Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Juha Lappalainen kommt

Die Pioniere des Mattensports würdigen - SC Anger organisiert besonderen Ringer-Abend

Helmut Pöschl hat in der langen Corona-Phase eine Aktion ins Leben gerufen, die am 29. Oktober im Poststall Teisendorf zur Aufführung kommt.
+
Helmut Pöschl hat in der langen Corona-Phase eine Aktion ins Leben gerufen, die am 29. Oktober im Poststall Teisendorf zur Aufführung kommt.
  • VonHans-Joachim Bittner
    schließen

Er war selbst Ringer. Und er möchte einfach nur Danke sagen. Bei den „Älteren“, von denen er und so viele andere profitierten. Helmut Pöschl ist seit 50 Jahren Mitglied des SC Anger, Abteilung Ringen. Die lange Corona-Phase – mit reichlich Zeit für neue Gedanken – brachte den 58-Jährigen auf die Idee eines besonderen Abends

„Ich möchte die Angerer Ringer-Geschichte aufleben lassen, an sagenhafte Zeiten erinnern und damit vor allem unsere ,Pioniere auf der Matte‘ entsprechend würdigen. Meine Generation und alle folgenden wären nicht das, was sie heute sind, hätten uns die Männer der ersten Stunden nicht angeleitet, hätten uns nicht gezeigt, wie dieser Sport läuft. Es ist an der Zeit, sich dafür endlich einmal richtig zu bedanken“, sagt Pöschl. „Es ist ja auch so“, gibt er zu bedenken, „dass die, die von früher erzählen können, zwangsläufig weniger werden. Viel zu viele sind leider schon verstorben.“ Jetzt möchte er keine wertvolle Zeit mehr verlieren, um die lange Ringer-Ära – 1948 begann alles – im kleinen Ort am Fuße des Högls mit ihren vielen unvergesslichen Wegbegleitern ausführlich Revue passieren zu lassen.

Pöschls Bedürfnis, die daraus folgende Idee, das entstandene Projekt: Eine Zeitreise in bewegten Bildern – auch, um die Wegbegleiter seiner Generation und jene davor mit den aktuellen Athleten zusammenzubringen. 1976 fuhr Helmut Pöschl zusammen mit dem in diesem Jahr verstorbenen Hansi Nitzinger in einem VW Käfer auf seine erste Deutsche Meisterschaft nach Bruchsal. „Der ging nicht schneller als 100 km/h“, erinnert sich der damalige 68 Kilo-Freistilmann, der am Ende Vierter wurde – sein bestes Ergebnis überhaupt. Michi Pronold gewann dort Gold, unvergessliche Erinnerungen. Fast ein Jahrzehnt zuvor hatte Hans Edfelder den ersten Deutschen Meistertitel nach Anger geholt.

Helmut Pöschl eruierte zunächst, ob seine Idee eines Revival-Abends mit vielen Gästen überhaupt ankommen würde: „Ich fragte den früheren Vorstand Herbert Steinmaßl und Franz „Sternei“ Steinbacher aus der aktiven ersten Bundesliga-Zeit. Beide waren sofort hellauf begeistert“. Der zweite Schritt war die Bildung eines „bunten“ Kreises, sechs Leute: Unter anderem mit Reinhold Schuhbeck, der viele Jahre bei den Kämpfen in der Aufhamer Halle filmte und fotografierte. „Meistens kamen wir in dieser Runde jedoch nicht recht voran, weil so viele Anekdoten erzählt wurden und die konkrete Ausarbeitung eines Programms hinten runterfiel“, schmunzelt Pöschl, der schließlich mithilfe einer DVD- und CD-Mappe von Reinhold Schuhbeck eigenmächtig ein Konzept ausarbeitete. Mit älterem Material vor den 1980er-Jahren war es erstmal schwierig.

„Verlieren, aufstehen, kämpfen, sich durchsetzen – Ringen hat mein Leben geprägt. Die wertvollen Erfahrungen aus dem Sport konnte ich stets auch im Alltag umsetzen.“

Helmut Pöschl

Bei der Sichtung sentimental geworden

Bei der Sichtung inklusive sofortiger Selektierung wurde Helmut Pöschl zwangsläufig sentimental: „Ich sah Kämpfe aus der Lokalderby-Zeit mit Berchtesgaden, mit Hubert Wimmer oder Franz Helminger“, so Pöschl. Ein erster Entwurf, ein grobes Gerüst entstand. Schließlich wandte sich der Initiator an Michi Fürmann, der bei einer Werbeagentur in Traunstein beschäftigt ist. Der Medienprofi konnte mit dem Stückwerk jedoch nicht viel anfangen, weil er die Leute – beispielsweise aus den 1970er-Jahren – freilich nicht kannte. Fürmann machte Pöschl klar, dass er ein sauberes, chronologisches Drehbuch wird schreiben müssen. Schließlich stellte er in vielen freiwilligen Stunden eine Präsentation zusammen. Beim Feinschliff half Hobby-Kameramann Josef Koch, ebenfalls eng mit dem SCA-Ringsport verbunden.

