagt haben. Die Ära Flatscher endete nach über 20 Jahren am 30. April 2020, jetzt, ein Jahr später auch für Uli Zeeb. „Es muss einmal ein Wechsel da sein, ich stehe jetzt nicht mehr so im Blickpunkt“, sagt Zeeb ohne Groll. Geblieben sind ihm die Aufgaben Kultur, Wirtschaft und Fluglärm, gewechselt hat allerdings auch sein Arbeitsplatz. Weil das Rathaus räumlich aus allen Nähten platzt, ist Zeeb, zusammen mit anderen Stadtmitarbeitern der Kultur, in den 2. Stock der Lokwelt übersiedelt. 

hud

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