Forstamt Berchtesgaden zieht verheerende Bilanz

1,5 Millionen gebrochene Bäume durch Katastrophenwinter

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Forstministerin Michaela Kaniber und Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten beim Ortstermin am Freitag am Teisenberg. Im Hintergrund sind noch immer viele umgeknickte Bäume zu sehen. 
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Anger - Die Schäden des vorigen Winters sind noch lange nicht aufgearbeitet, da steht schon der nächste vor der Tür: Am Teisenberg zog das Forstamt nun Bilanz, wie weit die Schäden gehen. 

Reihenweise umgeknickte Bäume, Aufräumarbeiten am laufenden Band und riesige Holzlager: Noch immer ist der Teisenberg gezeichnet von den Folgen der Schneemassen, die im Januar herunterkamen. Die Bayerischen Staatsforsten zogen mit Forstministerin Michaela Kaniber am Freitag Bilanz. Rund 1,5 Millionen gebrochene Bäume hat das Forstamt Berchtesgaden in seinem Bereich zu verzeichnen, so Forstbetriebsleiter Daniel Müller. Das sind etwa 200 Mal mehr Bäume als in einem gewöhnlichen Winter

Gut 7000 Festmeter Bruchholz liegen in diesem Holzlager nahe Anger. Von den 1,5 Millionen gebrochenen Bäume im ganzen Forstamtsbezirk Berchtesgaden stammt etwa jeder zweiter vom Teisenberg. 

"Es hat kein Ende mehr genommen. Wir sind einfach vor einem Berg gebrochener Bäume gestanden", berichtet ein Revierleiter vom Teisenberg. Die Arbeit ist noch lange nicht erledigt: Bis in den Juli oder August 2020 hinein wird man nach Schätzungen von Daniel Müller brauchen, bis die Schäden des Schneebruchs wirklich wieder beseitigt sind. "Wir sind stolz darauf, was die Bayerischen Staatsforsten leisten", dankte Ministerin Kaniber bei ihrem Besuch. 

Forstbetriebsleiter Daniel Müller: "Ein zweites Jahr mit einem solchen Arbeitsvolumen werden wir kaum wegstecken können." Auch im Vergleich zur Schadensbeseitigung nach dem Sturm "Kyrill" 2007 sei der Winter 2019 aufwändiger.

Müller gab zu, im Frühjahr die Schäden noch unterschätzt zu haben: "Erst als der Schnee langsam geschmolzen ist haben wir gesehen, wie viel wirklich kaputt war." Gut 50.000 Festmeter Bruchholz mussten allein am Teisenberg verzeichnet werden. Das Holz wird in großen Lagern gesammelt und später möglichst an Sägewerke verkauft. Das Bruchholz einfach liegen lassen ist für Kaniber keine Option: "Um den Wald nachzuverjüngen müssen wir das Bruchholz herausbekommen." Darüber hinaus befürchtet man bei den Staatsforsten schon die nächste Borkenkäferpflage.

Mit Liften und Seilwinden wird das Bruchholz aus dem Wald herausgezogen und an Ort und Stelle weiterverarbeitet. 

Wie Forstministerin Kaniber berichtet haben aber alle Wälder in Bayern so ihre Probleme: "Bei Alzenau steht durch den Sturm im August kein einziger Baum mehr. In Franken gibt es große Probleme mit der Trockenheit in den Wäldern. Wir wissen nicht was da noch auf uns zukommt und was das Klima mit uns macht." Das Ziel von Ministerpräsident Söder, 30 Millionen neue Bäume zu pflanzen, sei daher zu unterstützen. "Noch wichtiger ist es dann aber, die Bäume auch hochkommen zu lassen", so Kaniber.

xe

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