Biomasse: Bürgermeister reden Klartext

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Biomasse-Heizkraftwerk: Demnächst auch Realität in Freilassing!?

Freilassing - Der umstrittene Bau des Biomasseheizkraftwerk liegt in der Hand der Bürger. Aber es gibt nach wie vor viel Klärungsbedarf. Nun äußerten sich die Bürgermeister.

Es scheint kein Ende in Sicht: Die Diskussion um den Bau des Biomasseheizkraftwerks in Freilassing erregt weiterhin die Gemüter. Nach der aktuellen Stellungnahme des Bürgerarbeitskreises "Intelligente Energieversorgung für Freilassinger Bürger" zu dem Bauvorhaben, melden sich nun die verantwortlichen Bürgermeister zu Wort. Ihr Ziel: Für die Unterstützung des Vorhabens innerhalb der Bevölkerung werben.

Karlheinz Knott (Zweiter Bürgermeister):

Zweiter Bürgermeister: Karlheinz Knott

"Das nunmehr endgültig entwickelte Energiekonzept für unsere Stadt Freilassing ist eine richtige Entscheidung für die Zukunft.

Das Biomasse-Heizkraftwerk mit Holzhackschnitzeln aus der Region, betrieben im Wärmeverbund mit der Salzburg AG und als deutsche GmbH mit Mehrheitsanteil der Stadt Freilassing, macht aus wirtschaftlicher Überlegung Sinn und ist ökologisch zukunftsorientiert. Es macht die Stadt von den zu Ende gehenden Öl- und Gasaufkommen teilweise unabhängig.

Jeder Vermieter und Wärmenutzer kann froh sein, wenn ihm ein zuverlässiger Partner eine gesicherte Wärmeversorgung zu günstigen Preisen anbieten kann. Zu solchen zuverlässigen Partnern gehören vor allem kommunale Betriebe, wie die Stadtwerke Freilassing und die Salzburg AG, die ebenfalls eine kommunale Gesellschaft ist.

Ein gut funktionierendes Netz ist der Aktivposten einer jeden Wärmeversorgung. Ich bin überzeugt, dass die Bürger unserer Stadt diesen Vorteilen einer seit vielen Jahren bewährten Heiztechnik den Vorzug geben."

Michael Hangl (Dritter Bürgermeister):

Dritter Bürgermeister: Michael Hangl

"In unserer Region ist im Umkreis von 50 km noch genügend Holz für einige weitere Biomasseheizkraftwerke vorhanden.

Hallein verbrauchte bis zur Auflösung der Papierfabrik jährlich etwa 270.000 Tonnen Holzhackschnitzel. Die Papierproduktion wurde eingestellt und es wird nur noch Zellstoff hergestellt, wofür rund 70.000 Tonnen Hackschnitzel benötigt werden.

Die Saalforsten wollten sich mit 25 Prozent bei dem vor Jahren geplanten Holzheizkraftwerk in Eham beteiligen und das benötigte Holz zur Verfügung stellen. Das wäre die dreifache Menge von dem gewesen, was für das nun geplante Biomasseheizkraftwerk benötigt wird. Auch die Waldbesitzervereinigung wartet seit Jahren darauf, Freilassing mit Holz beliefern zu können.

Wer Spaziergänger ist und sich im Wald umschaut, sieht wie viel Holz brach herumliegt. Unsere Kulturwälder gehören gepflegt und durchforstet. Nur wenn man Zukunftsbäume freistellt, können sie ordentlich wachsen. Bis jetzt geschieht von diesen Pflegearbeiten noch viel zu wenig.

Sollte einmal mehr Holz gebraucht werden, als der Wald bei nachhaltiger Bewirtschaftung liefern kann, sind genügend Flächen vorhanden, die jetzt stillgelegt sind. Dort können Stecklinge maschinell gesetzt werden, die nach vier bis sechs Jahren geerntet werden können.

Ich bin für die umweltfreundliche Nutzung unseres heimischen Rohstoffes Holz zur Wärmeerzeugung! Das Geld bleibt hier und wandert nicht in ferne Länder ab."

Josef Flatscher (Erster Bürgermeister):

Erster Bürgermeister: Josef Flatscher

"Das Biomasseheizkraftwerk hat in den letzten Monaten manche Gemüter in unserer Stadt erhitzt – bald wird es hoffentlich das Fernwärmenetz erhitzen und unseren Bürgern nachhaltig und umweltfreundlich erzeugte Wärme in die Häuser liefern.

