Oestreich: „Österreich soll Verantwortung übernehmen“

Fluglärm-Streit ohne Fluglärm: FPÖ schaltet sich in Diskussion ein

Landeanflug auf den Flughafen Salzburg-Maxglan von Süden kommend
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Starts in Richtung Süden und – wie im Bild- Landungen von Süden kommend sind am Stadtflughafen eher die Ausnahme, laut offiziellen Zahlen starten und landen über 90 Prozent der kommerziellen Flüge über Norden, also über Freilassing.

Salzburg/Freilassing - Trotz der aktuell wenigen Starts und Landungen am Flughafen Salzburg-Maxglan kehrt im Fluglärm-Streit keine Ruhe ein. Nun haben sich die österreichische FPÖ und Bettina Oestreich als Sprecherin der Fluglärm-Gegner in Freilassing zu Wort gemeldet.

Von Michael Hudelist


Obwohl derzeit wegen der zahlreichen Corona-Reisebeschränkungen auch am Flughafen in Salzburg-Maxglan kaum Flugzeuge starten und landen und demzufolge kaum Fluglärm zu hören ist, wird hinter den Kulissen über ein Pistennutzungskonzept weiterverhandelt, das am Ende den Norden, also Freilassing, vom Fluglärm entlasten soll und den Süden der Stadt Salzburg mehr belasten wird. Die FPÖ im Salzburger Landtag will das nicht und wirft dem Landeshauptmann und seinem Vize vor, „sich von Bayern in die Knie zwingen zu lassen“. Die Sprecherin der Fluglärmgegner in Freilassing sagt: „Österreich muss endlich die Verantwortung für den Flughafen übernehmen oder diesen verlegen“.

Auch wenn derzeit die Starts und Landungen am Stadtflughafen nicht einmal ein Drittel der Vor- Corona-Zeit erreichen und selbst Freilassings Altbürgermeister Josef Flatscher zum Thema Fluglärm während des Lockdowns meinte, er würde sich derzeit wünschen, dass überhaupt wieder Flugzeuge fliegen würden, wird hinter den Kulissen über ein Pistennutzungskonzept weiterverhandelt. Dieses war von Experten bereits vor vier Jahren in einer technischen Kommission ausgearbeitet worden, die von den Verkehrsministerien in Berlin und Wien eingesetzt worden war um drohende Flugbeschränkungen auf deutschem Gebiet mit einer Durchführungsverordnung abzuwenden.


Die rechtspopulistische FPÖ im Salzburger Landtag sieht bereits jetzt eine „weitere Schlechterstellung“ für Salzburg, tatsächlich werden seit Jahrzehnten über 90 Prozent der Starts und Landungen über Freilassing. abgewickelt, eine „gerechtere“ Aufteilung des Fluglärms würde naturgemäß zu mehr Lärm im Süden der Stadt Salzburg führen. Nach dem „Aus“ für die nationale Flugverbindung zwischen Wien und Salzburg, spricht die FPÖ von einem weiteren „Debakel“ für die Landeshauptmann-Partei ÖVP, denn laut Insiderinformationen werde derzeit von Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl das Pistennutzungskonzept des Salzburger Flughafens hinter verschlossenen Türen mit Bayern verhandelt. Der konkrete Vorwurf von FPÖ-Landtagsabgeordnetem Hermann Stöllner: „Anscheinend lässt sich die ÖVP von Bayern in die Knie zwingen und wird mehr Starts und Landungen vom Süden zustimmen, diese erhebliche Mehrbelastung für Salzburgs Süden werden wir sicher nicht so einfach hinnehmen“. Er lehnt das von Österreich und Deutschland ausgearbeitete Pistennutzungskonzept ab und fordert Haslauer und Stöckl auf, „den Flughafen nicht ein weiteres Mal zu verraten“.

Nach Auskunft eine Sprechers von Christian Stöckl gibt es derzeit keine Verhandlungen, mangels Flugbewegungen seien derzeit die Werte eines neuen Pistennutzungskonzeptes auch nicht vergleichbar. „Die Aussagen der FPÖ sind substanzlose Gerüchte und nicht nachvollziehbar“, so der Sprecher gegenüber BGLand24.de, gleichwohl sei man an einer einvernehmlichen Lösung mit Bayern nach wie vor interessiert.

Österreich will Durchführungsverordnung?

Bettina Oestreich als Sprecherin der Fluglärm-Gegner in Freilassing erinnert gegenüber BGLand24.de daran, dass das Pistennutzungskonzept vom technischen Ausschuss der beiden Länder einvernehmlich ausgearbeitet wurde mit dem Ziel, die Flugbewegungen über Freilassing deutlich zu reduzieren. Seit Dezember 2016 sei das Konzept fertig, seit dem Sommerflugplan 2017 sollte es umgesetzt werden. Das österreichische Verkehrsministerium wollte allerdings bis zum 31. März dieses Jahres einen neuen Ansatz einbringen, „bis heute liegt aber nichts vor“, so Oestreich. Sie glaubt, dass Österreich statt dem Konzept nun eine Durchführungsverordnung anstrebt, der die An- und Abflüge klar regelt. „Das ist genau das was wir auch wollen“.

Die FPÖ-Kritik weist Oestreich zurück, der Flughafen Salzburg beanspruche als Grenzflughafen für seinen Betrieb weite Bereiche von bayerischem Gebiet, es sei somit keine rein österreichische Angelegenheit. Zudem scheint Herr Stöllner keinen Dialog mit den Nachbarn zu wollen, mit seinen Aussagen verschärfe er eher den Fluglärm-Streit zwischen Österreich und Deutschland. „Die Österreicher sollen endlich Ihre Verantwortung für den Flughafen selbst tragen oder diesen verlegen. Ich kann nicht nur das Geld einfahren und die Konsequenzen daraus sind mir egal“, so Oestreich abschließend.

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