Löwen-Funktionäre stehen zusammen

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Waging am See - Löwen-Präsident Schneider soll abgesetzt werden - die Nachricht sorgte für Furore und brachte Zündstoff zur Versammlung der Fan-Clubs:

„Drei gegen einen“: So hatte eine Münchner Zeitung am Wochenende getitelt und damit die 1860er-Troika Steiner-Iraki-Schäfer gemeint, die angeblich Präsident Dieter Schneider „abschießen“ wolle. Das gab dem gemeinsamen Auftritt von Schneider und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Otto Steiner bei der Versammlung der 1860er-Fanclubs in der Region 6 Arge Südost, die vor rund 100 Fans im Waginger Kurhaus stattfand, eine pikante Note. Aber die beiden ließen davon in der Öffentlichkeit nichts spüren, vielmehr wurde demonstrativ der Schulterschluss praktiziert.

Es wäre nicht nötig gewesen, zwei Leute zwischen ihn und Schneider zu setzen, witzelte Steiner angesichts der Sitzordnung am Podium, wo die Waginger Löwen-Chefin Rosi Dietz und Arge-Vorsitzender Christian Schmidbauer zwischen den beiden Ehrengästen Platz genommen hatten. Das meiste von dem, was geschrieben stehe, stimme nicht, war Steiners Aussage zu all diesen möglichen Konstellationen und Hintergründen. Allerdings wolle der damit nicht der Presse Vorwürfe machen, sondern den eigenen Gremien: „Kritische Worte sollten intern bleiben. Das müssen wir noch lernen.“ Und er fügte noch an: „Wir brauchen wieder einen Mediendirektor, sobald wir uns das wieder leisten können.“ Ganz ähnlich äußerte sich dazu Präsident Schneider: Auch ihm sei die mangelnde Vertraulichkeit interner Besprechungen oder Papiere ein „Dorn im Auge: Aber ich kann nicht jedem sein Handy abnehmen!“

Jedenfalls aber hat er ganz offenbar keinen „Bock“, sein Amt freiwillig zu räumen: „Ich trete nicht zurück, weil ich keinen Grund dafür sehe und es eine ganze Menge zu tun gibt.“ Der gewaltige, lang andauernde Applaus zeigte, dass die 60er Fans ihren Präsidenten lieben. Wie hatte einer der Besucher dies ausgedrückt: Ohne Schneider, das wäre, wie wenn man 1860 die Seele rausreißen würde. Schneider habe Sensationelles geleistet. In dieses große Lob stimmte dann sogar Aufsichtsratsvorsitzender Steiner ein: „Ich habe keine Ambitionen, Schneider als Präsident abzulösen.“ Wie sich Schneider reinhänge und engagiere, das sei beispiellos. Und weiters berichtete Steiner, der Aufsichtsrat habe erst vergangenen Donnerstag dem Präsidenten klar das Vertrauen ausgesprochen und stehe geschlossen hinter ihm.

Viele Fragen und Antworten bezogen sich im Laufe des Abends auf die oftmals sehr unharmonisch handelnden Personen, auf das Engagement des arabischen Investors, auf neue Verbindlichkeiten und Ähnliches mehr. Und auch nahmen nicht alle Besucher das, was sie von den beiden Ehrengästen hörten, unbesehen für bare Münze. Jedoch gab es durchaus aus andere Themen, nämlich sportliche.

Ob man den von Hoffenheim ausgeliehenen Kevin Volland kaufen könne, wollte ein Fan wissen. Dazu Präsident Schneider: „Das wäre ein Traum. Aber es fehlt uns das Geld.“ Ob der Vertrag mit Stefan Aigner verlängert werde, war eine weitere Frage. Schneider: „Ich bin guten Mutes. Wir werden schon klar kommen.“ Was aber die vor allem von Präsident Schneider angekündigten Neuerwerbungen anbetraf, waren auch durch wiederholte Nachfragen keine Namen zu bekommen. Aber dafür gab es eine Prise Optimimus: „Wir planen jetzt noch die eine oder andere Verstärkung. Dann sind wir, so denke ich, für die Rückrunde gut aufgestellt. Für die nächste Saison wollen wir dann sagen können: ‚Jetzt greifen wir den Aufstieg an.’ Ob wir es dann schaffen oder nicht: Jedenfalls glaube ich, dass wir ab Sommer mit einigen Verstärkungen eine Mannschaft haben werden, die ganz ernsthaft um den Aufstieg mitspielen kann.“

Demonstrativer Schulterschluss

So etwas hörten die 60er Fans natürlich gerne - und so kam dann ganz zwangsläufig (zumal nach Christian Schmidbauers Erwähnung des „Rudi-Brunnenmeier-Stadions“) die Frage nach einer eigenen „Heimat“ für den TSV 1860. Dazu Dieter Schneider: „Ich wäre ein schlechter Präsident, wenn ich nicht von einer eigenen Heimat träumen würde. Aber jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt zum Diskutieren. Schließlich gibt es Verträge. Das würde nur wieder Unruhe erzeugen. Dafür bitte ich um Verständnis. Dennoch gibt es Visionen, über die man derzeit aber lieber nicht redet.“ Auch um die Zukunft von Trainer Reiner Maurer drehte sich eine Anfrage. Da waren sich Steiner und Schneider einig, dass dies ein Thema sei, dass zwischen dem Geschäftsführer und den Gesellschaftern besprochen werden müsse. Dazu wolle man sich ebenfalls nicht äußern.

