Nachfolger Hiebl ab Freitag im Amt

Nach 21 Bürgermeister-Jahren: Flatscher überreicht Schlüssel zu Rathaus

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Freilassing - „Es soll den Bürgern einfach weiter gut gehen, sie sollen die Corona- Krise gut überstehen und Freilassing soll weiter wachsen und eine lebenswerte Stadt bleiben“. Mit diesen Worten verabschiedet sich Josef Flatscher (63) nach 21 Jahren als Bürgermeister der Stadt Freilassing, „genau waren es 21 Jahre, zwei Monate und 13 Tage“.

Update, 30. April, 13.10 Uhr - Schlüssel offiziell überreicht

Am Donnerstag hat der scheidende Freilassinger Bürgermeister Josef Flatscher den Schlüssel zum Rathaus nach 21 Jahren Amtszeit offiziell an seinen Nachfolger Markus Hiebl übergeben. Hiebl wird das Bürgermeisteramt am Freitag, 1. Mai übernehmen.


Erstmeldung

Im letzten großen Interview in seiner Amtszeit schildert Flatscher exklusiv BGLand24 unter anderem, wie die Corona-Krise seine Pläne für den Abschied platzen ließen, wie er sich trotzdem von seinen Mitarbeitern verabschieden will und warum er sein Facebook-Profil mit 3.000 Freunden löschen wird. Seinem Nachfolger Markus Hiebl (45) streut er Rosen, „Hiebl ist ein guter Mann und er hat eine gute Mannschaft“.

Josef Flatscher geht es gut, sichtlich entspannt packt er in seinem Büro im ersten Stock des Rathauses mit Blick auf die Kirche Privates wie Bilder seiner Familie in zwei große Kartons. Der Corona-Virus konnte ihm zum Glück nichts anhaben, obwohl er berufsbedingt noch bis Mitte März täglich duzende Hände geschüttelt hat und als Bürgermeister hunderte soziale Kontakte hat. 


Vermasselt hat ihm das Virus allerdings sowohl eine Verabschiedungstour bei den Vereinen, als auch ein geplantes großes Abschiedsfest vor dem Rathaus am Mittwochnachmittag. „Bei den Stadträten habe ich mich mit einem persönlichen Brief verabschiedet, hier nicht persönlich Servus sagen zu können geht mir schon ab“. Das Ende von 21 Jahren als Bürgermeister verläuft also deutlich ruhiger als geplant. 

Von 21 Jahren als Bürgermeister bleiben zwei Kartons an privaten Erinnerungen und Fotos für Josef Flatscher.

„Vor Corona sagte meinte Vorzimmerdame noch, ich täte ihr leid weil ich bis Ende April keinen freien Abend mehr hätte“. Tatsächlich hatte Flatscher seit 13. März nur noch wenige Termine, zum Beispiel einen Kreisausschuss und zwei Notsitzungen des Stadtrates mit nur acht Stadträten. Eine große Sitzung wäre wegen der Vorgaben der Staatsregierung nicht mehr möglich gewesen, „es hieß, man solle alle Sitzungen so klein wie möglich zu halten“.

Badylon sofort geschlossen wegen Salzburger

Dass Flatscher schon eine Woche vor dem Shutdown in Bayern, also schon am Freitag, den 13. März, das Badylon schließen ließ hat mit den österreichischen Ausgangsbeschränkungen zu tun, die seit Montag, 16. März gelten. „Am 13. März hat Salzburg schon alle öffentlichen Einrichtungen wie eben das Hallenbad zugemacht, was wäre passiert? Die Leute wären dann alle zu uns gekommen“.

Dass er nach 21 Jahren im Bürgermeisteramt fast heimlich, still und leise gehen muss wurmt Flatscher schon ein wenig, „ähnlich wie beim Neujahrsempfang wollte ich am Mittwochnachmittag am Rathausplatz eine Abschiedsfeier für alle Mitarbeiter des Rathauses und Freilassinger machen, die kommen wollen“. Jetzt bleiben nur kleine Verabschiedungsrunden von den Mitarbeitern des Rathauses, „natürlich ohne Händeschütteln und mit Abstand werde ich mich von kleinen Gruppen im großen Rathaussaal verabschieden können“. 

Die Einladungen zur Abschiedsfeier wurden Anfang März bereits verschickt, auch nach Salzburg, eingeladen waren unter anderem Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Stadt- Bürgermeister Harry Preuner und viele andere.

