Architekt lehnt Sichtschutz ab 

„Freie Sicht“ in das Badylon Freilassing und das Paracelsusbad

Passanten im Kurgarten fiel auf, dass die Badegäste im Paracelsusbad speziell am Abend (zu) gut zu sehen sind.
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Passanten im Kurgarten fiel auf, dass die Badegäste im Paracelsusbad speziell am Abend (zu) gut zu sehen sind.

Salzburg/Freilassing - Beschwerden über eine „freie Einsicht“ in die Umkleidekabinen des neuen Paracelsusbades haben zumindest in Salzburg zu einer Diskussion geführt, ob Badegäste vor Blicken von außen abgeschirmt werden müssten.

„Kinder und Frauen vor unzulässigen Blicken zu schützen kann doch nicht so schwer sein“, so eine SPÖ-Gemeinderätin. Auch in Freilassing kann man in das neue Badylon von der höher gelegenen Laufenerstraße ungestört hineinsehen, Beschwerden hat es aber nach Auskunft der Stadt noch keine gegeben, auch wenn eine Mutter auf einer Facebook-Seite schreibt, unter Müttern wäre diese freie Einsicht sehr wohl schon ein Thema gewesen.


In Salzburg führen Gehwege im Kurgarten direkt am Paracelsusbad mit seinen großen Glasfronten vorbei, vor allem jetzt im Winter kann man von außen schon ab Einbruch der Dunkelheit nicht nur die Badegäste in die Becken springen sehen, sondern auch Besucher in den Umkleidebereichen, also außerhalb der eigentlichen Kabinen.

Mehrere Politikerinnen forderten deshalb umgehend einen Sichtschutz, auch um Kinder zu schützen, „noch dazu in einer Zeit, wo man mit jedem Handy Fotos und Videos machen und diese sofort veröffentlichen kann“, so Niki Solarz, SPÖ-Gemeinderätin. Der zuständige Architekt Alfred Berger ist allerdings gegen einen Sichtschutz, der Umkleidebereich sei kein Nacktbereich, der geschützt werden müsse, und in die Kabinen könne ohnehin niemand hineinsehen.


Glasflächen als Einladung zum „Reinkommen“

Im Badylon gibt es entsprechende Beschwerden nach Auskunft der Stadtverwaltung nicht, auf einer öffentlichen Facebookseite schreibt eine Mutter allerdings, dass die freie Einsicht bei Eltern sehr wohl ein Thema sei, „bisher ist man noch so ungläubig verwundert, dass man das noch gar nicht wirklich angesprochen hat“.

Markus Hiebl als ehemaliger Bauamtsleiter der Stadt und damit auch mit zuständig für die Planungen erinnert sich, dass das Preisgericht die großen Glasflächen positiv bewertet habe, das Leben im Gebäude werde dadurch nach außen präsent und lade zum Reinkommen ein.

Das Badylon in Freilassing

Im Rahmen der Planung habe ein Büro alle sicherheitsrelevanten Themen kritisch hinterfragt, „dabei haben wir vor allem im Bereich der Umkleiden darauf geachtet, die jetzt vorhandene hohe Brüstung errichten zu lassen, damit der Bereich der Umkleiden und Fönbereiche an den Sammel- und Einzelumkleiden nicht zu sehr einsehbar ist“, so Hiebl.

Andere Bereiche wie eben die Schwimmbecken seien kein Thema gewesen. Man sei sich auch einig gewesen, dass Badegäste, die sich an der Einsicht stören würden Bereiche aufsuchen können, die nicht zu sehr einsehbar seien wie zum Beispiel die Ruhegalerie. „Der Kleinkindbereich ist bewusst etwas mehr nach ‚Innen‘ orientiert“, so Hiebl.

„Subjektiv kann man sich beobachtet fühlen“

Der frühere Bauamtsleiter der Stadt sieht es „persönlich positiv, wenn man von innen nach außen blicken kann, aber natürlich kann man sich subjektiv betrachtet beobachtet fühlen“, aber dies sei auch im Freibad oder im Fitnessstudio so.

„Sollte der Einblick so viele Probleme bereiten, dann könnte man eine sogenannte Milchglasfolie nachträglich anbringen“, Anregungen in diese Richtung könnten alle Besucher in einem Kummerkasten im Badylon deponieren, „diese Anregungen werden regelmäßig ausgewertet und zur Diskussion bei den Verantwortlichen vorgebracht“. Einen Zaun an der Laufenerstraße kann sich Hiebl allerdings nicht vorstellen, „ein Zaun stellt für mich immer eine Barriere dar, den würde ich nicht bauen lassen“.

hud

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