Harsche Kritik der Fans gab es an Sportdirektor Hinterberger und Geschäftsführer Robert Schäfer. Zu Schäfer sagte Kurhaus-Chef Andreas Barmbichler: „Wie kann ein Geschäftsführer gegen seinen Arbeitgeber derartige Worte verwenden? Das ist nicht tragbar, der gehört entsorgt. Wir haben genügend ehemalige Profis von 1860, die eine Qualität haben, wie das die Bayern vormachen.“ Aufsichtsratsvorsitzender gab Barmbichler darin Recht: „Schäfer darf nicht nach außen gehen und kritisieren. Das ist nicht zu dulden. Wir werden dafür sorgen, dass er das in Zukunft unterlässt.“ Die Kritik an Hinterberger - „Mit ihm gab es nur Flops: Die Jungen gehen weg, und wir holen nur Auslaufmodelle, die keiner kennt!“ - wollte Präsident Schneider nicht ganz so stehen lassen: Immerhin habe er die höchste Trainerlizenz. Andererseits sei er aber nicht auf Gedeih und Verderb ein Hinterberger- oder Maurer-Fan.

Nach so viel inhaltlicher Diskussion bekamen die fast durchwegs mit Fan-T-Shirts dekorierten Besucher - neben den gastgebenden Wagingern unter anderem vertreten Mitglieder der Fanclubs aus Laufen, Bad Reichenhall, Obing und eine große Abordnung der „Hartseelöwen“ aus Eggstätt - auch Entspannung geboten. So-Halunke-Vorsitzender Schorsch Seehuber stellte seine Faschingsgarde vor und ließ die einige sehenswerte Aufführungen einstreuen. Danach gab es für die Prominenz je einen Faschingsorden, überreicht durch nette Küsschen der Gardedamen. Schön geschmückt war die Bühne mit großen Sechziger-Fahnen, und als besondere Dekoration hatte man sogar die beiden metallenen Löwen aus dem Strandbadgelände auf die Bühne gebracht. Und auf den Tischen prangten Sechziger-Servietten - also alles sehr stilgerecht. Wie auch der Einzug der Promis, zu dem der Sechziger-Marsch gespielt wurde. Eben: „Einmal Löwe - immer Löwe“.

Die Waginger Fanclub-Vorsitzende Rosi Dietz wünschte dem Verein „ein möglichst verletzungsfreies und sportlich erfolgreiches Jahr“ und den Verantwortlichen „ein glückliches Händchen bei der anspruchsvollen Führungsarbeit“. Dritter Bürgermeister Christian Reiter fügte noch den Wunsch nach einem eigenen Stadion an, und versteigerte dann ganz zum Schluss einige, teils signierte Fanartikel, bei der immerhin knapp 300 Euro in die Kasse des Waginger Sozialfonds kamen. Reiter ist schließlich auch Sozialreferent Reiter und hat sich bei der Versteigerung entsprechend reingehängt. Und natürlich gab es auch Geschenke für die Hauptpersonen.

Regionsvorsitzender Christian Schmidbauer brachte die Besucher im Waginger Kurhaus gleich so richtig in Stimmung, als er ihnen seine Visionen vortrug - und dafür verständlicherweise viel Applaus erhielt. Der Höhepunkt, datiert ins Jahr 2017: „Im mit 45.000 Zuschauern ausverkauften heimischen ,Rudi-Brunnenmeier-Stadion’ an der Grünwalder Straße besiegen die Herbstmeister des TSV 1860 den alten Rivalen und Rekordmeister FC Bayem locker mit 3:1. Rückkehrer Kevin Volland erlegte die Roten mit drei Treffern im Alleingang.“

So schön könnte es sein. Aber derzeit bestimmen andere Themen das öffentliche Bild, die ständigen Querelen des inneren Zirkels. Aber auch das hat sich Schmidbauer schön geträumt, noch für dieses Jahr: „Nach wochenlangem Gezerre um Macht und vielen über die Presse ausgetragenen Meinungsverschiedenheiten und Unruhen beim TSV 1860 übten Otto Steiner und Dieter Schneider in Waging auf der ARGE-Region-6-Versammlung den Schulterschluss für eine gemeinsame erfolgreiche Zukunft und wollen der alles unterordnen.“

Hoffentlich möglichst lange, denn nur dann kann Schmidbauers weitere Vision von 2017 rundherum Wirklichkeit werden: „Auf der Ehrentribüne liegen sich Ehrenpräsident Dieter Schneider und Ewigkeitsgeschäftsführer Robert Schäfer vor Freude in den Armen. Bayerns Ehrenpräsident erkannte die neue Macht in München an und gab sich geschlagen. Hoeneß: ,Nun ist blau die erste Farbe in München.’ Währenddessen rufen Sportdirektor Benjamin Lauth und Cheftrainer Daniel Bierofka eine neue Ära aus und feiern gemeinsam mit den Spielern auf dem Rasen des Grünwalders.“

Träumen darf man ja. Und eines sind 60er Fans allemal - Kummer gewöhnt und geduldig. Wie hatte Wagings dritter Bürgermeister Christian Reiter, bekennender 60er-Anhänger und Gründungsmitglied des Waginger Fanclubs, bei der Begrüßung im Kurhaus so richtig gesagt: „Als CSUler und als Löwenfan muss man leidensfähig sein!“

he

Quelle: chiemgau24.de

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