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Fluglärm: Jetzt gehen sie auf die Straße

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Bettina Oestreich: Vorsitzende des Fluglärmschutzverbandes Freilassing. Sie hofft auf viele Teilnehmer bei der morgigen Demo.

Freilassing - Bund Naturschutz und Fluglärmschutzverband wollen am Samstag in Freilassing gemeinsam gegen Fluglärm demonstrieren. Es geht ihnen um den Flughafen Salzburg:

Der 24. November 2012 ist der europäische Demonstrationstag gegen Nachtflüge. Es wird europaweit aufgerufen, Flüge zwischen 22 und 6 Uhr zu verbieten. Der „Fluglärmschutzverband“ (Verband zum Schutze der Bevölkerung des Rupertiwinkels gegen die Gefahren des Flughafenbetriebes Salzburg e. V.) mit Sitz in Freilassing und der Bund Naturschutz Freilassing schließen sich diesem Aufruf an.

Forderungen untermauern

Außerdem nehmen beide Vereine diesen Aktionstag der Bundesvereinigung gegen Fluglärm zum Anlass, die Belastungen der bayerischen Bewohner durch den Betrieb des Salzburger Flughafens aufzuzeigen und Forderungen der bayerischen Anwohner allen Verantwortlichen nochmals mit aller Deutlichkeit und Dringlichkeit offen zu legen. Am Salzburger Flughafen wird bis 23 Uhr geflogen.

Am Samstag, 24. November, findet in Freilassing eine vom Landratsamt genehmigte Demonstration statt. Treffpunkt ist ab 9 Uhr am Vorplatz der neuen Feuerwehr. Der Protestmarsch startet um 10 Uhr über die Münchener Straße (halbseitig gesperrt) bis zum Salzburger Platz (hier ist mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen). Am Salzburger Platz findet auch die Abschlusskundgebung ab zirka 11.15 Uhr statt. Dazu wurde Bundesverkehrsminiser Dr. Peter Ramsauer eingeladen, der allerdings nicht erscheinen wird, sowie Landrat Georg Grabner und Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher.

Zeichen setzen

Beide Verbände rufen alle Bürger/-innen im Rupertiwinkel auf, sich an der Demonstration zu beteiligen: "Je mehr am Demonstrationszug und an der Abschlusskundgebung teilnehmen, je eher werden die Sorgen, Nöte und Bedenken ernst genommen. Am 24. November soll ein Zeichen gesetzt werden", so Bettina Oestreich, die Vorsitzende des Fluglärmschutzverbandes.

Ursache für die heutige Situation, das heißt die Belastung und das Risiko durch den Betrieb des Salzburger Flughafens, ist vor allen Dingen die Politik der Salzburger Landes- und Stadtregierung, die seit Jahrzehnten die Entwicklung des Flughafens Salzburg ohne Rücksicht auf die Belange der bayerischen Anwohner vorangetrieben haben, obwohl ein Beschluss der Salzburger Landesregierung aus 1989 das Gegenteil forderte.

Kein Großflughafen

"Der Salzburger Flughafen ist ein Flughafen in der Stadt Salzburg und kein Großflughafen. Er versteht sich aber als Großflughafen, der nicht nur Salzburg, sondern innerhalb Österreichs auch Kärnten und Tirol, und zunehmend ganz Europa bedient", so Oestreich weiter. Dafür gibt es genügend Beispiele im Internet, von Pauschalangeboten für deutsche Urlauber aus Hamburg oder Berlin (zum Beispiel Bad Kleinkirchheim). "Diesem Umstand wird von allen Seiten in keinster Weise Rechnung getragen. Aber das zeigt sich an vielen Beispielen der Salzburger Infrastrukturpolitik", informiert die Diplom-Mathematikerin aus Freilassing, die selbst betroffen ist, da sie direkt unter der Flugschneise wohnt.

"Bevor der Ausbau des Flughafens, genehmigt von Stadt und Land Salzburg, noch weiter scheibchenweise voranschreitet, ohne eine Umweltverträglichkeitsprüfung, die die Möglichkeit der Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland und damit die Berücksichtigung der Belange der bayerischen Anwohner schafft, müssen wir diesem Ausbau massiv entgegentreten. Denn 90 Prozent der Gesundheitsgefährdung entstehen durch Lärm, CO2-Emmissionen und Feinstaub - die Bevölkerung im Norden des Flughafens, also auch die bayerischen Anwohner müssen diese Belastungen ertragen", berichtet Oestreich.

