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„Der SC Anger ist wie ein Zuhause“

Nostalgie-Abend der Sportclub-Ringer mit großen Gefühlen - Stargast Lappalainen unterbrach extra eine WM

Großartige Stimmung vor rund 15 Jahren in der Aufhamer Halle: Ausgelassener Jubel bei den Trainern Christian „Sam“ Klouceck (links im roten T-Shirt) und dem Ungarn Zoltan Kovacs.
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Großartige Stimmung vor rund 15 Jahren in der Aufhamer Halle: Ausgelassener Jubel bei den Trainern Christian „Sam“ Klouceck (links im roten T-Shirt) und dem Ungarn Zoltan Kovacs.

Zweierlei Tränen waren in so manchem Augenwinkel zu entdecken: Jene, die der Sparte „sentimental“ zuzuordnen sind, und jene der Freude, für die so manch kurios-erzählte Anekdote der Pioniere sorgte.

Teisendorf/Anger - Trotz knapp zweieinhalb-stündigen Programms verging der Nostalgie-Abend des Sport-Clubs Anger, Abteilung Ringen, wie im Flug. Die besondere Zeitreise fand großen Anklang und erst in den frühen Morgenstunden ihren Ausklang.

Fast ganz am Ende des von Helmut Pöschl mit seinem Team zusammengestellten Revivals begrüßte Moderator Stefan Schimmel – der Kabarettist war mit der gewohnten Schlagfertigkeit am Mikro unterwegs – Stargast und Publikumsliebling Juha Lappalainen. Der Olympia-Teilnehmer des Jahres 2000 war extra nach München geflogen, um dabei sein zu können. Der heutige finnische Nationalcoach unterbrach für „seinen SC Anger“ das Coaching bei der U23-WM in Belgrad und verkündete, dass dieser Verein „wie ein Zuhause“ für ihn sei und er ihn „immer ganz tief im Herzen tragen“ werde. Der 48-Jährige genoss die gerade für ihn besondere Veranstaltung in vollen Zügen und verließ sie als Letzter erst gegen 4.30 Uhr. Große Aufmerksamkeit erfuhr Gründungsmitglied Hubert Hunklinger, der selbst kein Ringer war und sich den Rückblick ebenfalls nicht entgehen ließ.

Sagenhafte Sport-Geschichte prägte den Abend: Seit der Sparten-Gründung 1949 ging‘s mit dem SC Anger stetig bergauf. Freilich konnten nur einige der unzähligen Höhepunkte Erwähnung finden, andernfalls hätte die Veranstaltung im Teisendorfer Poststall jeden zeitlichen Rahmen gesprengt. Seit der Zweitliga-Gründung 1973 gehörte der Sportclub bis 2016 immer mindestens der 2. Bundesliga an – ein erstaunlicher Wert, auf den nicht viele deutsche Ringer-Vereine verweisen können. Der erste Angerer Mannschaftskampf überhaupt, 1961 gegen Burghausen II, wurde mit sechs Punkten Vorsprung gewonnen.

Ringer-Anzüge in Gelb und Schwarz

72 Folien mit Bildern voller Erinnerungen kamen zur Geltung, dazwischen genossen die rund 200 Gäste unter Einhaltung der 3G-Vorschrift nach einem schmackhaften Abendessen vor allem die historischen Filmaufnahmen. Jene im Kröpflwirt, in dem alles begann, ließen die Besucher kopfschüttelnd staunen. Im zur Ringer-Arena umfunktionierten Gastraum, der gerade einmal für 150 Personen ausgelegt war, drängten sich bei den Höhepunkt-Kämpfen bis zu 500 Fans. Teilweise wurde durch die Fenster ein- und wieder ausgestiegen. „Komplett andere Zeiten“, staunte Moderator Schimmel. Kurios: Als die Angerer 1972 das erste Mal in der 1. Bundesliga gegen die nahen Lokal-Konkurrenten des damals weitaus größeren und erfolgreicheren AC Bad Reichenhall (Deutscher Mannschaftsmeister 1950) antraten, trugen sie Sport-Anzüge in den Kurstadt-Farben Gelb und Schwarz.

„Das war schon völlig verrückt“, erinnerte sich Hans Edfelder, als Jugendlicher 1967 erster Deutscher Einzelmeister im Trikot des SCA und bis heute eine der herausragenden Persönlichkeiten des Vereins. Im ersten Derby gegen die Reichenhaller besiegte er damals sensationell Olympiateilnehmer Fritz Huber. Trotz neun errungener Zähler stieg Anger sofort wieder aus der Bundesliga ab. 2003 folgte ein weiterer Aufstieg nach einem sagenhaften 15:14-„Finale“ in Nürnberg, Juha Lappalainen machte im letzten Kampf alles klar.

