Zwei Gedenktafeln - zwei Wege, damit umzugehen

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Bürgermeister Feil und der Generalkonsul von Peru Ernesto Pinto-Bazurco Rittler am Montag vor dem Schloss Laufen.
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Laufen/Freilassing - Beim Gedenken an den 70. Jahrestag des Kriegsendes zeigt der Landkreis zwei Gesichter: Während in Freilassing eine Debatte entflammt, bleibt man in Laufen bedacht.

In Freilassing wurde ein abgestürzter US-Pilot vom Bürgermeister selbst hingerichtet, in Laufen war das Schloss voll mit zivilen Gefangenen. Der Zweite Weltkrieg ließ auch den Rupertiwinkel nicht mit weißer Weste zurück. 70 Jahre nach Kriegsende sollen nun Erinnerungstafeln an diese Verbrechen erinnern. Jedoch wird in beiden Städten ziemlich unterschiedlich damit umgegangen.

Am Montag begrüßte Bürgermeister Hans Feil den Generalkonsul von Peru Ernesto Pinto-Bazurco Rittler am Schloss Laufen. "Es weiß kaum jemand, dass das hier ein Gefangenenlager war", so Feil. Einer der Gefangenen in den Jahren von 1942 bis 1945: Der Vater des peruanischen Generalkonsuls. Er kam während der frühen 1930er Jahre nach Deutschland, arbeitete für BASF. Als sein Heimatland aber Deutschland den Krieg erklärte, wurde er im Schloss interniert.

Über 600 Gefangene im Schloss Laufen

Das Schloss diente zuerst als Gefangenenlager für polnische und britische Offiziere, später für allem für Zivilisten - über 600 Menschen machten damals unschöne Bekanntschaft mit dem Schloss: "Vor allem Menschen von den britischen Kanalinseln Guernsey und Jersey. Jeder kennt dort den Namen Laufen", so Hans Feil. Mindestens acht Menschen kamen an der Salzach hinter Gittern ums Leben.

Ein ähnlicher Fall beschäftigte jüngst Freilassing: Kurz vor Kriegsende wurde dort der US-amerikanische Pilot Chester E. Coggeshall verwundet abgeschossen. Was mit ihm zu tun sei war damals schnell entschieden: Hinrichtung. Es war der damalige Freilassinger Bürgermeister August Kobus, der am 16. April 1945 zwei Mal abdrückte und Coggeshall tötete. Genau 70 Jahre später wurde für ihn eine Gedenktafel auf dem Salzburghofer Friedhof eingeweiht.

Unterschiedliche politische Kulturen in Laufen und Freilassing?

Die Gedenktafel am Freilassinger Friedhof Salzburghofen. Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.

Doch wie mit dem Gedenken umgegangen wird verrät manches über die politische Kultur in beiden Städten. In Laufen gab es keine Widerstände: Vor rund zwei Wochen wandte sich der peruanische Generalkonsul mit seiner Idee an Hans Feil. Die Zeit drängte, das Thema konnte im Stadtrat nicht mehr aufgegriffen werden - doch die Fraktionen wussten bescheid. Wenn die Tafel am heutigen Dienstag schließlich angebracht ist, wird dies ohne große Aufregung über die Bühne gehen. Feil wird wohl froh darum sein, in Freilassing löste die Gedenktafel für den US-Piloten eine große Debatte aus.

"Nach 70 Jahren muss mal Ruhe über die Vergangenheit", wurde bei der Stadtratsdebatte in Freilassing beispielsweise gepoltert. Drei Gegenstimmen kassierte die Gedenktafel auf dem Friedhof: "Der Pilot gehörte zur Air Force und trug dazu bei, dass Freilassinger starben", so Fritz Braun von der FWG/Heimatliste weiter. Unwidersprochen blieb er natürlich nicht. Braun und seine vier Fraktionskollegen boykottierten dann kurzerhand auch die Einweihungsfeier am Friedhof.

User-Kommentare und Leserbrief

Viele unserer User gaben der FWG/Heimatliste im Kommentarbereich recht: "Ich frag mich ob in England Gedenktafeln für deutsche Piloten hängen, die von der aufgebrachten Bevölkerung gelyncht wurden", fragte beispielsweise "Charon". Manche mutmaßten, ob in Freilassing nicht von aktuellen Problemen abgelenkt werden solle. Auch ein Leserbrief erreichte uns zu dem emotionalen Thema: "Scheinheilige Heuchler" werden die FWG/Heimatlisten-Politiker darin genannt. "Die FWG wollte im Stadtrat, dass das Kriegerdenkmal einen würdigen Standplatz in der Innenstadt bekommt. Das würde zur Lebendigkeit der Stadt beitragen, da es ein Stück altes Freilassing greifbar macht, so begründete Sprecher Florian Löw den Antrag. Ebenfalls 70 Jahre nach dem letzten Krieg will die FWG ,unserer Helden' würdig gedenken."

Ob es wenige Kilometer nördlich, in Laufen, auch zu solchen Turbulenzen kommen wird? Kaum anzunehmen. "Zum Gedenken und Versöhnen" sei die Tafel am Schloss gedacht, merkte am Montag Bürgermeister Feil an. Zumindest an der Salzachschleife scheint dies ohne aufgeheizte Debatten noch möglich zu sein.

xe

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