Fritz Braun hört nach 30 Jahren in Freilassing auf

Abschied als Stadtrat: "Die Auseinandersetzungen werden härter"

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Seit 30 Jahren ist Fritz Braun im Stadtrat, beruflich war er bei der Polizei, darunter als Kripo-Beamter bei der Grenzpolizei und in der Direktion Traunstein als Pressesprecher.

Freilassing - Nach 30 Jahren verabschiedet sich der der 70-jährige Fritz Braun von seinem Amt. Aber das bedeutet nicht das Ende seines politischen Engagements.

Alles begann 1990, als der damals 40-jährige Polizeibeamte Fritz Braun mit einem Schild in der Hand für eine Fußgängerzone in der Stadt demonstrierte, es war die Initialzündung für seine politische Karriere und seinen Einzug in den Stadtrat. Jetzt, 30 Jahre später, demonstriert er wieder mit einem Schild in der Hand, dieses Mal für ein Wohnprojekt am Krankenhaus, aber seine politische Zeit neigt sich dem Ende, denn der 70-Jährige tritt bei der Kommunalwahl nicht mehr an.


Politisch interessiert wird Braun bleiben und seine Meinung in Leserbriefen kundtun, „aber im Stadtrat sitzen möchte ich nicht mehr, die Auseinandersetzungen dort werden immer härter, nicht nur beim Thema Matulusstraße“.

Fünf Perioden lang war Braun im Stadtrat, genau seit 12. Mai 1990, jetzt soll Schluss sein, und das hat auch damit zu tun, dass er sich im vergangenen Jahr mit seiner politischen Heimat, den Freien Wählern, überwarf und seither als Fraktionsloses Mitglied im Stadtrat saß. Er hätte natürlich auch mit einer eigenen Liste wieder antreten können, aber nach 30 Jahren im Stadtratwill er das nicht mehr. In einem BGLand24- Exklusiv-Interview schwelgt er in Erinnerungen.


Die Stadtpolitik hätte ihn schon immer interessiert, im Rahmen der Grenzlandschau 1990 an der Rupertusstraße hätten Schülerinnen der Mädchenrealschule eine Umfrage zu einer damals geplanten, aber umstrittenen Fußgängerzone gestartet. Das Ergebnis: 56 Prozent wünschten sich eine echte, autofreie Hauptstraße. 

Die Stadt hatte zu diesem Zeitpunkt eine halbe Lösung mit dem Abtragen der Gehsteige vollzogen, „aber die Autos fuhren trotzdem weiter bis vor die Geschäfte, es waren untragbare Zustände“, erinnert sich Braun. „Die Mehrheit im Stadtrat war damals gegen eine echte Fußgängerzone, die Geschäftsleute sowieso“, ein Foto von Braun mit einem Schild für die Autofreie Hauptstraße in der Hand fand trotz Protest von außen den Weg in die Zeitung.

Eine echte Fußgängerzone wurde am Ende doch beschlossen und der heute 70-Jährige hatte Blut geleckt, zur Kommunalwahl 1990 hätten alle Parteien und Gruppen wie immer Kandidaten gesucht, zusammen mit dem Drogisten und späteren Tankstellenbesitzer Hermann Lichtenwald gründete er bei den Freien Wählern den „Arbeitskreis Politik , mit überschaubarer Zustimmung, „die damals alten Herren waren nicht begeistert was wir jungen Rebellen vorschlugen“. Auch die CSU hätte ihn zur Wahl 1990 gerne als Kandidat auf der Liste gehabt, „doch ich wollte auf keinen Fall in eine Partei und mich dem Diktat von oben beugen“. Dass von dieser Parteiräson innerhalb der CSU heute im Stadtrat oft wenig zu merken ist wundert Braun auch, „das hat sich vor allem in den vergangenen sechs Jahren stark geändert“.

„Finde einen parteifreien Bürgermeisterkandidaten toll“

Nicht viel geändert hat sich nach Ansicht Brauns im Wahlkampf, damals wie heute gehe es darum, Plakate zu kleben und Plakatständer aufzustellen, „jetzt sind halt die digitalen Medien dazugekommen, Daniel Längst ist da auf Facebook sehr stark“. Dessen Kandidatur findet Braun übrigens „sehr mutig“, denn eine Stadt führen zu wollen sei doch etwas anderes als einen Turnverein zu leiten. „Sehr interessant“ bewertet Braun die Kandidatur von Markus Hiebl, „er ist Parteifrei, wird aber von drei Parteien unterstützt“. Hiebl sei ein Fachmann, „er war ja langeL eiter des Bauamtesin der Stadt und ist nun Bauamtsleiter im Landratsamt“. Öffentlich einen Kandidaten unterstützen will der Fraktionslose Braun aber nicht.

Das Stadtgeschehen will erweiter beobachten und sich auch zu Wort melden, wenn nicht mehr im Stadtrat dann zumindest in Form von Leserbriefen. Dankbarkeit von Bürgern für sein 30-jähriges Engagement erwartet Fritz Braun nicht, aber in der Politik ist Dankbarkeit ohnehin keine vorherrschende Charaktereigenschaft.

hud

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