Kinderkrippe in Freilassing eingeweiht

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Freilassing - Photovoltaik und Klimadecken: Energetisch ist die städtische Kinderkrippe sehr gut gerüstet. Davon konnten sich alle beim Tag der offenen Tür überzeugen.

Seit dem 16. September besuchen die ersten Kinder die Räume der städtischen Kinderkrippe an der Augustiner Straße neben dem Rathaus.

„Im Mittelpunkt unserer täglichen Arbeit steht das aktive, forschende und entdeckende Kind mit seinen Eltern. Wir stehen dabei als Wegbegleiter und Impulsgeber zur Seite“, erläutert Mirjam Aschauer, Leiterin der Kinderkrippe. Damit die Kinder ihrem Forscherdrang folgen können, stehen unterschiedliche Spiel- und Bewegungsmaterialien zur Verfügung.

So kann zum Beispiel im Gruppenraum mit Alltagsgegenständen, Spielen zur Sinneswahrnehmung oder Naturmaterialien ausgiebig gespielt und entdeckt werden. Dabei wird großer Wert darauf gelegt, dass die Kinder ihrem eigenem Rhythmus nachgehen können. Jeder bekommt die Zeit, die er braucht, um seine neuen Erfahrungen zu hinterfragen oder zu festigen.

Um weitere soziale Kontakte knüpfen zu können, dürfen die Kinder neben dem Gruppenraum auch täglich die Turnhalle und den Gangbereich für Ihr Spiel nutzen. Damit die Natur und die einzelnen Jahreszeiten gespürt werden können, wird so oft wie möglich in den eigenen Garten zum Spielen gegangen.

Den Erzieherinnen liegt es zudem sehr am Herzen, das selbstständige Handeln und Tun der Kinder zu unterstützen beziehungsweise zu stärken. Für die pädagogischen Fachkräfte ist natürlich die Zusammenarbeit mit den Eltern unabdingbar.

Die Leiterin Mirjam Aschauer, drei weitere Erzieherinnen und vier Kinderpflegerinnen wenden das Konzept der Reggio-Pädagogik an, das von einem aktiven und neugierigen Kind ausgeht, das von sich aus lernen möchte. Ein anderer Gesichtspunkt ist die Raumgestaltung, der Raum wird dabei als „dritter Erzieher“ bezeichnet. Eine kindgerechte Umgebung soll die Lernneugierde wecken und einen Bewegungsreiz bieten, aber auch ein Gefühl der Geborgenheit vermitteln. Mit Hilfe der Kinder sollen sich die Wände zunehmend in „sprechende Wände“ verwandeln. Dies bedeutet, dass Projekte durch Fotos, Zeichnungen und Bastelarbeiten der Kinder an Lebendigkeit gewinnen.

Das Krippengebäude

Die Stadt Freilassing baute direkt neben dem Rathaus für rund zwei Millionen Euro eine Kinderkrippe als umweltfreundliches Plus-Energie-Haus. Es produziert über die Photovoltaikanlage mehr Strom, als es benötigt. Die Kinderkrippe ist ausgelegt für drei Gruppen mit insgesamt 42 Kindern im Alter von 0 bis drei Jahren.

Mit der Kinderkrippe legt die Stadt die Messlatte für ein herausragendes energetisches Gebäude erneut höher. Wie bei der vom Bundesumweltministerium ausgezeichneten sanierten Mittelschule – das Preisgeld floss zum Teil in den Neubau der Kinderkrippe – sind die Freilassinger Architekten Fred Meier und Bernhard Putzhammer die gestaltenden Köpfe. Die Photovoltaikanlage erzeugt Strom aus Licht beziehungsweise aus der Sonne; die Wärme holt sich das Gebäude aus 150 Metern Tiefe.

An dem Standort herrschen ideale Bedingungen, weil das Haus in Längsrichtung nach Süden ausgerichtet ist. Auf der riesigen Dachfläche ist eine Photovoltaikanlage mit 45 Kilowatt Peak installiert. Rein rechnerisch erwirtschaftet die Anlage übers Jahr 30 Prozent mehr Strom als das Gebäude benötigt. Die Werte schwanken natürlich je nach Wetter.

Der erzeugte Strom speist alle Geräte und Anlagen, so auch zum Beispiel die Wärmepumpe und das Licht. Ein Speicher in Form einer Batterie kann nachgerüstet werden. Momentan verzichtet die Stadt darauf, weil die Technologie derzeit noch ausgesprochen teuer und nicht ausgereift ist.

Die Qualität der Gebäudehülle hat Passivhausstandard. Der Unterschied zum Passivhaus besteht darin, dass nicht Luft die Kinderkrippe temperiert, sondern Heizflächen. Die Nebenräume sind mit einer Fußbodenheizung ausgestattet, welche von der Wärmepumpe betrieben wird.

In den Gruppenräumen und dem Mehrzweckraum befinden sich so genannte Klimadecken aus Stahlbeton, die Fred Meier als „eierlegende Wollmilchsau“ bezeichnet. Sie schützen gegen Lärm von außen. Absorptionskörper aus geschäumtem Altglasgranulat sorgen für eine gute Akustik. Außerdem heizt oder kühlt die Spezialdecke über Deckenstrahler, und zwar vollautomatisch. „Im Prinzip ist das wie eine Fußbodenheizung an der Decke“, erklärt Architekt Meier. Das Wasser, das durchfließt, ist entweder warm oder kalt. Die Wärme holt sich das Wasser über einen Wärmetauscher von einem Kühlmittel. Dieses heizt sich über einen Kreislauf in 150 Metern tief gebohrten Lanzen von der Erdwärme auf, gibt oben die Wärme ans Wasser ab.

„Das Gebäude ist eine Steigerung zur Mittelschule, weil es nicht nur seinen gesamten Energiebedarf selbst deckt,“ freut sich Bürgermeister Josef Flatscher, „sondern auch noch Überschuss produziert.“ In 30 Jahren können über die umweltfreundliche Energieerzeugung rund 634 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.

Tag der offenen Tür am 11. Oktober

„Sollten Sie neugierig auf unsere Kinderkrippe geworden sein, so haben Sie die Möglichkeit, die Räumlichkeiten beim ‚Tag der offenen Tür‘ am Freitag, 11.Oktober, von 14 bis 17 Uhr zu erkunden,“ lädt Bürgermeister Josef Flatscher die Freilassinger Bevölkerung sehr herzlich ein.

Für Fragen rund um das Thema „Kinderkrippe“ stehen die pädagogischen Fachkräfte gerne zur Verfügung. Auf die „kleinen Besucher“ wartet ein buntes Rahmenprogramm und bei Kaffee und Kuchen kann man den Nachmittag ausklingen lassen.

Pressebericht Stadt Freilassing

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Zurück zur Übersicht: Rupertiwinkel

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser