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Betrugs-Tourismus der Impfgegner

„Zehn bis 20 am Tag“: Echtes EU-Impfzertifikat in Bayern mit gefälschtem Ösi-Impfpass 

Auch Apotheker Roland Nilles wurde schnell misstrauisch, als vergangenes Jahr plötzlich viele Österreicher mit einer angeblichen Impfung in Salzburg ihr EU-Zertifikat in Freilassing abholen wollten.
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Auch Apotheker Roland Nilles wurde schnell misstrauisch, als vergangenes Jahr plötzlich viele Österreicher mit einer angeblichen Impfung in Salzburg ihr EU-Zertifikat in Freilassing abholen wollten.

Österreichische Impfgegner, die mit einem gefälschten Impfpass geltende 2-G-Regeln umgehen wollen, haben eine neue Betrugsmasche: weil sie in Österreich mit einem Impfausweis alleine kein EU-Zertifikat erhalten, fahren sie einfach in eine deutsche Apotheke und holen sich hier das Zertifikat, da hier kein Abgleich mit den österreichischen Daten möglich ist.

Freilassing – „Da kamen noch vor Wochen zehn bis 20 am Tag“, erinnert sich Roland Nilles von der Kronen-Apotheke unweit des Kauflands. Die Polizei bestätigt eine Vielzahl entsprechender Anzeigen. Auch einer BGLand24-Leserin ist aufgefallen, dass „es immer mehr Österreicher gibt, die sich in bayerischen Apotheken das EU-Impf-Zertifikat inklusive QR-Code mit einem gefälschten Impfpass holen“.

Der Hintergrund ist, dass in einer österreichischen Apotheke die Einträge in einem Impfpass vor dem Ausdrucken des Zertifikates mit der Datenbank ELGA (Elektronische Gesundheitsakte jedes Versicherten in Österreich) verglichen werden. In Deutschland gibt es eine vergleichbare Datenbank nicht, Impfzertifikate werden hier einfach nach dem Vorzeigen eines Impfpasses ausgedruckt und dem Passinhaber übergeben. „Der offensichtlich leichte Missbrauch dieser Vorgangsweise durch Österreicher spricht sich natürlich herum“, so die Leserin.

„Wir machen das nicht mehr“ 

Apotheker Roland Nilles von der Kronenapotheke in Freilassing bestätigt, dass noch vor einigen Wochen jeden Tag bis zu 20 nicht in Deutschland versicherte Kunden mit einem Impfpass kamen und sich das EU-Zertifikat ausdrucken lassen wollten. „Wir sind da schnell misstrauisch geworden und haben in Einzelfällen auch die Polizei gerufen“, so Nilles. Wenn jemand mit einem neuen Impfpass kommt und nur einen Eintrag von einer angeblichen Impfung in Österreich hatte, habe man natürlich gefragt, warum der Kunde nach Bayern kommt, um sich ein Zertifikat zu holen.

„Wir wissen natürlich, dass die Kollegen in Österreich vor dem Ausstellen des Zertifikates den Namen mit der ELGA-Datenbank abgleichen“. Mit der Zeit hätten die Apotheker ein Gefühl dafür bekommen, ob eine Fälschung vorliegen könnte. Mittlerweile seien diese Anfragen stark zurückgegangen, „wir in unserer Apotheke stellen in solchen Fälle schon lange keine Zertifikate mehr aus und ich kenne auch keinen Kollegen in Freilassing, der das noch macht“, versichert Nilles. Aber selbst ein Abgleich von deutschen Impfpässen mit der entsprechenden Chargennummer des Impfstoffs ist erst seit wenigen Wochen möglich, davor musste auch hier das Fingerspitzengefühl der Apotheker entscheiden, ob ein Impfausweis echt ist oder doch gefälscht erscheint.

Bis 24. November kein Straftatbestand

Die Polizei in Freilassing bestätigt zahlreiche Einsätze wegen des Verdachts von gefälschten Impfpässen, „aber bis zum 24. November war das kein Straftatbestand, weil diese Pässe keine Urkunden mit Dokumentenqualität waren, diese Gesetzeslücke hat man aber mittlerweile geschlossen“, so Gerhard Huber, Leiter der Polizeiinspektion in Freilassing. Früher hat die Polizei nur den offensichtlich gefälschten Impfausweis sicherstellen können. Seit Ende November machen sich die Nutzer strafbar, „natürlich auch die Hersteller und Verkäufer“. Seit der Gesetzesänderung seien die entsprechenden Anzeigen „deutlich zurückgegangen“ auf ein bis zwei Einsätze pro Woche. Allerdings seien nicht nur Österreicher in bayerischen Apotheken vorstellig geworden, „wir hatten auch mal einen Italiener“.

hud