BN: "Die Saalach braucht mehr Raum"

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Die Saalach im deutsch-österreichischen Grenzgebiet.

Freilassing - Das schwere Hochwasser Anfang Juni stand jetzt im Mittelpunkt des jüngsten Vorstandstreffen beim Bund Naturschutz in Freilassing. Die Ergebnisse der Diskussion:

Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) Freilassing beschäftigte sich bei seinem monatlichen Vorstandstreffen mit dem Hochwasserereignis 2013. Dabei sind im Gebiet der Ortsgruppe starke Schäden durch die Wassermassen verursacht worden.

Die Saalach ist ein sommerkalter, sauerstoffreicher und stark Geschiebe führender Wildfluss. Sie entspringt auf 1940 Metern in den Kitzbüheler Alpen und mündet auf 404 Meter bei Freilassing in die Salzach. Ab der Talsperre Kibling bei Bad Reichenhall gehört die Saalach und ihre Auen heute jedoch zu den am stärksten beeinträchtigten Flusslandschaften Bayerns. 70 Km des Flusses verlaufen in Österreich, 19 Km in Bayern und auf 13 Km bildet die Saalach die Staatsgrenze zu Österreich. So charakterisierte der stellvertretende Vorsitzende der Ortsgruppe, Erich Prechtl, eingangs den Fluss.

Seit der Flut wurde in Freilassing viel über die Ursachen „orakelt“. Fest steht laut Prechtl, dass die Saalach wesentlich mehr Wasser führte wie im Flussbett Platz hatte und mit 1104 cbm/s mehr Wasser ankam wie jemals gemessen wurde. Das Wasser überflutete den Auwald im Süden, staute sich am Bahndamm, drängte sich dort wildbachartig durch die wenigen Durchlässe und überflutete dann auch die weiteren Ortsteile, die auf Auwaldniveau liegen. Hier wirkte auch das starke Gefälle von über 10 m in Süd- Nordrichtung mit, das die Topographie Freilassing aufweist, berichtete Prechtl dazu.

Wetterexperten warnen schon lange davor, dass Extremereignisse wie im Juni immer häufiger auftreten werden. Daher sollte man auch mit Bedacht die richtigen Schutzmaßnahmen ergreifen, meinte dazu der Vorsitzende der BN Ortsgruppe Michael Behringer. Menschen an einem Fluss bilden eine Schicksalsgemeinschaft. Alle Maßnahmen, die an einem Fließgewässer getroffen werden, können sich an andere Stelle positiv oder negativ auswirken. Daher muss man jeden Fluss ganzheitlich betrachten, ergänzte Behringer seine Ausführungen.

Der Hochwasserschutz an der Saalach ist daher als gemeinsame, grenzüberschreitende Gesamtaufgabe aller Anlieger zu sehen. Eine der wirksamsten Maßnahmen für den Hochwasserschutz ist für den BN die Aufweitung des Flussbettes. Dadurch können neue Strukturen geschaffen werden und im Hochwasserfall verbleibt mehr Wasser in der Saalach. Hochwasserschutzdämme, wie für den Süden Freilassing angedacht, sollen nur dem Schutz von Siedlungsräumen dienen.

Wie man angesichts des letzten Hochwassers festzustellen war, bieten Dämme alleine gegen die immer größer werdenden Fluten nur eine trügerische Sicherheit. Zugleich muss man sich für die Hochwassersicherheit von Freilassing darum bemühen, dass der 1980 auf österreichischer Seite entstandene Damm, der nur landwirtschaftliche Flächen schützt, zurück verlegt wird. Auch sollte man prüfen, ob der Durchfluss an der Eisenbahnbrücke erhöht werden kann.

Eine ganze Reihe von weiteren Verbesserungsmaßnahmen sind bereits in der „Resolution und Selbstverpflichtung der Anliegergemeinden der Saalach“ beschrieben. Im Rahmen der „Alpenstadt 2001 Bad Reichenhall“ wurde diese Resolution von allen Bürgermeistern unterschrieben. Beim BN wünscht man sich, dass man zum Wohle von Mensch und Natur diese Selbstverpflichtung nun mit Leben erfüllt.

Pressemeldung Bund Naturschutz Freilassing

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