Bürgermeisterwahl in Freilassing

Bürgermeisterkandidaten treffen Jugendliche

Zum ersten Mal trafen die vier Bürgermeisterkandidaten Freilassings am Freitagabend aufeinander, von links Thomas Wagner (CSU), Daniel Längst (FWG), Felix Barton (AfD) und Markus Hiebl (Parteiunabhängig, aber unterstützt u.a. von den Grünen und der SPD).
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Zum ersten Mal trafen die vier Bürgermeisterkandidaten Freilassings am Freitagabend aufeinander, von links Thomas Wagner (CSU), Daniel Längst (FWG), Felix Barton (AfD) und Markus Hiebl (Parteiunabhängig, aber unterstützt u.a. von den Grünen und der SPD).

Freiassing - „Was tun Sie für die Umwelt?“, „Was soll mit dem Werk 71 geschehen?“ oder „Was würden Sie machen wenn Sie für einen Tag noch einmal in unserem Alter wären?“. Vier Jugendliche wollten den inzwischen vier Bürgermeisterkandidaten auf den Zahn fühlen.

Am Ende waren es drei Fragen an jeden Kandidaten, ohne Nachfragen und ohne Debatte der Vier untereinander. „Jeder soll sein Statement abgeben, Diskussionen würden die Jugendlichen überfordern“, so Rudi Hiebl vom Kreisjugendring, der den vier Jugendlichen bei der Organisation behilflich war.


Zwei Kameras nahmen die Statements der Kandidaten auf, nach dem Schnitt soll dann ein Zwölf-Minuten-Clip herauskommen, den sich Jugendliche dann ansehen können. „Dieses Konzept ist eine Premiere“, so Danilo Dietsch vom Jugendhilfeträger „Q3“.

Zwölf Jugendliche hatten im Vorfeld ihre Fragen deponiert, die Kandidaten konnten dann aus einem Hut jeweils drei Fragen ziehen. „Die Top-Themen waren Umweltthemen, mehr Raum für Jugendliche und Mobilität, also mehr und günstigere Öffis“.


In der kurzen Vorstellungsrunde erfuhren die Jugendlichen, dass der CSU-Kandidat Thomas Wagner vor 20 Jahren der Liebe wegen nach Freilassing kam und begeisterter Basketballtrainer in Bad Reichenhall ist, Daniel Längst von den Freien Wählern hingegen Vorsitzender des TSV Freilassing, Felix Barton von der AfD erst 2017 von Frankfurt nach Freilassing gekommen und hier erst seit kurzen politisch aktiv ist.

Der Parteiunabhängige Markus Hiebl nutzte die Vorstellungsrunde um daran zu erinnern, dass er als Leiter des Städtischen Bauamtes schon einiges für die Jugend mitentwickelt habe wie das Aquarium im Stadtteil Mitterfeld oder den Skaterplatz, der nun zu einem Mehrgenerationenplatz werden soll. Wie Wagner und Längst könne auch er mit einer Trainerkarriere aufwarten, „ich war Handballtrainer und habe mehrere Mannschaften trainiert“.

Jugendausschuss installieren

Die erste, ausgeloste Frage ging dann auch gleich an Hiebl, wie er denn die Jugend mehr für die Politik interessieren wolle. Ein aufgelegter Ball für den Kandidaten, der schon in seiner ersten Programmvorstellung versprochen hatte, einen Jugendausschuss einführen zu wollen. Aber auch die Jugend selbst sei gefordert zu sagen, was sie wolle und brauche. Eine Frage zum Megathema „Umwelt und Klimawandel“ hatte Wagner gezogen.

Er zeigte sich beeindruckt vom weltweiten Engagement der Jugendlichen, auch in Davos sei es das Top- Thema gewesen, „wenn man darüber redet kommt man sicher zu einer Lösung“. Längst meinte bei einer ähnlichen Frage an ihn, dass die Fridays-For- Future Bewegung zeige, „dass die Jugend ein großes, politisches Interesse hat“, er stelle einen Wertewechsel bei den Jugendlichen fest.

Eine sehr konkrete Frage zog Barton aus dem Hut, „Wie sehen Sie die Jugend in Freilassing?“ Seine Antwort den drei fragenden Jugendlichen zugewandt, „wenn ich euch sehe dann mache ich mir keine Sorgen“, aber um andere Jugendliche müsste man sich kümmern, „die zum Beispiel da draußen in einer Hütte sitzen“, gemeint war ein von der Stadt zur Verfügung gestellter, offizieller Treffpunkt am Rande des Spielplatzes in der Oberen Feldstraße.

Konkret um Freilassing ging es auch in der nächsten Frage, dieses Mal wieder ausgelost an Längst, „Was soll mit dem Werk 71 geschehen?“, gemeint ist ein Jugendtreff der Stadt in der Reichenhaller Straße. Er wolle nicht einen, zentralen Jugendtreffpunkt sondern das Werk 71 erhalten, ob saniert oder neu gebaut müsse noch diskutiert werden.

„Ich war ein Chaot“

Zwei sehr persönliche Fragen zogen die Kandidaten der CSU und der AfD am Ende der sehr straff geführten Fragerunde. So wurde Barton gefragt, wie er denn so als Kind gewesen sei und was er Jugendlichen raten würde. „Nicht so verhalten wie ich es getan habe, ich war ein Chaot und habe es zu spät begriffen“, erst mit Anfang 20 habe er sich der heute 33- Jährige von seinem Freundeskreis getrennt, „also mein Rat: Strengt euch an, setzt euch in der Klasse in die erste Reihe“. Wagner wiederum antwortete auf die Frage, was er denn tun würde wenn er einen Tag lang wieder 18 Jahre alt wäre mit „eine Runde Dauer- Chillen, Spaß, nein, ich würde mehr Sport machen und mich engagieren“.

„Eigener Kandidat nicht überzeugt“

Der 20-jährige Martin Schmelz war einer der vier Organisatoren vom Jugendforum Freilassing, ohne sein Wahlgeheimnis zu lüften verriet er, dass er bei den vier Kandidaten zwar in eine Richtung tendiere, „der Kandidat dieser Richtung hat mich zumindest heute Abend nicht überzeugt“. Mit dem Ablauf des Abends zeigte er sich zufrieden, alle Kandidaten hätten gut auf die Fragen geantwortet, kritisch nachgefragt hätte man absichtlich nicht, „das ist die Aufgabe der Presse“.

hud

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