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Aktiv zuschauen, von der Natur lernen

Exkursion der ANW Gruppe Rupertiwinkel führte auf die Fürmann Alm 

Waldbesitzer Josef Wolfgruber, ANW Gruppen Sprechen Johann Praxenthaler, AELF Leiter Alfons Leitenbacher bei der Schussbesprechung (v.l.n.r.)
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Waldbesitzer Josef Wolfgruber, ANW Gruppen Sprechen Johann Praxenthaler, AELF Leiter Alfons Leitenbacher bei der Schussbesprechung (v.l.n.r.)

Die Herbstexkursion der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW), Gruppe Rupertiwinkel führte diesmal zur Fürmann Alm und in die Wälder ihrer Umgebung.

Anger - Gut fünfzig Waldinteressierte, Privatwaldbesitzer, Forstleute, Jagdgenossen waren der Einladung des Sprechers der Gruppe Johann Praxenthaler gefolgt, darunter auch der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), Alfons Leitenbacher, der Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden Dr. Daniel Müller sowie die Revierleiter Otto Ertl (Forstrevier Teisendorf) und Maximilian Poschner (Forstrevier Wonneberg). Nach der Exkursion referierte Professor Dr. Manfred Schölch von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Vorsitzender der ANW Bayern, zur Bedeutung des Waldes über die Holznutzung hinaus.

Es gehe um das Grundverständnis von Waldwirtschaft, so Prof. Schölch in seinem Vortrag, darum ob man Wald als Wald oder als Holzacker begreife. Der Waldbesitzer müsse sich immer fragen, was würde die Natur tun und nicht umgekehrt, was der Mensch tun muss. Die natürliche Entwicklung müsse die Referenz unseres Handelns im Wald sein, weil Natur die stabilste Form der Ökosysteme hervorbringt. Von dem natürlichen Weg zu stark abzubiegen, ist ein Vabanque-Spiel mit hohem Risiko für den  Waldbesitzer. Mit dem Klimawandel wird die „Referenz Natur“ immer variabler, weil die Ausschläge von dem, was wir als Normalität empfinden, immer häufiger werden. Damit wird es auch für den Waldbesitzer schwieriger, sich daran zu orientieren.

Dennoch darf er sich nicht zu stark beirren lassen und nur dort eingreifen, wo die Natur es nicht mehr richten kann, wie zum Beispiel auf großen Schadensflächen. Schölch setzt im Klimawandel stark auf die Tanne, weil sie eine große Anbaufähigkeit hat und weil sie als weißes Nadelholz der ideale Ersatz für die im Klimawandel immer stärker ausfallende Fichte sein kann. Er berichtete von einem großen Weißtannenversuch, den die ANW Deutschland auf 59 Flächen in ganz Deutschland angelegt hat und wo heimische Weißtannen und solche aus den rumänischen Karpaten auf ihr Verhalten im Klimawandel langfristig beobachtet werden. Er betonte aber geichzeitig, dass im Angesicht des Klimawandels alle Baumarten wertvoll werden, die regional vorkommen können, nicht nur eine.

Bergmischwald mit Verjüngung

Zum Waldbegang haben sich die Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe unter der Führung von Peter Fritzenwenger nahmen den schwierigeren Weg durch einen an einem relativ abschüssigen Hang stockenden Wald. Die zweite Gruppe unter der Führung von Johann Praxenthaler ging entlang des leichteren Höhenwegs. Zur Schlussbesprechung traf man sich wieder. Waldgesellschaftlich gesehen bewegte sich die Begehung im Bereich des Übergangs vom Buchenwald in den Bergmischwald mit Buche-Tanne-Ahorn-Fichte.

Anhand der vorgefundenen Waldbilder ging es in der Diskussion um die Stabilität und Verjüngung des Bergmischwaldes im Klimawandel, die Fragen des Wiederaufbaus eines Bestandes nach Schneebruch, die Umwandlung von in Auflösung begriffenen reinen Fichtenbeständen in Mischbestände oder die natürliche Wiederbewaldung nach Hangrutschungen. Auch für den Waldbesitzer wichtige Fragen zur Förderkulisse wurden angesprochen. So wies Revierförster Otto Ertl darauf hin, dass im Förderprogramm Waldvertrags-Naturschutz eine bestimmte Anzahl von Biotopbäumen und das Belassen von Totholz im Bestand gefördert werden. Auch die Pflege vorhandener Naturverjüngung wird unter bestimmten Bedingungen vom Freistaat Bayern finanziell unterstützt. 

Der Bergmischwald sei ein sehr stabiles System, so die überwiegende Meinung  der Teilnehmer. Die Stufigkeit, die Baumartenmischung und auch das Relief der Fläche tragen dazu bei, dass immer häufiger auftretende Stürme hier weniger Schaden anrichten als in Reinbeständen des Flachlandes. Der Bergmischwald braucht alle Baumarten, in gewissem Umfang auch die Fichte, sonst wird das System instabil, so Praxenthaler. Ein gezieltes aktives Eingreifen, zum Beispiel durch das Zurückdrängen der Buche, die in der Verjüngung dominiert, wurde von der Mehrheit abgelehnt. Josef Wolfgruber, der Besitzer des besichtigten Waldes berichtete von seinen Versuchen, den Anteil an Nadelhölzern, z.B. der Fichte, in dem Buchenwald zu erhöhen. Dies sei nur bedingt gelungen. Jetzt erntet er immer wieder Buchen, wenn er Brennholz braucht, in den entstandenen Lücken kommt Licht hinein, wo sich dann die Fichte einfindet. „Wenn man mehr Nadelholz will, muss man es frühzeitig einbringen“, so Alfons Leitenbacher. „Jetzt, wo sich die Verjüngung mit überwiegend Buche etabliert hat, ist der Schuß draußen“.

Dennoch sieht man in der Verjüngung immer wieder auch Tanne, Fichte und andere Arten. „Vor allem im unteren Teil ist die Tannenverjüngung beeindruckend. Respekt und Anerkennnung für Waldbesitzer und Jagdakteure, die das möglich machen“, so Daniel Müller vom Forstbetrieb Berchtesgaden. Johann Praxenthaler sprach vom „aktiven Zuschauen“. Man müsse den Wald aktiv beobachten, sehen was, wo am besten wächst und sich daraus überlegen, welchem Baum man eine Chance gibt und welchen man entnehmen kann. „Es geht um die kleinen Nuancen und bei der Verjüngung um das „Spiel mit Licht und Schatten“, so dass sowohl Licht- als auch Schattbaumarten eine Chance bekommen.  Und es geht um einen an den Wald angepassten Wildbestand, damit die Verjüngung nicht verbissen wird. Die Natur sei eigenwillig. Man könne sie zwar nutzen, aber nicht beherrschen. Klar sei, dass eine reine „Maiswaldwirtschaft“ vorbei sei und im Klimawandel keine Chance mehr habe. Mit einem Plädoyer für die Freude am Wald schloss Peter Fritzenwenger die Diskussion: „Man soll sich auch freuen an dem Wald und nicht immer nur Sorgen haben, was passiert“. 

Monika Konnert

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