„Regelbetrieb“ fast wie vor Corona

Der „mit Abstand“ ungewöhnlichste Schulstart in Freilassing

Die sechsjährige Lilly freut sich schon sehr auf den ersten Schultag, aber ihre Mutter hatte am Donnerstag noch keinerlei Informationen über den Schulstart.
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Die sechsjährige Lilly freut sich schon sehr auf den ersten Schultag, aber ihre Mutter hatte am Donnerstag noch keinerlei Informationen über den Schulstart.

Freilassing - Rund 150 Burschen und Mädchen werden am Dienstag zum ersten Mal in der Grundschule die Schulbank drücken, und zum ersten Mal wird der Schulbeginn ganz anders sein als all die Jahre zuvor: die Kinder werden alleine in das Schulgebäude gehen, die Eltern müssen draußen warten und auch die gemeinsame Veranstaltung aller ABC-Schützen mit dem Zauberclown Manuela fällt aus. Der Grund ist bekannt, wir sind noch mitten in der Corona- Pandemie.

Während sich die Kinder in der Regel auf die Schule freuen ist bei den Eltern die Unsicherheit groß, wie wird ein Unterricht in Corona-Zeiten aussehen, was passiert wenn ein Kind mit Schnupfen in die Schule kommt, was wenn ein Kind positiv getestet wird? Eine Woche vor dem Schulbeginn wissen die Eltern noch nicht einmal, in welche Klasse ihre Kinder kommen, welchen Lehrer sie haben werden. „Es hat nur geheißen alle Informationen werden am Samstag in der Zeitung stehen“, sagt eine Mutter, die mit ihrer Tochter den Schulweg übt und eben vor dem Zentralschulhaus angekommen ist.


Früher hingen Listen mit allen Schüler- und Lehrernamen schon Wochen vorher am Schulgebäude, „das geht jetzt aus Datenschutzgründen nicht mehr, alle Eltern bekommen von uns in dieser Woche einen Brief mit allen Informationen“, versichert Rektor Helmut Mayer, die verspäteten Infos zum ersten Schultag hätten damit zu tun dass die Regeln vom Kultusministerium auch erst Anfang dieser Woche bekanntgegeben wurden.

Rektor Helmuth Mayer (Mitte) hat zusammen mit den beiden Konrektoren Anja Hager und Wolfgang Kerschl den Stundenplan für alle Klassen ausgetüftelt.

Seit Dienstag steht nun also fest, wie das Kultusministerium sich den Schulstart vorstellt, es soll ein Regelbetrieb sein, also Unterricht wie vor Corona? „Nein, die Schüler müssen beim Betreten der Schule einen Mund-Nasen-Schutz tragen bis zum Platz, dort darf er in der Grundschule abgenommen werden“, so Mayer, und es dürfe keine Durchmischung der einzelnen Klassen geben. Schon der Weg in die Schule wird anders sein als im vergangenen Schuljahr, es werden sechs zusätzliche Schulbusse im Einsatz sein um schon in den Bussen den geforderten Abstand einhalten zu können, „dann wird jedem Schüler einer von sechs Zugängen zugewiesen, den er dann im Schuljahr zu benutzen hat“, so Mayer.

Wegen Corona wird der erste Schultag für die ABC-Schützen aufgeteilt, drei der sechs Klassen starten um 8.45 Uhr, weitere drei Klassen dann um 10.45 Uhr. Bis jetzt sind 149 ABC-Schützen angemeldet, sie werden sechs erste Klassen bilden, im Gegensatz zu früher sind sie alle im Zentralschulhaus am Georg- Wrede-Platz untergebracht, in Salzburghofen verbleiben eine 3. und eine 4. Klasse.

Grundschüler „locken“ ABC-Schützen ins Schulgebäude

Schulbeginn ist für die 2., 3. und 4. Klassen um 8 Uhr, für die ersten Klassen um 8.45 Uhr und um 10.45 Uhr, „wann welches Kind an der Reihe ist haben wir den Eltern in einem Brief geschrieben“. Bisher waren in den Klassenzimmern der ABC- Schützen oft mehr Eltern und Großeltern als Schüler, auch das wird in diesem Schuljahr nicht erlaubt sein, die Schüler müssen alleine in die Schule, „da es ja auch keine Schuleinschreibung im klassischen Sinn gegeben hat werden die meisten Kinder das Schulgebäude tatsächlich zum ersten Mal von Innen sehen“.

Damit den Kleinen der erste Gang alleine in das Schulhaus aber doch nicht so schwer fällt werden die anderen Grundschüler ihre neuen Mitschüler Fähnchen schwenkend aus den Fenstern begrüßen und so in das Schulhaus „begleiten“. In den Klassen werden dann tatsächlich nur die Kinder und die Lehrer sein, „nur ein Profi-Fotograf wird dann in die Klassen dürfen um für die Eltern und die Schule Erinnerungsfotos zu machen“.

Das erste Highlight der ABC-Schützen bisher, die gemeinsame Feier mit dem Zauberclown Manuela in der Mittelschule fällt in diesem Jahr auch Corona zum Opfer, „aber Manuela wird trotzdem kommen, am Donnerstag und Freitag, dann mit einer Extra-Vorstellung für jede Klasse“, verrät Mayer.

Im Schulalltag werden dann auch für die Erstklassler Singen und Turnen wieder erlaubt sein, alles unter Corona-Bedingungen, „also zum Beispiel beim Singen mit zwei Meter Abstand“, oder eben im Freien, auch der Sportunterricht in der Dreifach-Turnhalle im Badylon steht auf dem Stundenplan, kritisch könnte es mit dem Abstand hier beim Umkleiden werden, aber auch hier werden die Lehrer entsprechend aufpassen und auf das Aufsetzen der Schutzmasken achten.

Mit Schnupfen in die Schule?

Schon am ersten Schultag wird die Frage interessant sein, was passiert, wenn ein Kind verschnupft oder krank in die Schule kommt? „Also wenn es nur verschnupft ist oder ab und zu leicht hustet darf das Kind in der Klasse bleiben“, erklärt Mayer, Fiebermessen wäre zwar sinnvoll, aber dafür gibt es weder Geräte noch eine rechtliche Grundlage. „Wenn das Kind tatsächlich krank ist, und das sieht man ja bei Kindern sehr schnell, dann wird es sofort isoliert und die Eltern werden gebeten, das Kind schnellstmöglich abzuholen“.

Wenn es dann 24 Stunden frei von Symptomen ist darf es wieder am Unterricht teilnehmen. Wenn es einen bestätigten Corona-Fall in der Klasse gibt, also ein Kind tatsächlich positiv getestet wird, ist ohnehin das Staatliche Gesundheitsamt am Zug, wird eine Quarantäne aussprechen und die Kontaktpersonen ermitteln. „Aber auch in so einem Fall wird das Kind nicht vergessen, wir werden es dann mit Material versorgen wie wir es auch machen wenn es mit einer Grippe oder anderen Krankheit zuhause bleiben muss“ verspricht der Rektor. Einen rechtlichen Anspruch auf einen digitalen Unterricht gibt es allerdings nicht.

Ein Massentest bei Schülern ist im Übrigen nicht vorgesehen, Lehrer können sich allerdings einmal im Jahr kostenlos testen lassen, „ich habe alle meine Lehrer in dieser Woche an der Teststation des Landkreises angemeldet, aber es ist freiwillig, das heißt ich überprüfe nicht wer sich testen lässt und wer nicht“, präzisiert Mayer.

hud

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