Schutz der frei fließenden Salzach

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Laufen/Oberndorf - Der Bund Naturschutz, der NATURSCHUTZBUND Österreich und die Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach haben heute die Salzach unter die Lupe genommen.

Alle großen Naturschutzverbände haben in einer Resolution einen konsequenten Schutz der Salzach gefordert. Die untere Salzach ist der letzte freie ungestaute Alpenfluss Bayerns und Österreichs. In den letzten Jahren wurde hier eine vorbildliche Renaturierung begonnen. „Hier bei Oberndorf sieht man eindrucksvoll, wie das Leben an der Salzach von den freien Ufern gewonnen hat. Gerade diese neugeschaffenen Lebensräume spielen eine eminente Rolle für die Biodiversität und die Funktionen der betroffenen Ökosysteme“, sagte der Präsident des NATURSCHUTZBUND Österreich, Univ. Prof. Dr. Roman Türk.

Biber bei der Arbeit

„Die Salzach ist ein international bedeutsamer Lebensraum und ein europäisches Schutzgebiet Natura 2000. Dessen Schutz und auch die Vorgaben der Alpenkonvention sind nicht vereinbar mit einer Wasserkraftnutzung“, sind Prof. DDr. Eberhard Stüber (Ehrenpräsident des NATURSCHUTZBUND Österreich und Konsulent des Landes Salzburg) und die länderübergreifende Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach (ALS) überzeugt. „Der Erfolg der derzeit laufenden Sanierung der Salzach würde durch Wasserkraftwerke völlig unnötig aufs Spiel gesetzt. Die Salzach darf nicht auf dem Altar eines vermeintlichen Klimaschutzes geopfert werden. Die Energiewende ist auch ohne Ausbau der Wasserkraft möglich“, sagt Prof. Dr. Hubert Weiger, der Vorsitzende des Bund Naturschutz in Bayern.

Gemeinsam fordern die Verbände für die Salzachsanierung im Tittmoninger Becken die Realisierung der Variante „Aufweitung“ ohne Rampen. Die Erfahrungen mit der Sanierung im Freilassinger Becken haben gezeigt, dass sogar dort auf die zweite Fachabteilung Rampe verzichtet werden kann. Die untere Salzach ist der letzte auf längerer Strecke ungestaute Voralpenfluss in Bayern und Österreich. Von der Mündung aufwärts auf über 60 km Länge ist der Grenzfluss Salzach nicht gestaut. Entsprechend artenreich und einmalig sind die Lebensräume entlang der Salzach. Sie sind auch als europäisches Schutzgebiet Natura 2000 geschützt. Die derzeit laufende Sanierung wird die Salzach ohne Wasserkraftwerke für Mensch und Natur weiter aufwerten. Sie ist vorbildlich für einen zukunftsfähigen Umgang mit unseren Flüssen.

Doch im Zuge des Ausbaus der Erneuerbaren Energien und insbesondere nun im Zuge der Diskussion um den Atomausstieg werden die Forderungen nach neuen Wasserkraftwerken an der Salzach wieder laut und konkret geplant:

Uferanbruch an der Salzach

Im neuen Energiekonzept der Bayerischen Staatsregierung steht als Ziel: „Wir unterstützen den Neubau von Wasserkraftwerken an bestehenden Querbauwerken. Neubauten sind zu errichten u. a. an Lech / Hochablass und Salzach.“ Konkret werden an der Salzach Wasserkraftwerke an drei Standorten im Freilassinger Becken geplant.

Minister Martin Zeil ließ am 10. Mai 2011 als Kritik am BN verlautbaren: „Wer den Wasserkraftausbau blockiert, blockiert die Energiewende“. Und der österreichische Vizekanzler Michael Spindelegger meinte jüngst bei einer Tagung der E-Wirtschaft, man möge „Wasser predigen und Wasserkraft beschließen“ und dürfe sich „von diesem Weg nicht von Bürgerinitiativen abbringen lassen.“

Eisvogel an der Salzach

Fakt ist jedoch, dass eine Energiewende keinen Ausbau der Wasserkraft braucht: Der BN hat bereits vor Jahren Konzepte vorgelegt, wie Klimaschutz ohne Atomenergie und ohne Ausbau der Wasserkraft realisiert werden kann – eine zentrale Rolle spielt hierbei die Energieeinsparung. Auch das Umweltbundesamt sieht in seinen Studien zur künftigen Energieversorgung in Deutschland keinen Ausbau der Wasserkraft vor. Insbesondere die Energieeinsparung muss erste Priorität in der Energiewende haben. Dies gilt für die Wasserkraft im Besonderen, die heute bereits 15% des Stroms in Bayern von 85 TWh liefert. Hingegen liegen PV bei 3,5%, Wind bei 0,6% und Geothermie bei <0,1%.

Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN), NATURSCHUTZBUND Österreich und die Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach (ALS) fordern daher die Erstellung eines effektiven Energiesparkonzeptes, anstatt den Ausbau des letzten ungestauten Alpenflusses zu planen. Die frei fließende Salzach zwischen Salzburg und der Mündung in den Inn ist ein wertvolles Gut und daher bestmöglich zu bewahren. Die Konzepte und Planungen zur Sanierung der Unteren Salzach sind zügig fortzuführen und umzusetzen. Dabei ist unter Beachtung der Natura 2000-Gebiete insbesondere den naturverträglichsten Varianten wie der Flussaufweitung Vorrang zu geben.

Pressemitteilung Bund Naturschutz

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