Nach kontroversen Diskussionen im Gemeinderat

Neuer Wertstoffhof in Teisendorf: Entscheidung fällt mit knapper Mehrheit

Standort Grüngut Lagerplatz Wertstoffhof Teisendorf
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Standort des neuen Wertstoffhofes

Teisendorf - Der Neubau des Wertstoffhofes spaltet in Teisendorf den Gemeinderat. Mit einer knappen Mehrheit von zehn zu acht Stimmen wurde die Grobplanung gebilligt.

Die Planungen für einen neuen Wertstoffhof gegenüber der Firma MAFO, zwischen der Staatsstrasse 2103 nach Laufen, der Industriestrasse und der Bahnlinie schreiten voran. Die Grobplanung wurde jetzt dem Gemeinderat vorgestellt. Dieser hat sie nach kontroversen Diskussionen mit knapper Mehrheit gebilligt und den Bau des Wertstoffhofes beschlossen. Vor der Einleitung weiterer Schritte soll die Planung aber dahingehend überprüft werden, ob die Befüllung der Container barrierefrei gestaltet werden kann unter Berücksichtigung der Topographie. Dennoch blieben bei vielen Gemeinderäten Zweifel, ob dies angesichts der Enge des Standorts die richtige Lösung sei.


Schwierige Standortsuche

Die schwierige Suche nach einem geeigneten Standort für einen Wertstoffhof der Gemeinde Teisendorf läuft schon seit mehreren Jahren. Im Mai 2017 hat sich der Gemeinderat auch mangels Alternativen für die besagte Fläche an der Staatstrasse nach Laufen entschieden. Nachdem im Bebauungsplan die vom Landratsamt und Strassenbauamt geforderten Sichtfenster festgelegt worden waren, wurde das Büro Dippold&Gerold aus Prien mit der Grobplanung beauftragt. Der Grüngutlagerplatz war bereits im Frühjahr als Provisorium an den neuen Standort verlegt worden, nachdem das Gesundheitsamt den Standort am Klärwerk als kritisch gesehen hat.


Grobplanung des neuen Wertstoffhofes – Lageplan

Gemäß der jetzt vorliegenden Planung, die Anton Mader vom Planungsbüro vorgestellt hat, sollen neben dem Grüngutlagerplatz noch zwei sechzehn Meter breite und acht Meter tiefe Hallen errichtet werden, in denen Container für Glas, gelbe Säcke, Alteisen, Bauschutt, Papier, Elektroschrott sowie kleinere Gefäße zum Beispiel für Altbatterien und Speisefett aufgestellt werden. Die beiden Hallen sollen außen mit Holz verkleidet werden. Ob sie geschlossen werden oder offen bleiben, ist noch nicht entschieden. Mader empfahl die Schließung ausserhalb der Öffnungszeiten.

Keine zusätzliche Erweiterung möglich

Der Standort sei gut erschlossen, sehr kompakt allerdings auch sehr eng, so der Planer, sodass nach Umsetzung dieser Baumaßnahmen keine zusätzliche Erweiterung möglich sein werde. Auch müsse man bei der Planung die Topographie des Geländes berücksichtigen, mit Höhenunterschieden von eins bis anderthalb Metern. Deshalb müsse man zur Realisierung einer der beiden Hallen auch den Hang abgraben. Mader bezifferte die Gesamtkosten für die Realisierung der Anlage auf rund 625.000 Euro, auch angesichts der stark gestiegenen Baupreise. In der Topographie des Geländes sieht Gemeinderat Markus Putzhammer (CSU) eine Chance. Man sollte die Planungen so machen, dass die Container von oben befüllt werden können. Diese Variante soll vom Planer jetzt geprüft werden.

In der anschließenden Diskussion sprach sich Gemeinderat Andreas Neumeier (CSU) klar gegen den Standort aus. Er werde die Pläne ablehnen, denn man könne diese Fläche in einem Gewerbegebiet zum Beispiel für Mitarbeiterparkplätze besser nutzen. Ausserdem seien die Kosten zu hoch und die Gemeinde benötige das Geld für dringendere Projekte. Es bestehe zur Zeit keine Not, den Wertstoff von seinem jetzigen Standort neben dem Bauhof zu verlegen. Auch Gemeinderätin Anita Niederstrasser (FWG) sieht den Standort als nicht optimal, da die Fläche zu klein und nicht erweiterungsfähig sei. Ähnlich war die Meinung von Rat und 3. Bürgermeister Georg Quentin sowie Gemeinderat Johann Rauscher (beide SPD), die dafür plädierten den Wertstoff in den Bauhof bei dessen Umbau zu integrieren. Das jetzt vorgeschlagene Grundstücke sei völlig ungeeignet, so Rauscher, mit dem Rad schwer erreichbar und für die Zukunft zu eng. Auch Rat Edwin Hertlein (Grüne) schloss sich den geschilderten Argumenten, zu eng, nicht entwicklungsfähig, an.

Rückstau auf Staatsstraße möglich

Gemeinderat Alois Stadler (CSU) war auch skeptisch, ob dies die richtige Lösung für den Wertstoffhof sei. Er befürchtet, dass es in Spitzen-Anlieferungszeiten zu Rückstau auf der Staatsstraße kommen könnte, weil für die Fahrzeuge der Platz eng sei. Deshalb schlug er vor, den Grüngutlagerplatz in diesem Herbst im Testbetrieb laufen zu lassen, allerdings mit einer geänderten Einbahnstraßenregelung. Die Einfahrt solle von der Industriesstrasse sein, weil dies noch etwas vom Rückstau auffangen würde. Gleichzeitig solle die Suche nach einem geeigneteren Standort doch noch fortgesetzt werden. „Wir haben lange nach einem passenden Standort gesucht, leider erfolglos!“, entgegnete der Bürgermeister. Für einen Wertstoffhof werde man immer eine Gewerbefläche benötigen. Deshalb gäbe es für ihn im Moment keine bessere oder andere Lösung als die vorgestellte. Einer Integration in den Bauhof erteilte Gasser eine Absage. „Wir brauchen die Fläche dort dringend für den kommunalen Bauhof. Der Wertstoffhof wird vom Landkreis betrieben, der für die Abfallentsorgung zuständig ist. Dieser werde auch die Kosten für den Bau übernehmen“. Natürlich sei er offen für eine weitere Suche nach Flächen, aber man könne das Thema nicht auf die lange Bank schieben.

Knappe Mehrheit bei der Abstimmung

Dieser Meinung war auch Gemeinderätin und 2. Bürgermeisterin Sabrina Stutz, die sich auch mit dem Gedanken eines Testbetriebs anfreunden könnte. Allerdings könne man das Thema nicht mehr zu lange aufschieben, damit Teisendorf bis zuletzt nicht ganz ohne Wertstoffhof dastehe. Als „nicht ungünstigen Standort“ bezeichnete hingegen Gemeinderat Matthias Spiegelsberger den gewählten Platz und auch Rätin Elisabeth Aschauer (beide Grüne) fand die Entscheidung positiv. Spiegelsberger wollte wissen, ob nach dem Bau des neuen Wertstoffhofes die Container an anderen Stellen im Gemeindegebiet aufgelöst würden. Dazu gäbe es keine Pläne, so der Rathauschef. Bei der Abstimmung zur Billigung der Planung gab es zehn „Ja-“ und acht „Nein“-Stimmen.

kon

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