"Nichts ist passiert"

Der Salzburger Flughafen argumentiert mit dem Thema Sicherheit: Auf bayerischer Seite seien entsprechende Anlagen installiert. Seit der Aufhebung des militärischen Schutzgebietes im Jahr 1988 hätten auch auf österreichischer Seite entsprechende Infrastrukturprojekte realisiert werden können. "Doch nichts ist passiert", beschwert sich Oestreich. "Seitens Österreich wird diese Argumentation fadenscheinig vorgeschoben, um nicht oder kaum nach Süden zu starten und auch nicht von Süden her zu landen".

"Als Tropfen auf den heißen Stein hat Salzburg den Tauernsüdanflug ins Leben gerufen: man bemerke nur den Anflug über Süden. Und schon versuchen, die Salzburger Politiker die Schuld bei uns zu suchen, weil sie mit zehn Überflügen im Monat belastet sind, wir haben dagegen 60.000 Mal Fluglärm pro Jahr", argumentiert der Fluglärmschutzverband. Und weiter: Diese Belastung gründet sich auch auf der Art der Betriebsweise des Salzburger Flughafens: dem ständigen Betriebsrichtungswechsel. Das bedeutet: Es wird von Norden angeflogen und nach Norden gestartet. Ein extremes Sicherheitsrisiko für unsere Bevölkerung. Aber solange die Salzburger und benachbarte Bundesländer den wirtschaftlichen Erfolg einfahren, was kümmert die ein Absturz in Freilassing?"

Fluglärmschutzverband und Bund Naturschutz fordern:

- Revision beziehungsweise Kündigung des Staatsvertrags von 1969/1974, da dessen Geschäftsgrundlage längst überholt ist. No „opposite runway“: Beibehaltung der Betriebsrichtung würde eine 50-prozentige Entlastung der Anwohner im Norden bringen. - Umgehende Sicherstellung der An- und Abflüge von und nach Süden. - Reduktion der Betriebszeit besonders an Wochenenden, kein Überflug über bayerisches Gebiet vor 9 Uhr und nach 20 Uhr. - Kein weiterer Ausbau. Beteiligung der bayerischen Anwohner bei allen Baumaßnahmen. - Begrenzung der Flugbewegungen über bayerischem Gebiet maximal entsprechend der Nutzung durch bayerische Kunden. - Mindestüberflughöhe beim Abflug über deutschem Hoheitsgebiet mit 750 Metern. - Mindestabstand der Überflüge zur Staatsgrenze 4,6 Kilometer gemäß internationaler Richtlinie der ICAO. - Erstmalige Sicherheits- beziehungsweise Risikoanalyse für das bayerische Überfluggebiet (ein Absturz reicht). - Deutsche und internationale Standards für deutsches Gebiet. - Lärmschutzzonen auf Basis richtiger, den Erfordernissen entsprechender Lärmmesswerte. - Gesundheitsschutzfür alle - Lärm macht krank: Drastische Reduzierung der Belastung durch Lärm und Feinstaub. - Keine schleichende Wertminderung der Grundstücke. - Steigerung und vor allem Sicherung der Lebensqualität.

"Uns reicht es"

Bettina Oestreich: "All dies sind Ziele für unsere Gesundheit, für unsere Kinder und unsere Heimat. Wir wollen keine Fluglärmstadt Freilassing und keine Fluglärmgemeinden Saaldorf-Surheim und Ainring. Denn die Vergangenheit hat bewiesen, dass Freilassing früher eine Einflugschneise hatte und jetzt mehr Einflugschneisen hat. Und in Zukunft wird der Flughafen alles daran setzen, die Belastung für den einzelnen zu reduzieren, dafür aber die Nachbargemeinden Ainring und Saaldorf-Surheim zunehmend zu belasten".

"Uns reicht es, wir geben keine Ruhe mehr", sagt auch Erich Prechtl vom Bund Naturschutz.

Pressemeldung Fluglärmschutzverband/Bund Naturschutz/bit

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