Über eine Stunde war die Erde in Bewegung

„Das glaubt kein Mensch“: Anwohner berichten vom Hangrutsch bei Anger

Foto vom Hangrutsch in eine Doppelhaushälfte nach dem Dauerregen in Vachenlueg bei Anger im Berchtesgadener Land.
+
21907641-fotos-grosseinsatz-hangrutsch-vachenlueg-anger-2uOLkF2EIu6b.jpg

Anger - Durch den Dauerregen wurde die Erde schwerer und schwerer - bis sie sich langsam in Bewegung setzte: Ein Hangrutsch traf ein Wohnhaus in Vachenlueg. Wir haben die Eindrücke von vor Ort.

Am Anfang konnte er seinen Augen nicht trauen: „Beim ersten Hinschauen dachte ich, mir muss es schwindlig sein - aber es war tatsächlich der ganze Hang, der da langsam in Bewegung kam.“ Im Gespräch mit BGLand24.de berichtet ein direkter Nachbar vom Hangrutsch, der sich am Dienstag, 4. August, gegen 9 Uhr in Vachenlueg bei Anger ereignete. Der Dauerregen brachte das Erdreich oberhalb einer Doppelhaushälfte ins Rutschen. Nun ist das Erdgeschoß voll mit Matsch und Schlamm.


Hangrutsch bei Anger trifft Doppelhaushälfte

Es sei kein plötzlicher Hangrutsch gewesen, sondern die Erde habe Stück für Stück nachgelassen. Schon in der Früh sei die Feuerwehr in der Doppelhaushälfte gewesen, um das herabfließende Wasser aus dem Keller zu pumpen. Dann habe man schon kleine „Bäche“ den Hang in Vachenlueg bei Anger herunterrinnen sehen, berichtet der Anwohner. „Man hat dann wie in Zeitlupe zuschauen können, wie der Hang aufgeweicht worden und heruntergekommen ist.“ Peter Huber, Chef der zuständigen Polizeiinspektion Bad Reichenhall, bestätigt vor Ort, dass sich der Hang über eine Stunde bewegt habe.


20200804_111616.jpg

Polizei: „Erdreich könnte noch weiter abrutschen“

„Immer weiter ist der Boden aufgegangen, immer mehr Wasser ist nachgekommen. Es ging völlig lautlos. Das glaubt kein Mensch“, so der Nachbar. In der neu eingerichteten Doppelhaushälfte stehe der Schlamm jetzt meterhoch, hätte ihm die betroffene Familie berichtet. „Es regnet ja nach wie vor. Jetzt geht es darum, den Hang zu stabilisieren. Es ist möglich, dass das Erdreich noch weiter abrutschen kann“, so Polizeichef Huber am Dienstagvormittag.

Bereits kurz nachdem sich die Erde in die Doppelhaushälfte drückte war - neben Feuerwehr, THW und Polizei - auch eine Erdbaufirma an Ort und Stelle, um den heruntergekommenen Hang abzutransportieren. Verletzt wurde beim Hangrutsch in Vachenlueg bei Anger glücklicherweise niemand. Der kleine Weiler liegt an den nördlichen Ausläufern des Högl - mit Erdrutschen wurde Vachenlueg in der Vergangenheit bereits mehrfach konfrontiert: 1899 wurde die Burgruine Vachenlueg teils verschüttet, 1954 traf es nach langen Regenfällen mehrere Wohnhäuser, zwei Bewohner kamen ums Leben.

Hier gelangt ihr zur Fotostrecke rund um den Erdrutsch in Vachenlueg bei Anger.

Der Sachschaden ließ sich am Dienstagvormittag durch die Polizei noch nicht abschätzen.

xe

Kommentare