Gewitter und Beifall für Aiwanger

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(von links nach rechts) Annelie Gromoll, Dr. Hubert Seisinger, Brigitte Rudholzer, Michael Koller, Christian Hanika, Hubert Aiwanger, Franz Schießl

Freilassing - Hubert Aiwanger prangerte bei Blitz und Donner im Festzelt die Abhängigkeit von Konzernen an. Auch das Schulsystem blieb nicht verschont.

Der Bundes- und Landesvorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, kam am Pfingstmontag trotz Wolkenbrüche und Gewitter ins gut besuchte Festzelt und zeigte dort seine Ziele zu den bevorstehenden Landtags- und Bundestagswahlen auf. Vorher begrüßte Bert Enzinger als Ortsvorsitzender die Zuhörer und Michael Koller stellte seine regionalen Mitstreiter zu den Wahlen vor. Anschließend richteten Christian Hanika als FW-Erstkandidat für den Bund und Hubert Aiwanger als Spitzenmann für das Land Bayern ihre Worte an die Besucher. Und diese sparten nicht mit Beifall für das Gehörte und so manches zustimmende Nicken war zu sehen.

Eiligen Schrittes kamen sie von der zuvor abgehaltenen Pressekonferenz, in der sie bereits den Medienvertretern Rede und Antwort gestanden hatten. Und so stürmisch, wie sich das Wetter präsentierte, ging es dann auf der Bühne weiter. Eingestimmt wurden die Anwesenden von der Stadtkapelle Freilassing, die die Veranstaltung musikalisch umrahmte. „Politik findet unter Menschen statt, denen zugehört und mit denen gesprochen werden muss.“, stellte einleitend Bert Enzinger fest. Und zur Verwandtenaffäre in Bayern ließ er wissen, dass „der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer besser seine Frau für sich angestellt hätte, dann müsste er heute keine Alimente bezahlen“. Zu guter Letzt betonte er, dass er sich freue, heute Hubert Aiwanger im Festzelt in Freilassing begrüßen zu können. „Dieser werde sicher einiges in dem Politikgeschehen klarstellen.“, betonte er.

Dem Ortsvorsitzenden folgte der Spitzenkandidat zur Landtagswahl, Michael Koller, am Rednerpult. Der in Berchtesgaden lebende und als Berufschullehrer in Freilassing tätige gelernte Schreiner warb dafür, dass die Abgeordneten der Freien Wähler in Bayern zahlenmäßig zunehmen müssten. „Denn wir wollen, dass die Kommunen in ihrem Mitspracherecht gestärkt werden und der Mensch im Mittelpunkt unseres Handelns steht.“ Das Geld müsse bei denen ankommen, die es wirklich benötigen. Im Rahmen der Schulpolitik wolle er, dass weniger Theorie und dafür mehr Lebensnähe unterrichtet werde. „Die Freien Wähler werden ein Volksbegehren zur Wiedereinführung des neunklassigen Gymnasiums starten; denn das jetzige System habe sich nicht bewährt und die Staatsregierung sträube sich gegen eine Änderung.“, gab Koller bekannt. Der ländliche Raum müsse gestärkt und eine dezentrale Energieversorgung angestrebt werden. „Es kann nicht sein, dass bereits 75 % aller Biogasanlagen in den Händen von Großkonzernen sind.“, wetterte Koller. Wichtig seien ihm drei Säulen in der Politik: ökologisch ausgeglichen, ökonomisch sinnvoll und sozial verträglich. Ein angestrebtes Wachstum müsse in Maßen betrieben werden. „Deshalb fordere ich alle auf, am 15. September dieses Jahres die 15 auf der Liste der Freien Wähler anzukreuzen.“

