Altbürgermeister Ludwig Lindner erinnert sich

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Der Altbürgermeister Ludwig Lindner

Freilassing - Anlässlich des 95. Geburtstags des Altbürgermeisters von Freilassing gibt Rosenheim24 einen Überblick über die großartigen Leistungen dieses Mannes.

„Ich möchte mich bei meinen Weggefährten und allen Mitbürger recht herzlich bedanken. Ihr habt mir Kraft und Energie gegeben, dass ich meine Arbeit zum Wohle der Stadt durchführen konnte. Und ich denke, das ist mir gut gelungen.“ Solche Worte spricht Ludwig Lindner an seinem 95. Geburtstag. Er erinnert sich gerne an seine fünfzehnjährige Amtszeit als Bürgermeister von Freilassing und beobachtet die Geschehnisse in „seiner Stadt“ weiterhin sehr aufmerksam.

Seine Erinnerung gehen auf das Jahr 1961 zurück, als er zum geschäftsleitenden Beamten in Freilassing ernannt wurde. „Ich wollte eigentlich nie Bürgermeister werden.“, erzählt Ludwig Lindner. Aber die FWG Heimatliste nominierte ihn als ihren Kandidaten und die Wähler sahen in ihm den richtigen Mann. Und mit ihrem Gefühl hatten die Bürger recht behalten. Die Aufgaben, die der erste hauptamtliche Rathauschef zu bewältigen hatte, waren gewaltig. „Die Verhältnisse damals in Freilassing waren katastrophal. Nichts war vorhanden, alles musste mühsam erarbeitet werden.“, resümierte Lindner. „Die Hauptverkehrsachse, nämlich die Münchener Straße, war eine Sandstraße. Die behelfsmäßige Abfalldeponie im Süden brannte fast jedes Wochenende und anstelle einer Kläranlage befand sich ein Tümpel. Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit (50 %) waren allgegenwärtig. Bauhof, Rotes Kreuz und Technisches Hilfswerk hausten in einer verwanzten Baracke. Besonders schlimm stand es um das Krankenhaus an der Reichenhaller Straße – Schließungsanordnungen durch das Gesundheitsamt waren an der Tagesordnung.“ Und dann habe ein mutiger Stadtrat mit Unterstützung der Bürger die Ärmel hochgekrempelt. Der Beschluss für einen Neubau des Krankenhauses wurde einstimmig gefasst und mit viel Hindernissen umgesetzt. Aller Ortsstraßen sollten der Reihe nach mit Oberflächenteer versehen werden. Im Laufe der Jahre veranlasste die Stadt den Bau von vierzig Kilometer Kanalisation. Der Stadtrat beschloss ferner, das alte Freibad neu zu errichten. Vordringlich war der Ausbau der Wasserversorgung. Mit Weitblick wurden in Patting die Tiefbrunnen erweitert und eine Wasserleitung mit rund neun Kilometer Länge im Stadtgebiet verlegt. “Viele Gedanken machte ich mir um die

Stärkung der Industrie in Freilassing.“, berichtete Lindner. Er habe sich mit Zustimmung des Stadtrates im Bereich Kesselpoint umgesehen und konnte dort für Ansiedelungen 82.000 Quadratmeter Industriegrund mit 24.000 Quadratmetern Straßengrund erwerben. In Freundschaft arbeitete er mit den Unternehmern Plasser, John, Berger, Hawle und Kiefel eng zusammen. Der Wunsch nach Stärkung der Wirtschaft war folgerichtig; denn mit Vollendung mehrten sich auch die Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Noch nicht vorhanden waren ein Hallenbad samt Turnhalle. Dieses wurde 1971 in Angriff genommen, nachdem ein Jahr vorher der Neubau einer Hauptschule beschlossen wurde. Die evangelische Pfarrgemeinde suchte ebenso verzweifelt nach einem Grundstück für eine Diakonie, wie die Sparkasse einen Bereich für ein neues Gebäude. Die Stadtverwaltung war in drei Gebäuden untergebracht und sollte räumlich vereint werden. Und alles löste sich in Wohlgefallen, als nämlich Pfarrer Hahn die Heydt-Villa, die Sparkasse das alte Rathaus und die Stadt ein Grundstück zum Neubau erwerben konnten. Erst bei Vollendung des Stadtarchivs wird man feststellen können, wie viele Millionen Deutsche Mark damals in den zwanzig Jahren verbaut worden sind. Die Summe kann derzeit nur auf etwa rund 140 Millionen Deutsche Mark geschätzt werden.

So wuchs die Stadt Freilassing unaufhörlich und bietet nun mehr als 16.000 Einwohnern Heimat. „Gutes und Ungutes wechselten während meiner Amtszeit fortwährend ab.“, stellte Lindner nachdenklich fest. „Trotz allem bin ich doch gerne Bürgermeister meiner Stadt gewesen.“ Er werde auch weiterhin, soweit ihm „von oben“ die Zeit dazu gelassen wird, die Entwicklung von Freilassing genau beobachten. „Ich halte die Entscheidung, ein Gesamtkonzept für die Zukunft des Ortes zu entwickeln, für den richtigen Weg.“, ergänzte Lindner. Gleichzeitig habe er aber auch Sorge, dass die weitreichenden Pläne umgesetzt werden können. „Es wäre wirklich an der Zeit, dass das Sonnenfeld einer wohldurchdachten Nutzung zugeführt und das Bahnhofsareal als Aushängeschild des Ortes sinnvoll verschönert wird.“, sinnierte Lindner nachdenklich. „Für die weitere Entwicklung von Freilassing sei es wichtig, dass die Stadt lebens- und liebenswert bleibe. Dazu wären aber auch die erforderlichen Geldquellen zu erschließen, das heißt Industrie und Gewerbe zu halten, noch besser zu erweitern.

Ludwig Lindner hat es geschafft, immerhin 95 Jahre alt zu werden. Zum Dank dafür will er alle MitbürgerInnen am Samstag, den 1.Dezember 2012, um 10.00 Uhr, zu einem Weißwurstessen in das Gasthaus Rieschen einzuladen. „Wer Lust hat, soll kommen.“ Seine Heimatzeitung wünscht ihm auch weiterhin beste Gesundheit und viel Freude am weiteren Leben.

Braun

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