Stellvertretend für so viele seien an dieser Stelle persönlich anwesende Ringer-Größen erwähnt, die mittels Interviews aktiv ins Programm eingebunden wurden: Raimnd Fiederer, Toni Birnbacher, Franz Steinbacher, 1972 aktiver Ringer im ersten Angerer Bundeliga-Team und Orga-Chef der Deutschen Meisterschaft 2003 in Bad Reichenhall, dazu der stets so aufopfernd kämpfende Franz Wimmer – er schaffte es 1977 sogar mit Stand- und Bewegtbildern in die ARD-Sportschau –, oder Franz Koch, dem es in seiner aktiven Zeit als einem von wenigen gelang, dem damaligen Vize- und späteren Weltmeister Martin Knosp ein paar Punkte förmlich abzuringen. Als Coach der Ersten feierte er später mehrere Vizemeisterschaften in der 2. Bundesliga. Außergewöhnlichen Status erreichten die nur knappen Niederlagen von Hubert Wimmer gegen Kult-Olympiasieger und Weltmeister Pasquale Passarelli.

Nachhaltige Spuren haben die Vorstände Lois Doff, Hans Nitzinger – daneben unter anderem Trainer, Schiedsrichter und Hallen-Neubau-Leiter, Matthäus Koch, Dr. Leo Kraus, Herbert Steinmaßl oder Ralf-Peter Lehmann hinterlassen. Hans Nitzinger, vor knapp einem Jahr im Alter von 85 Jahren verstorben, prägte das Vereinsgeschehen des SC Anger in besonderer Art und Weise. Während seine Frau Ulrike „brav daheim blieb, so war es eben“, sich 17 Jahre um die Wäsche der Athleten kümmerte, 20 Jahre die Zeitungsberichte nach den Kämpfen schrieb und noch ganz „nebenbei“ vier Kinder versorgte.

Schwiegersohn Raymund Edfelder sorgte derweil als Schwergewichtsringer in der Bundesliga für Furore. Erfolgreichster Angerer ist jedoch Heinz Marnette mit neun deutschen Einzel-Meistertiteln. 86 nationale Siege haben SCA-Ringerinnen und Ringer insgesamt bislang eingefahren und über 160 DM-Medaillenplätze insgesamt errungen. Kathi Baumgartner kam dreimal als Europameisterin zurück nach Anger, die Traunsteinerin Julia Weiß als SCA-Athletin sogar mit dem WM-Titel. Im männlichen Bereich sorgte der 4. Platz von Stefan Resch bei der Junioren-WM in Colorado (USA) für Aufsehen, genauso wie nationale Mannschaftsmeister-Titel des SCA im Jugendbereich.

Als sich die Hogger-Buam warfen

Höchst amüsant waren die Bilder eines „Show-Trainingskampfes“ der beiden Hogger-Zwillinge Georg und Reinhard, seit 2018 Ringer-Vorstand, auf der Angerer Matte im Vorfeld eines Kampfes der Ersten – beide keine fünf Jahre alt. Genauso wie eine Kinder-Übungseinheit mit Kult-Trainer Rudi Lohwieser, für das extra das Bayerische Fernsehen nach Anger reiste. Bis ins ZDF-Sportstudio zu Moderator Dieter Kürten schafften es die damaligen Deutschen Jugendmeister Andi Weber als Sechst- und Franz Helminger als Achtklässler – und sorgten mit „bayerischem Gradraus-Charme“ für wahre Lachsalven. An den beiden „Loueis“, Vater wie Sohn, führte im Poststall freilich kein Weg vorbei.

Der Cousin von Hans Edfelder, Franz Helminger senior, der bereits verstorben ist, war nahezu unschlagbar. Sein Sprössling gleichen Vornamens – aufgrund einer Corona-Infektion per Skype in den Saal zugeschaltet – gehört bis heute zu den spektakulärsten Athleten seiner Zunft. Louei junior brachte die Aufhamer Halle regelmäßig, oft als Letzter der Zehner-Riege auf der Matte, zum Beben. Herausragend waren Auftritte gegen Berchtesgadens Andi Sommer, der 16:15 gewann, oder gegen den deutschen Spitzenmann Jochen Engelhardt, den Helminger besiegen konnte. In diese Generation fiel natürlich auch Christian „Sam“ Klouceck. Sein Höhepunkt: Die „DM 2003 dahoam“ in Bad Reichenhall mit schon gebrochener Rippe davor und gebrochenem Finger im Finale, das er „irgendwie blöd, weil derart lädiert“ verlor – Platz 2 und somit Silber waren jedoch aller Ehren wert.