„Hältst Du es noch aus mit Vater?“

Aber auch die letzten Wochen seiner Amtszeit sind viel ruhiger als gedacht, „ich bin seit Wochen schon am Abend immer zu Hause in Saaldorf- Surheim, dabei habe ich auch gehört, wie meine Tochter meine Frau gefragt hat, ‚Hältst Du es noch aus mit Vater?‘, die Antwort hat mir geschmeichelt“, so Flatscher verschmitzt lächelnd. So viel spazieren sei er seit Jahren nicht gewesen wie die letzten Wochen, das merke auch sein Hund, mit dem er sonst jeden Tag schon um 6 Uhr seine Runden dreht.

Übergabe an Hiebl am Donnerstag

Die Übergabe an seinen Nachfolger Markus Hiebl erfolgt offiziell am Donnerstagnachmittag, tatsächlich hat es seit der Wahl bereits einige persönliche Treffen und Übergaben gegeben. „Er ist ja auch kein Fremder im Rathaus, alle kennen ihn“, so Flatscher über Hiebl, der vor seinem Wechsel in das Landratsamt zwölf Jahre lang Bauamtsleiter der Stadt war. Gespräche über die Geschäftsordnung und die konstituierende Sitzung habe Hiebl schon alleine geführt, „da mische ich mich nicht mehr ein“.

„Werde mich raushalten“

Am Donnerstagnachmittag werde es noch ein Übergabe-Foto mit ihm und Markus Hiebl geben, dann werde er die Zugangs- Transponder für das Rathaus abgeben und nach Hause fahren. „Dann ist es endgültig vorbei“. Die Stadt Freilassing werde ihm auch nach dem Abschied am Herzen liegen, „aber ich werde mich natürlich heraushalten, auch wenn ich mir vielleicht manchmal auf die Zunge beißen muss“. Sein Nachfolger kenne sich in der Stadt gut aus, „er ist ein guter Mann und hat eine gute Mannschaft“. 

Ganz ohne Politik wird’s aber auch in Zukunft nicht gehen, Flatscher hat sich für seine Partei in den Kreistag wählen lassen, „da werde ich die Fahnen Freilassings selbstverständlich hoch halten“.

In einem Glasschrank im vorigen Jahr neu eingerichteten Büro sind zahlreiche Geschenke an den Bürgermeister, die er aber nicht alle mitnehmen will. „Es sind Großteils Geschenke an die Stadt, die lasse ich hier, nur kleine Präsente, die ich persönlich bekommen habe nehme ich mit, zum Beispiel einen Bierbecher vom jetzigen Österreichischen Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka“, auch zahlreiche Bilder hängt Flatscher ab, so zum Beispiel von einem Treffen 2016 mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck oder einem Besuch im Herbst 2015 bei Bundeskanzlerin Angela Merkel im Rahmen der Flüchtlingsbewegung.

Facebook-Profil wird abgemeldet

Am Donnerstag wird Flatscher, wie immer um 7 Uhr in der Früh, ein letztes Mal in sein Büro kommen, mittlerweile bereits mit seinem Privatwagen, „mein Dienstauto steht schon zum Service beim Unterberger, den wird dann Markus Hiebl übernehmen“. 

Sein Diensthandy und seine Telefonnummer gibt es dann auch nicht mehr, „natürlich habe ich mir auf meinem neuen, privaten Handy einige wichtige Nummern gespeichert“, verrät der Noch- Bürgermeister. Überraschend ist seine Ansage, dass der von seinen Mitarbeitern liebevoll als „Facebook-König“ bezeichnete Flatscher auch sein privates Facebook-Profil mit über 3000 Freunden löschen will, „es hat ja zum Großteil mit dem Bürgermeisteramt zu tun“. Mit einer guten Geschichte werde er sich auf Facebook verabschieden, ob er zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht mit einem neuen „Josef Flatscher“-Profil zurückkehrt lässt er offen.

„Jetzt kommen meine Frau und Kinder dran“

„Ich werde jetzt 64 Jahre, habe 48 Jahre meines Lebens gearbeitet, ein Großteil davon in Führungsaufgaben“, so Flatscher, und weiter: „Jetzt kommen meine Frau und meine Kinder dran“. Der Noch-Bürgermeister zeigt ein Bild mit seiner Frau und seinen damals jungen Kindern, das er vor 21 Jahren auf den Schreibtisch gestellt hat. Was man als Führungskraft in der Familie alles versäume ahne niemand, „alle sehen nur die tollen Dinge, aber der Job hat eine 80 bis 100-Stunden Arbeitswoche, das Wochenende begann bei mir meist am Sonntagmittag“.

Im zweiten Teil des letzten großen Interviews als Bürgermeisters lesen sie demnächst, wie sich Josef Flatscher an die großen Krisen der Stadt erinnert, vom Hochwasser 2013 über die Flüchtlingsbewegung 2015 bis zur aktuellen Corona-Krise und wie sein Verhältnis zu Salzburg ist.

hud

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