Neue Wohnungen „Ja“ oder „Nein“?

Bürgerentscheid zum Matulusgarten am Sonntag - Alt-Bürgermeister mischt sich ein

Freilassing - Während die Gegner von Wohnbauten am Gelände des Krankenhauses mit großen Plakaten auf Bauzäunen im Stadtgebiet auf sich aufmerksam machen kommen die Bauträger aus Bayerisch Gmain und Wals vergleichsweise unauffällig daher, kleine A-Ständer in der Stadt und eine Facebookseite mit gerade einmal 103 „Fans“ sollen Stimmung machen für ein „Ja zum Matulusgarten“.

Doch jetzt sorgt ein Flyer an alle Haushalte für Aufregung, denn darin werben nicht nur die Bauträger naturgemäß für das Projekt sondern neben den aktiven Stadträten Helmuth Fürle (SPD) und Wolfgang Hartmann (Grüne) auch Alt-Bürgermeister Josef Flatscher, und das, obwohl er zum Abschied versprochen hatte, sich in die Stadtpolitik nicht einmischen zu wollen.


„Der Matulusgarten ist ein Wohnquartier für alle, nahezu CO ² -neutral, für sämtliche Einkommensgruppen bezahlbar, Barrierefrei, alle Generationen unter einem Dach“, schwärmt Flatscher, dem das Wohnprojekt offensichtlich auch nach seinem Ausscheiden noch ein Herzensanliegen ist. Sein Nachfolger Markus Hiebl gibt sich bedeckt, er sei Wahlleiter des Bürgerentscheides und als solcher habe er neutral zu sein. Seine eher positive Meinung hatte er aber schon vor der Sperrfrist kundgetan.

Bürgerentscheid zum Matulusgarten am Sonntag

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Im Postwurf meldet sich auch SPD-Stadtrat Helmut Fürle mit einem Statement zu Wort, ihm gefällt „dass Wohnraum für alle Einkommensgruppen geschaffen wird und durch die geplante Tagespflege in den Häusern viele Freilassinger Familien wirklich entlastet werden“. In einer Stadtratssitzung am 17. Februar formulierte Fürle zum Thema Matulusgarten um einiges schärfer, er warnte damals sogar davor, dass nach einem Jahr Zwangspause bei einem positiven Bescheid für die Initiatoren „ein anderer Investor kommt, den wir alle kennen, und der dann baut wie er will und nicht wie die Stadt es will. 

Bei dem uns allen bekannten Investor wären die Bäume längst weg und es würde auch kein Bürgerbegehren geben, weil die entsprechende Fraktion im Stadtrat (gemeint waren die Freien Wähler. Anm.) im Stadtrat dann nichts getan hätte“. Wenn anderswo nur Eigentumswohnungen gebaut würden rege sich niemand auf, an der Matulusstraße wollen die Gegner dass gar nichts gebaut wird, „das Motto ‚Ich möchte nicht dass vor meiner Haustür gebaut wird‘ können wir als Stadtrat nicht zulassen“, so Fürle im Februar im Stadtrat.

Auch im Corona-Ausschuss am Dienstagnachmittag gab es „Bedenken“, dass zwei aktive Stadträte, gemeint waren Fürle und Hartmann, auf der offiziellen Seite der beiden Baufirmen Werbung für das Projekt machten. Es sei zwar rechtlich nicht zu beanstanden, aber moralisch, meinte Bernhard Schmähl von Pro Freilassing. Er wollte die Meinung des Bürgermeisters dazu wissen der nur entgegnete, es herrsche Meinungsfreiheit und auch Stadträte dürften ihre Meinung kundtun, wo immer sie es wollten.

Am Sonntag können rund 12.000 wahlberechtigte Einwohner Freilassings, auch alle EU-Bürger, entscheiden, die Wahllokale sind bis 18 Uhr geöffnet, Ergebnisse der beiden Bürgerentscheide und der Stichfrage werden ab 18.30 Uhr erwartet.

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