Eine große Mehrheit des Stadtrats ist für das Projekt und hat dies, mit Stimmen aus allen Fraktionen, in mehreren Entscheidungen bekräftigt. Auch unter den Bürgern höre ich viele positive Stimmen zum Biomasseheizkraftwerk. Das stimmt mich optimistisch, denn das Projekt ist ein wichtiger Baustein für die Zukunft unserer Stadt.

Wir müssen weg von Öl und Gas, nicht nur aus Gründen des Umweltschutzes – Stichwort CO2 und Klimawandel – sondern auch, weil diese Energieträger bald zu Ende sein werden. Geschlossen werden kann die entstehende Lücke durch einen vernünftigen Mix aus möglichst erneuerbaren Energien und auch durch Energieeinsparung, die aber alleine nicht ausreichen wird.

Für Freilassing hat sich die Nutzung der Biomasse im Wärmeverbund mit Salzburg als optimale Lösung herausgestellt. Was liegt näher, als heimische Rohstoffe, die ansonsten weitgehend ungenutzt blieben, für die Wärme- und Stromerzeugung zu verwenden?

Wir wollen, dass unsere Stadt auch für die nachfolgenden Generationen lebenswert bleibt. Wir wollen, dass Freilassing der Wirtschaftsstandort Nummer 1 im Landkreis bleibt. Und wir wollen die Hand auf unserer Energieversorgung haben und unabhängig von fremden Interessen sein. Deshalb brauchen wir das Biomasseheizkraftwerk!"

Fragen an Bürgermeister Josef Flatscher:

Warum hält die Stadt trotz des Widerstands am geplanten Biomasseheizkraftwerk fest?

"Ich sehe keinen breiten Widerstand gegen das Biomasseheizkraftwerk, sondern hauptsächlich die Aktivitäten einer kleinen Gruppe, die aus bekannten Gründen gegen das Projekt Front macht. Unabhängig davon ist und bleibt das Projekt sinnvoll, denn es bringt unserer Stadt ein Stück Unabhängigkeit von den weltweiten Energiemärkten und damit Versorgungssicherheit.

Außerdem wissen wir alle, dass zum Beispiel Öl und Gas immer knapper werden und wir uns rechtzeitig nach einem umweltfreundlichen, erneuerbaren Ersatz umsehen müssen. Dass wir mit Biomasse einen Teil unserer Energiekosten auch noch in der Region halten und nicht ins Ausland abfließen lassen, ist nur einer von vielen weiteren guten Gründen für das Projekt. Ich sehe deshalb keinen Anlass, weshalb die Stadt nicht daran festhalten sollte."

Kürzlich wurde im Stadtrat eine Kooperation mit der Salzburg AG beschlossen. Warum überhaupt ein Partner und warum die Salzburg AG?

"Mit einem Partner, der ja auch als Wärmeabnehmer vor allem im Sommer auftritt, wird die Auslastung des Biomasseheizkraftwerks über das Jahr hinweg noch besser und das Projekt damit noch wirtschaftlicher – zum Vorteil beider Partner und ihrer Kunden. Auch brauchen wir durch die Kooperation keine Anlagen für die Spitzenlast- und Ersatzversorgung in Freilassing zu bauen. Beides wird bei Bedarf aus Salzburg kommen. In Freilassing wird so zu 100 Prozent Biowärme erzeugt.

Natürlich haben wir auch mit anderen Anbietern über eine Zusammenarbeit verhandelt. Die Vorteile eines Wärmeverbunds, wie ihn die Salzburg AG bietet, konnte jedoch kein anderes Unternehmen mit einbringen."

Salzburg ist doch ein großer, starker Teilhaber. Befürchten Sie nicht, dass Freilassing nur der Juniorpartner sein wird?

"Das Biomasseheizkraftwerk wird ein Freilassinger Projekt mit Beteiligung der Salzburg AG, nicht umgekehrt. In der Vereinbarung über die Zusammenarbeit ist festgeschrieben, dass die Wärmeversorgung Freilassings Vorrang vor jeder anderen Nutzung hat. Außerdem werden wir an der zu gründenden gemeinsamen Gesellschaft 51 Prozent der Anteile und damit die Stimmenmehrheit haben. Wir sollten die Salzburg AG nicht als Konkurrenten oder gar Gegner, sondern als wichtigen Partner sehen."