Abschließend stellte Michael Koller seine Mitstreiterin zum Bezirkstag, die in Laufen als Stadträtin tätige Brigitte Rudholzer, vor, die auf Platz 16 der Liste der Freien Wähler steht. Auch Annelie Gromoll aus Inzell (Platz 22) und Dr. Lothar Seisinger aus Siegsdorf (Platz 7), die für den Traunsteiner Stimmbezirk zum Bezirkstag bzw. Landtag kandieren, bezog Koller in die Vorstellungsrunde ein. Nunmehr sprach Christian Hanika als Spitzenkandidat der Freien Wähler zur Bundestagswahl. Er stieg auch gleich in gesamtdeutsche und europäische Themen ein. „Sind sie sich bewusst, dass der Bund mit 190 Milliarden Euro für die angeschlagenen Länder in Europa haftet.“. verdeutlichte Hanika. „Wir sind für die EU, wollen sie aber nicht künstlich am Leben erhalten.“ Als weiteres Thema griff er die Lohnuntergrenzen und die Leiharbeiterproblematik auf. „Die Arbeit muss zum Leben lohnen und die Existenz des Menschen muss gesichert sein.“, bezeichnete Hanika als Grundvoraussetzung. Die Mietpreise vor allem in Großstädten wie München, aber auch in Grenzrandbezirke wie Freilassing müssen bezahlbar bleiben. „Es darf nicht sein, dass ein gebürtiger Münchener, der dort immer gelebt und gearbeitet hat, im Rentenalter die Miete nicht mehr bezahlen kann und deshalb wegziehen muss.“, gab Hanika zu bedenken. Er fordere weiter ein Energieministerium, das vorrangig eine koordinierende Funktion haben solle, und einen in Europa einheitlichen Fahrplan zur Energieumstellung. Er wolle ein schnelles Internet überall und eine sinnvolle Begrenzung zum Schutze der Benutzer. „Wir streben an, das Zweiklassensystem in der Medizin abzuschaffen und eine vernünftige Budgetierung der Krankenhäuser zu erreichen.“, bekannte Hanika. Ferner solle ein bundesweites Volksbegehren möglich werden. Der Mensch müsse wieder sagen können, dass er sich freue, zur Wahl gehen zu dürfen. „Ich schließe mit den Worten: In Deutschland zu Hause, in Bayern dahoam.“

Mit den Worten, dass es noch Dümmere gebe, als wir seien, schockierte Hubert Aiwanger anfangs seine Zuhörer. Damit gab er jedoch zu verstehen, dass er alles hinterfrage und nichts einfach stehen lasse. „Jahrelang sagte die Staatsregierung, dass die Staustufe in der Donau unbedingt notwendig sei und gab dafür 90 Millionen Euro an Gutachten und Planungskosten aus.“, resümierte Aiwanger. „Mit einem einzigen Federstrich setzte kürzlich Ministerpräsident Seehofer das Thema ab.“ Edmund Stoiber zentralisierte alles in München und erreichte damit einen Einwohnerzuwachs von 10.000 Menschen pro Jahr, den die Stadt jetzt nicht mehr bewältigen könne. „Der Transrapid ist für mich in Hinblick auf die Kosten ein Wahnsinn und die dritte Startbahn am Flughafen München nicht notwendig, wenn man Nürnberg und München zusammen betrachtet.“, bekannte Aiwanger. Die Eisenbahn müsse vernünftig und zielführend eingesetzt werden, was wegen der Privatisierung und dem damit verbundenen Gewinnstreben kaum mehr möglich sei. Weiter fordere er eine wohnortnahe Unterrichtung der Schulkinder und auch kleinere Klassen. „Es ist mir unverständlich, weshalb die Stromkosten immer mehr steigen, zumal die Leipziger Börse mit 5 Cent pro kWh noch nie so günstig war.“, wunderte sich Aiwanger. Das Bürgerinteresse müsse klar vor den Wünschen der Konzerne liegen. Er glaube, dass die Politik infolge der beträchtlichen Parteispenden der Konzerne gelähmt sei. „Deshalb fordere ich eine Eindämmung des Lobbyismus und eine Begrenzung der Spenden auf 20.000 Euro pro Jahr.“, stellte Aiwanger klar.

Zum Abschluss der Veranstaltung dankte der Kreisvorsitzende der FWG Berchtesgadener Land, Franz Schießl, den Gästen für ihr Kommen und bedankte sich bei Hubert Aiwanger mit einer riesigen Geschenkflasche Wieninger Bier, auf der das Porträt des FW-Landes- und Bundesvorsitzenden aufgebracht war. Michael Koller beschenkte Christian Hanika mit „etwas Hochprozentigem“. Gemeinsam wünschten alle den Zuhörern ein trockenes und gutes Heimkommen.

Pressebericht Fritz Braun

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