Was heißt wachstumsorientiert?

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Freilassing - Groß war sie angekündigt, die Sondersitzung des Freilassinger Stadtrates zum Stadtentwicklungskonzept.

Die ersten Konzeptentwürfe wurden dem Stadtrat im Dezember vorgestellt. Nach eingehender Studie der zugehörigen Planskizzen und Arbeitsunterlagen aus den Bereichen Verkehr, Energie, Stadtgestalt, Wirtschaft und Wohnen wollte das Gremium entscheiden, wie es weitergeht. Diskutiert wurden am Montagabend acht wesentliche Ziele, die die Lenkungsgruppe von gemeinsam.gestalten formuliert hat.

  1. Positionierung der Stadt Freilassing als Wohn- und Arbeitsplatzsschwerpunkt
  2. Lebenswerte und wachstumsorientierte Entwicklung mit der Koppelung von Gewerbe- und Wohnbauflächen
  3. Verdichtete Wohnformen und Schaffung von Wohnraum für Alle
  4. Sozialgerechte Bodennutzung
  5. Gewerbeentwicklung im nördlichen und südlichen Stadtgebiet an vorhandenen Verkehrsachsen
  6. Verkehrsminimierende Siedlungsentwicklung
  7. Freihalten der bedeutsamen Landschaftsräume
  8. Freilassing will bis 2030 einen angemessenen Beitrag zur Energiewende in der Region BGL leisten und daher Einspar- und Effizienzpotentiale entsprechend dem Leitsatz der Arbeitsgruppe Energie (Protokoll BAUM Consult) nutzen.

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Vor allem das Wort 'wachstumsorientiert' sorgte für reichlich Diskussionen bei den Stadträten. Grünen-Stadträtin Elisabeth Hagenauer warf die Frage in den Raum "Was tut der Stadt Freilassing gut?" Wachstumsorientiert bedeute ja nicht unbegrenztes Wachstum, so Roland Richter von der CSU. "Wir wollen unseren Status Quo halten und ausbauen." Für Bernhard Schmähl von Pro Freilassing signalisiere der Begriff Wachstum aber Wachstum um des Wachstums willen. Er würde den Ausdruck bedarfsorientiert vorziehen. "Wachstum geht immer nach oben, Entwicklung geht mal nach oben, mal nach unten,..." CSU-Stadträtin Barbara Utzmeier beteuerte: "Wachstumsorientiert sollten wir nicht als Schreckgespenst sehen, sondern es mit lebenswert koppeln." So sähen nämlich die Ziele der Lenkungsgruppe aus. Freilassing als Wohn- und Arbeitsstadt mit neuen Baugebieten und Gewerbeflächen attraktiv zu halten.

Gerade die Ausweisung von Wohngebieten solle bedarfsorientiert sein, erklärte der Fachplaner für Wirtschaft und Wohnen, Robert Leiner. Es solle die Möglichkeit von Einfamilienhäusern, Doppel- und Reihenhäusern, sowie Mehrfamilienhäusern geschaffen werden. Wohnfläche gebe es in Freilassing genug, gab der Fachplaner für Freiraum und Landschaft, Hermann Brenner, zu bedenken. Schwieriger werde es bei Gewerbeflächen, vor allem wenn man mögliche 'Tabuflächen' ausschließe.

Grundsätzlich sei die Überlegung, so Stadtplaner Manfred Brennecke, den Grund und Boden sozialgerecht zu nutzen. Das würde für die Eigentümer eines für Gewerbe oder Wohnbau geeigneten landwirtschaftlichen Grundstücks bedeuten, dass sie durch die Umwidmung ihres Grundstücks eine enorme Wertsteigerung hätten. Brennecke empfahl dem Gremium, sich noch vor der Umwidmung mit den Grundstücksbesitzern vertraglich zu einigen, dass die Stadt an der Wertsteigerung beteiligt werde, da sie ja für die Erschließung, die soziale Infrastruktur und den sozialen Wohnungsbau verantwortlich seien.

Betroffen von möglicher Gewerbebebauung sind aus Sicht der Planer vor allem die Gebiete an den vorhandenen Verkehrsachsen im Norden und Süden der Stadt. Sie raten davon ab, westlich der Bahnlinie Gewerbe anzusiedeln. Die Wohnbebauung soll dagegen dezentral ausgewiesen werden, also an Flächen, die die täglichen Wege auch mit dem Fahrrad, zu Fuß oder dem ÖPNV zulassen würden. "Mehr Wohngebiete sollen den Verkehr an einer Stelle ja nicht deutlich erhöhen, sondern ihn ausgewogen verteilen." Als 'Tabuflächen' sieht Brenner die Auflächen zwischen der B20 und der Salzach an, sowie die an der Sur. Der Eichetwald ist nur zum Teil enthalten, was nicht nur einigen Stadträten nicht passt. Der Bund Naturschutz übte deutliche Kritik: "Statt Wald für Gewerbeflächen zu roden, sollte alles daran gesetzt werden, mit den Nachbargemeinden ein interkommunales Gewerbegebiet zu realisieren." Dem stimmte Brennecke zu. Die Möglichkeiten seien sowohl im Norden mit Ainring, als auch im Süden mit Saaldorf-Surheim durchaus gegeben.

In Sachen Energie war man sich einig, bis 2030 zuerst konsequent und substantiell den Verbrauch zu reduzieren und dann den Bedarf an Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien aus der Stadt abzudecken. Der Bedarf an Wärme sollte zu 10 Prozent aus der Stadt und zu 90 Prozent aus der Region abgedeckt werden.

Der fast einstimmige Beschluss dieser acht Punkte sei ein wichtiger Schritt weiter in Richtung Stadtentwicklungskonzept, schloß Bürgermeister Josef Flatscher die Sondersitzung. Jetzt gehe es darum, diese Punkte mit Leben zu füllen.

cz

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