Nostalgie-Abend der Sportclub-Ringer mit großen Gefühlen in Anger

Trotz knapp zweieinhalb-stündigen Programms verging der Nostalgie-Abend des Sport-Clubs Anger, Abteilung Ringen, wie im Flug.
Trotz knapp zweieinhalb-stündigen Programms verging der Nostalgie-Abend des Sport-Clubs Anger, Abteilung Ringen, wie im Flug. © bit
Trotz knapp zweieinhalb-stündigen Programms verging der Nostalgie-Abend des Sport-Clubs Anger, Abteilung Ringen, wie im Flug.
Trotz knapp zweieinhalb-stündigen Programms verging der Nostalgie-Abend des Sport-Clubs Anger, Abteilung Ringen, wie im Flug. © bit
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Trotz knapp zweieinhalb-stündigen Programms verging der Nostalgie-Abend des Sport-Clubs Anger, Abteilung Ringen, wie im Flug. © bit
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Trotz knapp zweieinhalb-stündigen Programms verging der Nostalgie-Abend des Sport-Clubs Anger, Abteilung Ringen, wie im Flug. © bit
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Trotz knapp zweieinhalb-stündigen Programms verging der Nostalgie-Abend des Sport-Clubs Anger, Abteilung Ringen, wie im Flug. © bit
Trotz knapp zweieinhalb-stündigen Programms verging der Nostalgie-Abend des Sport-Clubs Anger, Abteilung Ringen, wie im Flug.
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Trotz knapp zweieinhalb-stündigen Programms verging der Nostalgie-Abend des Sport-Clubs Anger, Abteilung Ringen, wie im Flug.
Trotz knapp zweieinhalb-stündigen Programms verging der Nostalgie-Abend des Sport-Clubs Anger, Abteilung Ringen, wie im Flug. © bit
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Trotz knapp zweieinhalb-stündigen Programms verging der Nostalgie-Abend des Sport-Clubs Anger, Abteilung Ringen, wie im Flug. © bit
Trotz knapp zweieinhalb-stündigen Programms verging der Nostalgie-Abend des Sport-Clubs Anger, Abteilung Ringen, wie im Flug.
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Trotz knapp zweieinhalb-stündigen Programms verging der Nostalgie-Abend des Sport-Clubs Anger, Abteilung Ringen, wie im Flug. © bit
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Trotz knapp zweieinhalb-stündigen Programms verging der Nostalgie-Abend des Sport-Clubs Anger, Abteilung Ringen, wie im Flug.
Trotz knapp zweieinhalb-stündigen Programms verging der Nostalgie-Abend des Sport-Clubs Anger, Abteilung Ringen, wie im Flug. © bit
Trotz knapp zweieinhalb-stündigen Programms verging der Nostalgie-Abend des Sport-Clubs Anger, Abteilung Ringen, wie im Flug.
Trotz knapp zweieinhalb-stündigen Programms verging der Nostalgie-Abend des Sport-Clubs Anger, Abteilung Ringen, wie im Flug. © bit

Die Besonderheit des stets familiär und gleichermaßen weltoffen geführten Sportclubs manifestiert sich in folgenden Beispielen: Als „Ringermusik“ unter der Leitung von Martin Koch kam die Geselligkeit nie zu kurz. Wenn „Not am Mann“ war, kam immer Hilfe – etwa, als keine Punktetafeln für die drei Kampfrichter zur Hand waren und Herbert Tschakert senior kurzerhand „bastelnd“ einsprang. 1967 sollte schließlich der erste ausländische Coach verpflichtet werden – Abdurahman Cay aus der Türkei, einst Ringer-Europameister. Die Meldung löste große Euphorie in der Gemeinde aus, die sogar eine Spendenaktion startete, um den Trainer nach Anger holen zu können. Es klappte.

Ehrengäste, ein Edel-Fan und viele mehr…

Zur besonderen Zeitreise des SC Anger wurden namentlich Altbürgermeister Silvester Enzinger, der amtierende Rathauschef Markus Winkler, Max Stadler als Gesamtvorstand des Sportclubs, Andreas Brügmann als „Hausherr“ der Brauerei Wieninger – sie hatte die Räumlichkeiten kostenfrei zur Verfügung gestellt –, sowie die früheren Sponsoren Georg Kamml und Rupert Helminger begrüßt. Als Kult-Fan hießen die Verantwortlichen den mittlerweile 95-Jährigen Hans „Sporei“ Wimmer willkommen, der nach wie vor regelmäßig bei den Heimkämpfen in der Aufhamer Halle mit dabei ist.

Für die musikalische Begleitung hatten die Ziachspieler Jakob Wadispointner und Stefan Koch aus Anger gesorgt. Als Veranstalter fungierte der Förderverein mit seinem Vorsitzenden Erwin Koch. Alle Einnahmen kommen der Nachwuchsförderung des SC Anger zugute. Der Eintritt und das Essen waren frei, die Ringer-Mädels gingen mit Spendenboxen durch die Reihen.

Der abschließende Dank von Initiator Helmut Pöschl, 15 Jahre lang Sportlicher Leiter der Ringer, ging unter anderem an Medien-Fachmann Michi Fürmann, der in unzähligen Stunden am Schnittpult zugange war, um die Filmsequenzen zu schneiden, an Sepp Koch, der die Bilder am Revival-Abend auf die Leinwand brachte, an Videofilmer und Fotograf Reinhold Schuhbeck, Paul Hogger für die Einladungskarten und Mit-Moderator Herbert Steinmaßl, von 1995 bis 2005 Vorstand der Angerer Ringer.

bit

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