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Explodierende Energiepreise

Busunternehmer aus Freilassing mit dem Rücken zur Wand : „Lange halte ich das nicht mehr durch“

Thomas Richter steht wie andere Busunternehmer auch mit dem Rücken an der Wand, wegen der drastisch gestiegenen Preise fordert er einen Rettungsschirm nach dem Vorbild Baden-Württemberg.
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Thomas Richter steht wie andere Busunternehmer auch mit dem Rücken an der Wand, wegen der drastisch gestiegenen Preise fordert er einen Rettungsschirm nach dem Vorbild Baden-Württemberg.

Den drastischen Preisanstieg an der Tankstelle merken nicht nur wir Autofahrer, für Frächter und Busunternehmer können diese Preise existenzgefährdend sein. Ein Bus mit einem 350 Liter Diesel-Tank war Ende 2021 mit rund 350 Euro aufgetankt, jetzt kostet es das Doppelte, und das bei Großabnehmerpreisen.

Freilassing - „Für mein Unternehmen bedeutet das Mehrkosten von 80.000 Euro pro Monat“, so Thomas Richter, der mit 70 Bussen in zahlreichen bayerischen Landkreisen und auch im Salzburger Land unterwegs ist. 

Die Auftraggeber, also Städte, Landkreise und der Salzburger Verkehrsverbund hätten zwar in den langfristigen Verträgen vereinbart, dass die Vergütung angepasst werden kann wenn die Kosten extrem steigen, aber diese so genannte Valorisierung werde nach Ablauf des Jahres festgelegt. „Das ist für uns Unternehmer viel zu spät“, so Richter weiter, der, wie andere Busunternehmer auch, die Auftraggeber bereits Anfang März angeschrieben hat, das Schreiben liegt der Redaktion vor. „Ich hoffe dass uns niemand hängen lässt, die Mehrkosten kann ich nicht mehr lange übernehmen, höchstens noch sechs bis acht Wochen“. 

Der Dieselpreis habe schon seit Mitte Februar angezogen, „der Dieseleinkaufspreis für Großverbraucher lag Anfang 2021 noch unter 1 Euro netto, nun liegt er bei 1,91 netto, das bedeutet für unsere Flotte, also 70 Busse und 20 Lkw rund 80.000 Euro Mehrkosten im Monat“, rechnet Richters Betriebsleiter Stefan Argyropoulos vor. In den laufenden Verträgen mit Kommunen, Landkreisen und dem Salzburger Verkehrsverbund seien zwar Preisanpassungen nach einem festgelegten Index vorgesehen, „aber erst zeitverzögert, als in einem Jahr, das ist zu spät für uns“, sagt Richter.

Er habe mit den Auftraggebern schon Kontakt aufgenommen, die würden mit dem Steuergeld sparsam umgehen, „aber mein erster Eindruck ist, sie verschließen sich nicht“, vermutlich warten aber auch Kommunen und Landkreise auf Förderaktionen des Bundes oder Bundesländer. So hat Baden-Württemberg zum Beispiel bereits angekündigt, die Busunternehmen schon in den nächsten Tagen mit Vorauszahlungen in Höhe von 120 Millionen Euro helfen zu wollen. So einen Rettungsschirm wünscht sich Richter auch in Bayern und in Salzburg.

Hohe Personalkosten wegen Corona

Extreme Kostensteigerungen gibt es aber nicht nur beim Diesel, „alles rund um die Mobilität ist teurer geworden, vom Motoröl bis zum Reifen, von den Ersatzteilen bis zu den Personalkosten“, so Richter. Die gestiegenen Personalkosten sind mit den ständig hohen Ausfällen wegen Corona-Krankheit oder Quarantäne zu erklären, „wir haben derzeit zehn Prozent mehr Fahrer weil wir bei einem Ausfall den Lenker sofort wieder besetzen müssen, unsere Verträge und die Auftraggeber nehmen keine Rücksicht auf die Corona-Krise“.

Aber auch bei neuen Ausschreibungen sind die Auftraggeber nicht bereit, steigende Preise zu berücksichtigten, der Landesverband der Busunternehmer habe daher von solchen Verträgen abgeraten, „aber es gibt immer kleine Unternehmen mit ein, zwei Bussen die trotzdem unterschreiben weil sie keine Vorhaltekosten haben wie wir, also zum Beispiel für eine Werkstatt“. 

Lieferengpass bei Diesel

Wie auch sein Kooperationspartner für die Linie 24 zwischen Freilassing und Salzburg, die Firma Albus, hat auch Richter ein weiteres Problem: Lieferengpässe. „Wenn ich beim Lagerhaus Hammerau 10.000 Liter Diesel für unseren Tank hier am Gelände bestellen will dann sagt der, dass er nur 4000 Liter liefern kann“. 

Eine von Richter auf seinem privaten Facebook-Profil angekündigte Protestaktion – „stelle mich mit meinen Bussen auf die Saalbrücke und werfe die Schlüssel in die Saalach“ – ist wohl nicht ernst zu nehmen, „wir stehen mit dem Rücken zur Wand, da muss man halt Aufmerksamkeit erregen“, erklärt Richter. 

hud

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