Neues Konzept für Freilassinger Bahnhof

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Am Freilassinger Bahnhof soll ich einiges tun, das Verkehrsforum BGL hat viele Verbesserungsvorschläge ausgearbeitet.

Freilassing - Der Bahnhof in Freilassing soll barrierefrei und kundenfreundlicher werden. Das fordern das Verkehrsforum BGL mit eigenen Vorschlägen. *Neue Infos und Fotos*

Das "Verkehrsforum Berchtesgadener Land" hat ein konkretes Konzept für einen kundenfreundlicheren und barrierefreien Freilassinger Bahnhof ausgearbeitet. Dabei stützten sich die Verkehrs-Experten auf eine ganze Reihe von Anregungen aus der Bevölkerung, die in das Konzept maßgeblich mit eingearbeitet wurden. Das Verkehrsforum schlägt u.a. vor, den Gleisbereich in drei Abschnitte zu teilen: für S-Bahn-, Regional- und Fernverkehr. Außerdem werden ein Reisezentrum, schönere Sanitäranlagen und ein besseres Fahrgast-Informationssystem vorgeschlagen. Das Konzept wird nun unter anderem an die Deutsche Bahn und das Bundesverkehrsministerium weitergeleitet.

So sieht es am Freilassinger Bahnhof aktuell aus:

Freilassinger Bahnhof im Blickpunkt

Anfang August hat das Verkehrsforum Berchtesgadener Land die Bevölkerung aufgerufen, ihre Vorstellungen für wünschenswerte Einrichtungen in einem neuen Bahnhofsgebäude in Freilassing bekanntzugeben. Wurde doch im Rahmen des Projekts Stadtentwicklung ein Ersatzbau für das bisherige Objekt ins Auge gefasst wurde. Das Echo war enorm. Die Anrufer und Briefeschreiber interessierten sich vordergründig jedoch nicht so sehr für Einrichtungen in einem neuen Haus, sondern für eine raschen Umbau der Zugänge von den Straßen und Parkplätzen zu den Gleisen.

Ansehnlichkeit verbessern

Neu und für eine zukunftsorientierte Betriebsabwicklung des Zugverkehrs unabdingbar ist die Trennung der Gleisnutzung in drei Bereiche: Einen S-Bahn-Bereich, bestehend aus dem bisherigen Gleis 1, den geplanten neuen S-Bahn-Gleisen im Sektor des ehemaligen Postamts, und einem Vollausbau des bisherigen „Güterhallen-Stutzens“, dem Gleis 76, das nach dem jetzt laufenden Planfeststellungsverfahren zwar elektrifiziert, aber nur als Abstellgleis genutzt werden soll.

Gleis 1 und Gleis 76 brauchen nur noch mit einer Bahnsteigkante von 55 Zentimetern Höhe ausgestattet werden, Gleis 76 zusätzlich mit einer Signalisierung zum Ausfahren auf die Streckengleise. Dann könnte der gesamte S-Bahn- Verkehr zwischen Berchtesgaden und Salzburg auf diesen Schienensträngen im „Inselbetrieb“ abgewickelt werden. Dies bedeutet, dass nach Fertigstellung des 3. Gleises zwischen Freilassing und Salzburg dann alle Züge der S-Bahn-Linien 2 bis 4 ohne Berührung der übrigen Zugfahrten im Bezirks-, Fern- und Güterverkehr abgewickelt werden können.

Die in Freilassing endenden Fahrten der S4 aus Berchtesgaden könnten nach Gleis 76 einfahren und von dort aus ohne „Zwischenparken“ wieder zurück nach Berchtesgaden verkehren. Die Umsteiger vom südlichen Landkreis zu den S-Bahn-Linien nach Salzburg könnten dann in einem kurzen ebenerdigen Fußweg von weniger als zwei Minuten die neuen S-Bahn-Gleise erreichen oder über Aufzug beziehungsweise Rolltreppe vom Bahnsteig 1 aus die Fern- und Bezirksgleise barrierefrei oder auch über Treppen erreichen. Die Durchbindung der S-Bahn-Linie 3 nach Bad Reichenhall und eine eventuelle Weiterleitung der S 2 in Richtung Chiemgau könnte über Gleis 1 erfolgen, ohne dass signaltechnische Änderungen notwendig wären.

