CSU will nicht 1,5 Millionen Euro für provisorische Schule ausgeben

Flatscher: „Im Wahlkampf kommt Sinnvolles unter die Räder“

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Auf dem Vorplatz der Grundschule sollte eine provisorische Schule mit sieben Räumen entstehen.

Freilassing - Die Schüler im Ortsteil Salzburghofen sollen zum nächsten Schuljahr in eine provisorische Schule auf den großen Platz vor der Grundschule in Freilassing umziehen. CSU-Stadtrat Wolfgang Krämer fand die Kosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro zu viel.

Für 1,5 Millionen Euro will die Stadt auf dem Vorplatz der Grundschule am Georg-Wrede-Platz eine provisorische Grundschule mit acht Räumen bauen, in Modulbauweise, „bitte nicht mit Containern verwechseln“, so Bürgermeister Josef Flatscher.


Mit der „Interimslösung“ sollen die vier Klassen im Stadtteil Salzburghofen aufgefangen werden

, nächstes Jahr sollte eine Klasse im Provisorium einziehen, doch die Stadt hatte ihre Pläne offensichtlich ohne CSU- Stadtrat Wolfgang Krämer gemacht. Der fand 1,5 Millionen für drei Klassen und vier weitere Räume einfach zu viel, „ich verstehe die Not und den Zeitdruck nicht“.


Dass vier Klassen von Salzburghofen in das zentrale Schulgebäude zurückkommen und man auch wegen der steigenden Schülerzahlen neue Räume bräuchte, steht eigentlich schon seit 2019 fest, auch auf ein Provisorium hatte man sich im Grundsatz schon geeinigt. Am Montagabend, den 27. Januar, lagen dann die konkreten Pläne und der Kostenvoranschlag auf dem Tisch, nicht nur zu viel Geld für Krämer, „warum brauchen wir überhaupt sieben Räume wenn in den nächsten Jahren nur drei zusätzliche Klassenzimmer nötig sind?“. Könne man die Schüler nicht noch zwei, drei Jahre in Salzburghofen lassen fragte er, „40 Jahre oder noch länger sind sie dort gewesen“, die Argumente von Rektor Helmut Mayer für das „Aus“ in Salzburghofen hatte Krämer offensichtlich vergessen. Er blieb dabei, man könne auch noch einige Jahre warten, bis der ohnehin geplante Erweiterungsbau der Grundschule neben der Mittelschule dann fertig sei.

„Wohl der Kinder“ oder sparen?

Selbst sein Fraktionskollege, Bürgermeister Josef Flatscher, konnte die Krämerschen Einwände nicht nachvollziehen. „Dass die Schulen zusammengeführt werden, haben wir doch ausführlichst diskutiert, es geht um das Wohl der Kinder, mit der Interimslösung, also dem Modulbau, können wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“. Wenn jetzt alles rückgängig gemacht würde, hätte sich zudem die Stadtverwaltung die ganze Arbeit „für nichts“ gemacht. Bettina Oestreich von den Freien Wählern rechnete zwischendurch nach und meinte, nachdem zwei Klassen für die Mittelschule in Modulbauweise rund 800.000 Euro gekostet hätten, wären 1,5 Mio. Euro für insgesamt sieben neue Räume nicht mehr so teuer. Flatscher wirkte fast ein wenig frustriert, als er meinte, für Kommunalpolitiker und Bürgermeister gebe es nichts Schlimmeres als ein Kommunalwahlkampf, „da kommt jedes Mal viel Sinnvolles unter die Räder“.

Während Edeltraud Rilling von den Grünen noch nachhakte, warum der Krämer-Vorschlag nicht schon in die Beratungen im Finanzausschuss eingeflossen sei und der in der Sitzung ungewohnt wortkarge Wolfgang Hartmann, ebenfalls Grüne, meinte, wenn man die Schulklassen in Salzburghofen ließe, hätte man wieder keinen Platz für Kleinkinder und den geplanten Kindergarten, reifte der Beschluss, man möge die Entscheidung über den 1,5 Millionen-Bau erstmal von der Tagesordnung absetzen und beim Freistaat nachfragen, ob und wie viel er für das Provisorium mitzuzahlen gedenke. Einstimmig wurde die Entscheidung dann tatsächlich von der Tagesordnung genommen.

hud

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