Pöschl schrieb den Bayerischen Rundfunk an. „Ich wusste, die waren 1971/72, also in der ersten Angerer Bundesliga-Phase, in der alten Kröpflwirt-Halle.“ Tatsächlich bekam er nach langem Hin und Her und den nötigen Freigaben die entsprechenden Berichte aus München. „Es waren original Filmaufnahmen vom Aufstiegskampf 1971 und dem ersten Bundesliga-Lokalderby gegen den AC Bad Reichenhall dabei“, ist Pöschl begeistert. „Diese legendären Bildern passen natürlich perfekt in unser Programm.“

Der SC Anger stieg damals übrigens gleich wieder aus der damals zweigleisigen Bundesliga ab, mit neun Pluspunkten. „Weil es einen handfesten Eklat gab“, informiert Pöschl. Warum? Davon sollen die hoffentlich zahlreichen Zeitzeugen am Abend der Präsentation berichten. Diese wird Höhen wie Tiefen der Vereinsgeschichte zeigen und soll immer wieder mit Standbildern angehalten werden, um Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen. Moderator Stefan Schimmel wird den Pionieren Fragen zur jeweiligen Phase ihrer aktiven Karriere oder den gezeigten Szenen stellen. Unvergessen ist dabei freilich der Auftritt von Publikumsliebling Franz „Louei“ Helminger junior zusammen mit Andi Weber im ZDF-Sportstudio.

„Langatmig wird der Abend nicht“, versichert Helmut Pöschl vorweg, zweieinhalb Stunden maximal soll das Programm insgesamt beinhalten. „Sicher eine Länge, die für alle gut machbar ist. Natürlich könnten wir einige Tage mit Interessantem und Kuriosem füllen, keine Frage.“ Das Schwierige sei laut Pöschl, der nach seiner aktiven Zeit als Trainer und rund 15 Jahre als Sportlicher SCA-Leiter tätig war, jedem gerecht zu werden.

„Alle kann man nicht mitnehmen und würdigen, es würde den Zeitrahmen sprengen“, entschuldigt sich der Initiator schon vorab. Es soll hauptsächlich den Älteren des SC Anger, also den Wegbereitern dieses kleinen und doch so großen Vereins gedankt werden. „Das ist mein Wunsch“, so Pöschl, der sich mit der Aktion kein Denkmal setzen will: „Ich organisiere die Sache mit einem starken Team, zu dem unter anderem Ex-Vorstand Herbert Steinmaßl gehört, werde aber bei der Veranstaltung ganz bewusst und sicher nicht im Mittelpunkt stehen“.

Eigengewächse werden portraitiert

Die bewegten Bilder münden im zweiten Teil in die Phase „ewiger Zweitliga-Zeiten“ in den 1980er und 1990er-Jahren mit vielen Derbys gegen Reichenhall, Berchtesgaden, Traunstein oder Trostberg sowie bis zu 1000 Zuschauern in der Aufhamer Halle. Einzelne Ringer-Eigengewächse und -Größen des Sportclubs werden als Auflockerung portraitiert: Toni Birnbacher, Hubert und Franz Wimmer. Als einziger Legionär wird Juha Lappalainen erwartet. „Mit ihm stehe ich in engem Kontakt.

Aufgrund seiner Tätigkeit als Nationaltrainer Finnlands ist er mit seinem Team bei der zeitgleich stattfindenden EM in Serbien im Einsatz. Er reist jedoch extra zu unserem Abend an“, freut sich Pöschl. Die Hogger-Zwillinge Reinhard (aktuell 1. Abteilungsleiter) und Georg werden mit Christian Klouceck und Franz Helminger im zweiten Teil des Abends ihren Platz finden. „Wir haben Aufnahmen, die sie wahrscheinlich selbst noch nicht sahen.“ Als Erwachsene bestritten sie die „Neuzeit“ mit einer durchaus einhergehenden, zwangsläufigen Kommerzialisierung. Dabei wurde das stets gepflegte Familiäre beim SCA nie vernachlässigt. Sponsoren ermöglichten 2003 jedoch den zweiten Bundesliga-Aufstieg mit einem sagenhaften Entscheidungskampf in Nürnberg.

Es folgte die erfolgreiche Zeit im Ringer-Oberhaus, als in Anger Olympiasieger und Weltmeister aus- und eingingen, dem „Olympiakonzept 2004“ und vielem mehr. Ein Höhepunkt war freilich die vom SCA durchgeführte Deutsche Freistil-Meisterschaft im Aufstiegsjahr, aus Platzgründen in Bad Reichenhall ausgetragen. Die Besucher kommen in den Genuss des Finalkampfes von Christian „Sam“ Klouceck. Abgeschlossen wird der Film mit einem Zusammenschnitt dieser „Deutschen“ mit teils über 2500 Zuschauern an den Kampftagen.

Das Programm und die Anmeldung

Der besondere Ringer-Revival-Abend mit geladenen Gästen findet am Freitag, 29. Oktober, ab 18.30 Uhr im Poststall in Teisendorf statt. Interessierte sind ebenfalls eingeladen, der Eintritt ist frei. Nach einem gemeinsamen Abendessen – kostenfrei, Spenden werden gerne angenommen – beginnt das Programm gegen 19.30 Uhr. Eine halbstündige Pause unterbricht den gezeigten Film, der zwei Hauptteile beinhaltet.

Corona macht in diesen Zeiten alles offen. „Wir hoffen, es klappt“, so das Organisations-Team. Aufgrund des gegenwärtigen Infektionsschutzgesetzes ist der Verein angehalten, die 3G-Regeln umzusetzen. Diese werden am Eingang kontrolliert. Im Zuge der Planungssicherheit ist deshalb die Anmeldung zwingend erforderlich. Sie erfolgt online unter www.zeitreise-sc-anger, per Telefon unter 0171/7382140 oder bei den noch ausstehenden Heimkämpfen des SC Anger in der Aufhamer Sporthalle. Anmeldeschluss ist am Sonntag, 24. Oktober.

Alle Erlöse, die erzielt werden, fließen umgehend in die Nachwuchsförderung des SC Anger.

bit

Kommentare