Atalanda - ein Modell aus Freilassing

Online bestellt - regional geliefert: Ist das die Zukunft?

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v. l. Bernhard Krittian, Franz Krittian (Buchhandlung Freilassing)
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Freilassing - Der Online-Handel macht dem Einzelhandel vor Ort schwer zu schaffen. Können digitale Einkaufsplattformen wie Atalanda den Untergangs des regionalen Einzelhandels aufhalten?

Die Freilassinger Firma Atalanda ist mit ihrem Konzept der „Digitalen Einkaufsstadt“ auf Wachstumskurs. Auch große Städte wie Wuppertal oder Wien setzen darauf. 

Das Projekt basiert auf einer von Atalanda programmierten digitalen Plattform, bei der sich Kunden über ihre heimischen Geschäfte und deren Angebote informieren und wenn sie wollen auch direkt Waren bestellen können. Geliefert werden diese noch am gleichen Tag - und zwar von regionalen Dienstleistern.

Vor fünf Jahren hatte der studierte Betriebswirtschaftler Roman Heimbold die Idee dazu, sozusagen den stationären Handel Online sichtbar zu machen. "Quasi ein 'Amazon vor Ort'. Regionalität und die Stärkung des Einzelhandels gegenüber großen Online-Anbietern sind mein großes Anliegen", so Roman Heimbold im Gespräch mit BGLand24.de. Aber wie kam es überhaupt zu der Idee, diese digitale Plattform zu gründen?

BGLand24.de hat Roman Heimbold, den Mitbegründer von Atalanda und Anbieter digitaler Einkaufsplattformen zum Interview getroffen.

Interview mit Roman Heimbold

Herr Heimbold, Sie haben Ihre Büroräume seit 2017 in Freilassing. Wie sind Sie auf Freilassing als Wirkungsstätte gekommen?

Der entscheidende Tipp kam von Barbara Platschka von der Wirtschaftsförderung. Das WFG-Team hat uns auch mit der Wifo Freilassing in Verbindung gebracht, wo gerade die Ausschreibung bezüglich der digitalen Einkaufsstadt lief. 

Dafür möchten wir uns ganz herzlich bei der Wirtschaftsförderung bedanken, die unserem jungen Unternehmen damit einen optimalen Start in Freilassing ermöglicht hat. 

Bietet Atalanda eine Online-Plattform mit Warenlieferung wie Amazon oder ist es ein Angebotsportal? 

Wir bieten beides. Auf unserer digitalen Plattform können sich Kunden über ihre heimischen Dienstleister und deren Angebote informieren und wenn sie wollen auch Waren bestellen. 

Wir haben festgestellt, dass Kunden durchaus gerne lokal einkaufen, wenn sie dazu im Web sehr schnell Informationen finden und sich Waren liefern lassen können. Die Geschwindigkeit großer Anbieter wie Amazon mit Prime schaffen jedoch lokale Händler nur, indem sie mit Kurierdiensten vor Ort zusammenarbeiten. 

Diese Dienste organisieren wir zu normalen Versandkosten. Das Schöne für die Händler ist jedoch, dass sich sehr viele Kunden online nur informieren und dann selbst vor Ort einkaufen wollen. 

Wir verbinden also den traditionellen Einzelhandel mit der digitalen Welt. Atalanda ist sehr erfolgreich auf Wachstumskurs. Immer mehr Kommunen kommen auf sie zu. 

Was ist außer dem interessanten Produkt Ihr Erfolgsgeheimnis? 

Wir haben festgestellt, dass ein Projekt dann Erfolg hat, wenn die Beteiligten vor Ort von sich aus interessiert und motiviert sind. Wir beginnen nur dann, wenn sehr engagierte Einzelhändler das wollen und ein Projektleiter vor Ort sich um die Organisation kümmert. 

Im Fall von Freilassing ist das das Wirtschaftsforum (Wifo) Freilassing. Mein-freilassing.de ist seit Mai 2017 online. 32 Händler mit über 800.000 Produkten sind vertreten. Für die Einzelhändler ist es außerdem wichtig, dass sie im Vordergrund stehen, nicht unsere Firma. 

Das stärkt nicht nur ihr eigenes Geschäft, das stärkt das Profil einer ganzen Stadt. Hier stiften wir im wahrsten Sinne des Wortes Identität. 

Wie gut sind die lokalen Händler auf den Onlinehandel vorbereitet? 

Das Bewusstsein ist vorhanden. Die Sorge um den Wettbewerb ist groß. Aber den Händlern fehlt es häufig an technischen Lösungen, die sie beherrschen. Es reicht also nicht, den Händlern einfach einen Marktplatz hinzustellen. 

Viele Händler müssen quasi mit entwickelt werden. An dieser Stelle setzen wir an. Teil unseres Konzepts sind deshalb auch Schulungen und Workshops. Wir arbeiten im Landkreis mit Cornelius Roth, Digitalisierungsbeauftragter der WFG BGL, zusammen. 

Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn außer Freilassing noch mehr Einkaufszentren im Berchtesgadener Land wie Bad Reichenhall oder Berchtesgaden mitmachen. 

Und wann sieht der Händler einen Erfolg? 

Wir sehen den Start eines Atalanda-Marktplatzes als Beginn eines Prozesses und verpflichten die Städte, mindestens zwei Jahre lang mitzumachen. Denn der Erfolg stellt sich nicht von heute auf morgen und je nach Händler auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit ein. 

Auch muss nicht jeder gleich mit allen Produkten online sein. Ein Händler kann zum Beispiel erst einmal Aktionen und Angebote einstellen und sehen wie diese angenommen werden. Wir sind da sehr flexibel. 

Feedback aus Freilassing

Das Feedback aus der Stadt Freilassing ist positiv. „Die digitale Einkaufsstadt ‚Mein-Freilassing.de‘ bietet unseren Unternehmen die tolle Chance, einen wichtigen Schritt in die moderne Zukunft zu gehen. Die Vorteile des Einkaufsstandorts Freilassing werden so online besser sichtbar", Anni Klinger, Vorsitzende Wirtschaftsforum Freilassing. 

Und Bernhard Krittian von der Buchhandlung Krittian in Freilassing ergänzt: „Die Bürger einer Stadt müssen umfassend informiert werden und hinter dem Konzept stehen. Das ist wichtig für den Erfolg.“

Josef Flatscher, Erster Bürgermeister der Stadt Freilassing: 

"Der Internethandel hat an Bedeutung gewonnen. Ich begrüße es daher sehr, dass auch der Einzelhandel in Freilassing – der Händler vor Ort ist nach wie vor für die Lebensqualität in einer Stadt wichtig – diese Möglichkeit aufgreift und seine Waren auch über das Internet auf einer gemeinsamen Plattform anbietet. 

So kann sich der Kunde im Vorfeld informieren und dann vor Ort einkaufen oder sich das Gewünschte nach Hause liefern lassen".

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