Ein in der Vergangenheit viel diskutierter Punkt ist die Wirtschaftlichkeit des Projekts. Hat sich hier durch das geplante Kooperationsmodell etwas geändert?

"Wie schon gesagt: Mit der besseren Auslastung des Heizkraftwerks durch zwei Partner steigt auch dessen Wirtschaftlichkeit. Schließlich nimmt Salzburg sogar im Sommer Wärme ab; ein zusätzlicher Vorteil, den andere Anlagen, die nicht im Verbund betrieben werden, nicht haben.

Durch die Kooperation kann das Heizkraftwerk auch leistungsstärker ausgelegt werden, womit die Kosten der Energieerzeugung pro Megawattstunde, die sogenannten spezifischen Erzeugungskosten, geringer werden. Und schließlich erlaubt die jetzt größere Kapazität auch die wirtschaftliche Nutzung der Brennwerttechnik durch Rauchgaskondensation, was eine zusätzliche Ausbeute von 2 Megawatt bringt. Insgesamt bringt die Kooperation mit Salzburg also eine deutliche Verbesserung der Wirtschaftlichkeit, was sicher auch im Interesse der künftigen Kunden ist."

Muss man damit auch keinen Anschlusszwang befürchten?

"Wir machen den Bürgern ein Angebot, ein Anschlusszwang war noch nie geplant und wird auch nie kommen, auch wenn es uns von interessierter Seite noch so oft unterstellt wird. Nochmals: Wir sind für das Prinzip der Freiwilligkeit – im Gegensatz zu den Initiatoren des Bürgerbegehrens, die dem einzelnen Bürger die freie Entscheidung nicht lassen wollen.

Außerdem kann eine privatrechtliche Betreibergesellschaft keine Satzung erlassen und somit auch keinen Anschlusszwang durchsetzen."

Warum investiert die Stadt Freilassing in das Projekt?

"Ihren Bürgern eine nachhaltige, sichere Wärmeversorgung anzubieten, gehört für eine Stadt zur kommunalen Daseinsvorsorge, wie zum Beispiel auch die Wasserversorgung. Für solche Zwecke darf und soll eine Stadt investieren, allerdings ohne sich dabei zu überfordern.

Falls vorübergehend Schulden gemacht werden müssen, ist es wichtig, dass diese rentierlich sind, das heißt, dass sie aus den Projekterlösen finanziert werden und nicht durch den Steuerzahler getragen werden müssen. Das ist beim geplanten Biomasseheizkraftwerk der Fall. Im Gegensatz dazu würden Zuschüsse für Wärmedämmung, wie von den Initiatoren des Bürgerbegehrens gefordert, den städtischen Haushalt belasten. Solche Ausgaben kommen nicht wieder durch Erlöse herein."

In den nächsten Monaten wird der Bürger voraussichtlich über das Biomasseheizkraftwerk entscheiden müssen. Wie beurteilen Sie die Chancen der Stadt, das Projekt dann noch bauen zu können?

"Wir sind sehr optimistisch, weil wir glauben und aus vielen Gesprächen auch wissen, dass ein großer Teil der Bürger die Notwendigkeit und auch die Vorteile des Heizkraftwerks sieht. Wichtig ist natürlich, dass die Befürworter des Projekts ihr Stimmrecht auch wahrnehmen und nicht eine "schweigende Mehrheit" bleiben.

Wir haben den Initiatoren übrigens eine Zusammenlegung des Bürgerentscheids mit dem Volksentscheid zum Nichtraucherschutz am 4. Juli angeboten, da wir dem Bürger einen zweifachen Gang zur Wahlurne und der Stadt unnötige Kosten sparen wollen. Leider haben die Verantwortlichen bei einem Gespräch am 12. März nicht zugestimmt und auch bis Redaktionsschluss dieses Stadtjournals keine Stellung zu unserem Vorschlag genommen. Die Stadt wird sich trotzdem weiterhin bemühen, zu einer bürgerfreundlichen Lösung zu kommen."

Wir halten Sie weiter auf dem Laufenden!

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