Ein weiterer Bereich (Gleis 2 und 4) ist ausschließlich für die Abwicklung des Fernverkehrs vorgesehen. Gleis 3 wird für den fahrplanmäßigen Zugverkehr nicht mehr benötigt, da ab Dezember 2013 alle „Meridian“-Züge des neuen Betreibers Veolia zwischen München und Salzburg durchgebunden sein werden.

Breiterer Bahnsteig

Auch die für Berufspendler bisher ab Freilassing eingesetzten Frühzüge fahren künftig ab Salzburg Hauptbahnhof, so dass diese durchgehend über die Fernverkehrsgleise 2 und 4 geleitet werden können und auch müssen, da die neuen FLIRT-Triebwagen des Meridian für eine Einstiegshöhe von 76 Zentimetern gebaut werden und mit den S-Bahnsteigen nicht barrierefrei kompatibel sind. Dieses Maß ist auch die Regelhöhe für alle Fernzüge, die Bahnsteige der übrigen Bahnhöfe auf der Münchener Strecke sind neu auf dieses Maß ausgelegt. Erhöht man in Freilassing die Bahnsteige für Gleis 2 und 4 auf 76 Zentimeter und nimmt man Gleis 3 heraus, so kann der gewonnene Bereich für eine Erweiterung des Bahnsteigs zwischen Gleis 2 und 4 genutzt werden. So entsteht ein breiter Bahnsteig, der Platz genug bietet für Aufzüge, Rolltreppen und Wetterschutzhäuschen. Alle Intercity- und künftigen Regionalexpress-Züge werden dann auf dieser Ebene abgewickelt. 

Der dritte Bereich ist dem Nahverkehr vorbehalten. Gleis 6 war das „Lokgleis“, das auf direktem Wege den Bahnhof mit dem Betriebswerk Freilassing verbunden hat. Letzteres wurde 1993 endgültig geschlossen und Gleis 6 seither nur als Abstellgleis genutzt. Abstellmöglichkeiten gibt es in Freilassing genug, da der gesamte Bereich des Güterbahnhofs mit elektrifizierten Gleisen zur Verfügung steht. Nimmt man Gleis 6 heraus, verbindet die Bahnsteige zwischen Gleis 5 und 7 und setzt die Kanten auf eine Höhe von 55 Zentimeter, bekommt man einen attraktiven „Nahverkehrsbereich“ für die Züge von und nach Mühldorf, sowie - ebenfalls mit Aufzug und Rolltreppe versehen - auch einen barrierefreien Zugang für die Sonderverkehre (Intercity Hamburg-Berchtesgaden oder die private WestBahn nach Wien). In diesem Bereich kann auch die seit 70 Jahren angedachte Ausbaustrecke für den internationalen Fernverkehr eingefädelt werden. Gleis 8 dient dann auch für diese Zwecke und als Reservegleis.

Vorschläge werden vorgelegt

Mit diesen Vorschlägen geht das Verkehrsforum in den nächsten Wochen zur Stadt Freilassing, zu den Entscheidungsträgern wie Bundesverkehrsministerium, den zuständigen Stellen der Deutschen Bahn AG sowie zu den einzelnen betroffenen Verkehrsunternehmen mit der Forderung, zeitnah ein Konzept für den barrierefreien Umbau zu erarbeiten und die Finanzierungsverhandlungen in Angriff zu nehmen. Weitere Vorschläge betreffen die Errichtung eines Reisezentrums, Notfallräume, Sanitäranlagen sowie eine umfassende optische und akustische Informationsplattform (Fahrgastinformationssystem) nicht nur für die Zugfahrten, sondern auch für die Busse und nicht zuletzt eine übersichtliche Beschilderung für die Wege zu den innerstädtischen Zielen.

bit/Pressemitteilung Verkehrsforum BGL

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