Sind zu viele Schüler in den Klassen?

Dicke Luft im Freilassinger Stadtrat wegen „schlechter Luft“ in Mittelschule

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2011 wurde die Mittelschule in der Martin Luther Straße generalsaniert, 310 Kinder werden derzeit hier unterrichtet.

Freilassing - In der Mittelschule ist Luftqualität in den Klassenzimmern von niedriger Qualität. Stadtrat Thomas Ehrmann sieht als Ursache einen Planungsfehler bei der Sanierung der Schule. Oder sind einfach zu viele Schüler die Ursache?

Ist die Luft in der Mittelschule „hygienisch unbedenklich“ oder doch schon „auffällig“? Die Stadt sagt nach vier Messungen, „die Standardwerte im belegten Klassenzimmer sind zwischen 800 und 1400 ppm Kohlendioxid“, ppm bedeutet ‚parts per million‘, also 1.000 Teile auf 1 Million Teile. Laut der Einteilung der Raumluft nach einer DIN-Norm kann man ab 1.000 ppm bereits von einer „niedrigen Qualität der Raumluft“ sprechen, auch wenn der Grenzwert, also „hygienisch inakzeptabel“, bei 2.000 ppm liegt. Der Bericht der Stadt empfiehlt, dass durch das Lüften der Räume „die Sollwerte um 1.000 ppm und weniger wieder erreicht werden“. Dicke Luft gab es auf alle Fälle im Stadtrat bei der Frage, ob und was zu tun sei, um die Luft in der Mittelschule zu verbessern.

Die Freien Wähler hatten nach einer Beschwerde in der Bürgerversammlung einen Fragenkatalog rund um die Luftqualität an die Stadtverwaltung geschickt, mit den Antworten waren die Fraktionsmitglieder ganz und gar nicht zufrieden. „Wir haben hier ein Passivhaus und dann erreiche ich die Luftqualität nur durch Lüften der Räume, das stellt den Passivstandard ja ad absurdum“, so zum Beispiel Stadtrat Thomas Ehrmann. Er sieht einen Planungsfehler der erst 2011 generalsanierten Schule. Der damalige Planer soll bei der aktuellen Überprüfung der Lüftungsanlage zudem gemeint haben, 1.400 ppm Kohlendioxid seien schon noch in Ordnung, nicht nur Ehrmann bezweifelt das.

„Wir suchen uns anderen Planer“

Auch Wolfgang Krämer, CSU, im Zivilberuf Arzt, stellte fest, dass die Richtlinie eben bei 1.000 ppm liege, ab dann sei die Bewertung eben ‚auffällig‘, „und wenn ein Planer sagt, 1.400 sind nicht bedenklich dann kann er offensichtlich die Richtlinie nicht lesen, dann werden wir einen anderen Planer suchen müssen“. Krämer stört auch die Aussage, dass zu Mittag die Räume ohnehin gelüftet würden und danach die optimale Luftqualität wieder gegeben sei. „Was ist dann mit allen Schülern, die hauptsächlich am Vormittag im Unterricht sitzen“, fragt Krämer, wenn das Lüftungssystem an Samstagen und Sonntagen einwandfrei arbeite nütze das den Schülern nicht. 

Auf das Passivhaus und die Lüftungsanlage war die Stadt zumindest bisher besonders stolz, bei jeder Führung wie hier mit Mitgliedern der IHK wurde das System präsentiert.

Er fordert, dass die „hygienische Unbedenklichkeit, also ein CO² -Wert unter 1.000 ppm, auch am Vormittag erreicht werden muss“, und wenn die derzeitige Technik das nicht schaffe müsse man eben Maßnahmen überlegen. Bürgermeister Josef Flatscher versuchte seinen Parteifreund Krämer zu beruhigen, „entscheidend ist doch, dass die Werte nicht Gesundheitsgefährdend sind“.

Zu viele Schüler in der Mittelschule?

Zwischendurch erinnerte Edeltraud Rilling von den Grünen daran, dass die Mittelschule bei der  Generalsanierung für weniger Schüler geplant worden sei. Die Rektorin der Mittelschule, Uta Amtesbichler, meint jedoch auf Nachfrage, dass die Schule mit den derzeit 310 Schülern nicht überbesetzt sei, „sie ist für wesentlich mehr Schüler geplant“. Auch die Klassenzimmer seien nicht überbesetzt, ein „Luftproblem“ sei an sie noch nie herangetragen worden. Im Stadtrat blieben die Grünen bei ihrer Darstellung und meinten, dass man den von der Mittelschule Mitterfelden nach Freilassing geholten M-Zug möglicherweise wieder auslagern solle, also wieder zurück in die leer stehenden Klassen nach Mitterfelden solle.

Der ursprüngliche Beschlussvorschlag, wonach die Messwerte innerhalb der Grenzwerte liegen, also unter 2.000 ppm, und damit der Antrag der Freien Wähler erledigt sei, fand keine Zustimmung. „Wir wollen 1.000 ppm, und wenn’s technisch nicht funktioniert dann müssen wir uns was anderes einfallen lassen“, so Krämer.

Michael Hudelist

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